Bauwerksprüfung bescheinigt dem Denkmal einen ausgezeichneten Zustand Radrennbahn erhält Spitzenzeugnis

Bielefeld (WB). »Die Bielefelder Radrennbahn hat eine Zukunft.« Davon ist Experte Dr. Markus Johow nach den Bauwerksprüfungen überzeugt. Johow: »Eine Investition lohnt und wird sich dauerhaft auszahlen. Das ist gut angelegtes Geld.« Michael Mertins (Förderverein): »Wir sind glücklich und sehr zufrieden.«

Von Michael Diekmann
Blick ins Innenleben: Der Projektingenieur Markus Kraas (rechts) zeigt Michael Mertins und Anette Fischer vom Förderverein an einer in die zwölf Zentimeter dicke Betondecke gestemmten Öffnung den tadellosen Zustand der  Spannhülsen.
Blick ins Innenleben: Der Projektingenieur Markus Kraas (rechts) zeigt Michael Mertins und Anette Fischer vom Förderverein an einer in die zwölf Zentimeter dicke Betondecke gestemmten Öffnung den tadellosen Zustand der Spannhülsen. Foto: Bernhard Pierel

Nach zwei Tagen vor Ort im denkmalgeschützten 333 Meter Beton-Oval und noch vor Beginn der Laborauswertungen aller Proben haben die Mitglieder des Fördervereins Radrennbahn Gewissheit, mit ihrem Engagement für den Erhalt der einzigartigen Anlage goldrichtig zu liegen.

Und mit ihrem finanziellen Einsatz. Bis zu 10.000 Euro kostet die Betonprüfung, die die wesentlichen Daten ermittelt für die Machbarkeitsstudie des Architekturbüros Schürmann aus Münster. Diese wird noch einmal einige tausend Euro kosten. Dieses sei aber, betont Markus Johow von der Roxeler Ingenieurgesellschaft, der einzig richtige Weg: »Schon oft wurden auf falschen Annahmen basierend falsche Dinge teuer bezahlt.«

Investitionsaufwand zwischen 150.000 und 800.000 Euro

Erste Schätzungen sehen an der Bahn Investitionsaufwand zwischen 150.000 und 800.000 Euro, so Johow, je nach Umfang der Arbeiten zwischen einfachem Erhalt, Pflege, Verbesserung der Anmutung bis zu neuen Möglichkeiten einer Nutzung und Ästhetik.

Die Bielefelder Radrennbahn, 1951 als eine der ersten ihrer Art nach dem Spannbetonverfahren von Dywidag errichtet, bekommt von Projektleiter Markus Kraas und seinen Mitarbeitern Jörg Stippel und Ulrich König beste Noten. Nach 18 Kernbohrungen und 20 Bohrmehlproben steht fest: Der Zustand ist ausgezeichnet. Johow: »Der Erdkörper ist ebenso in Ordnung wie der Dammkörper. Der Beton macht einen sehr guten Eindruck.«

Fläche von 3500 Quadratmetern Betonbahn

Der große Kostenfaktor der Sanierung basiert laut Johow allein schon auf der enormen Fläche von 3500 Quadratmetern Betonbahn. Es gilt, vorhandene kleine Risse zu überdecken und große Risse mit Epoxidharz dauerhaft zu verpressen. Zur Bahnsubstanz gehören aber auch Undichtigkeiten an der oberen Bande und der Zustand der Absturzsicherung aus Eisenrohr, die es zu sanieren gilt wie die stilvolle Bahnbeleuchtung.

In insgesamt drei Tagen wollen Johows Experten per Radar und Kernbohrer handfestes Material für Aussagen über Tragfähigkeit, Standfestigkeit und weitere Gebrauchstauglichkeit und Verkehrssicherheit vorlegen. Ralph Schürmann, Enkel des einstigen Bahn-Architekten aus Münster, obliegt dann die Machbarkeitsstudie. Dem Landschaftsverband LWL ist das Engagement der Bielefelder Bahnförderer so wichtig, dass sie es mit 1500 Euro aus ihrem Fördertopf von nur 10.000 Euro anschieben.

Michael Mertins, Anette Fischer und Gregor Kleinepähler als Vertreter des Fördervereins sehen Schürmanns Expertise als entscheidende Basis, um künftig mit Sponsoren ernsthaft über das Projekt Radrennbahn zu sprechen, neue Chancen zu ergründen, aber auch mit Genehmigungsbehörden über Faktoren wie Sicherheit zu verhandeln. In zwei Monaten soll Schürmanns Studie vorliegen. Mertins: »Es gibt schon viele gute Ideen für die Zukunft des Ovals.«

Ein Kommentar von Redakteur Michael Diekmann

Insgesamt 420 Spannbeton-Verschraubungen wie aus dem Ei gepellt und Spanndrähte nach 65 Jahren wie im Neuzustand sind eine klare Ansage. Und gerechtfertigte Ohrfeige ins Gesicht all jener städtischen Zauderer und ortsunkundigen Dezernenten, die das inzwischen denkmalgeschützte Betonoval am liebsten schon vor Jahren als wertlosen Betonkram einem Bauträger für Reihenhäuser untergejubelt hätten. In den Erhalt investiert hat die Stadt sowieso nicht. Peinlich ist es zudem, dass der Förderverein selbst die Bauwerksprüfungen für die Zukunftssicherheit des einzigartigen Beispiels deutscher Ingenieurskunst zahlen muss. Ein Armutszeugnis für die Stadt Bielefeld, die sich einmal Fahrradhauptstadt nannte. Und heute ihre Wurzeln vergessen hat.

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