Das Klinikum Bielefeld lässt sein seit Jahren ungenutztes Schwesternwohnheim abreißen – Parkfläche geplant 80 Tonnen Asbest an der Rosenhöhe

Bielefeld (WB). Krankenhauspersonal, Patienten und Besucher rätseln schon lange, was mit dem ehemaligen Schwesternwohnheim am Klinikum Rosenhöhe passiert. Nun steht es fest: Der heruntergekommene, seit fast zehn Jahren ungenutzte Gebäudekomplex wird bis zum Sommer 2016 abgerissen. Die Entkernungsarbeiten laufen. Entsorgt werden müssen unter anderem 80 Tonnen asbesthaltiger Fassadenplatten.

Von Markus Poch
Abrissobjekt in schönster Waldrandlage an der Rosenhöhe: Bis auf das Haus 31 (ganz links), in dem sich das Wirbelsäulenzentrum befindet, sollen alle anderen Gebäude auf diesem Foto abgebrochen werden. Das Klinikum Bielefeld will an ihrer Stelle bis Ende 2016 eingangsnahen Parkraum für Besucher und Patienten schaffen.
Abrissobjekt in schönster Waldrandlage an der Rosenhöhe: Bis auf das Haus 31 (ganz links), in dem sich das Wirbelsäulenzentrum befindet, sollen alle anderen Gebäude auf diesem Foto abgebrochen werden. Das Klinikum Bielefeld will an ihrer Stelle bis Ende 2016 eingangsnahen Parkraum für Besucher und Patienten schaffen. Foto: Markus Poch

Hunderte von Krankenschwestern und andere Klinikmitarbeiter wohnten seit 1969 in dem verwinkelten, drei- bis fünfgeschossigen Bau am Berg oberhalb des Klinikums. Selbst Ober- und Chefärzte hatten dort ihre Räume – zum Teil mit großen Balkonen sowie schöner Aussicht in Waldrandlage und doch direkt an ihrem Arbeitsplatz. Es gab insgesamt 158 Apartments und Zimmer von 16 bis 22 Quadratmeter und ganz unterschiedlich ausgestattet.

Die Wände verschimmeln

Nach Informationen des Klinikums änderten sich jedoch Bedarf und Ansprüche der Nutzer im Laufe der Jahre. Irgendwann wollte dort niemand mehr wohnen, was auch an einem Sanierungsstau aufgrund fehlender Mittel lag. Das Schwesternwohnheim verwaiste und verkam zusehends. Eingeworfene Fensterscheiben und die fehlende Heizungswärme beschleunigten den Prozess: Wände verschimmelten, die PVC-Fußböden wellten sich, Nagetiere zogen ein, Metalldiebe stahlen Leitungen und Rohre. Irgendwann war der Klinikleitung klar: Es kommt nur noch der Abriss infrage.

Über entsprechende, seinerzeit noch nicht sehr konkrete Pläne hatte das WESTFALEN-BLATT zuletzt im Mai 2013 berichtet. Passiert ist bis 2016 rein gar nichts. Nun allerdings, da die Abrissgenehmigung vorliegt, tut sich etwas. Das Abbruchunternehmen Bonensteffen aus Schloß Holte-Stukenbrock hat den Zuschlag erhalten, ist seit Ostern dabei, die Gebäude zu entkernen, die Materialien zu trennen. »Erhalten bleibt nur das Haus ›An der Rosenhöhe 31‹, in dem das Wirbelsäulenzen­trum untergebracht ist«, erklärt Klinikum-Architekt Frank Leier. »Die fünf anderen Häuser mit den Nummern 33, 35, 37, 39 und 41 kommen alle weg.«

Von Randalierern verwüstet

Es geht um eine Wohn- und Nutzfläche von rund 6000 Qua­dratmetern: Mehr als 650 Heizkörper und 600 Fenster haben Christoph Bonensteffen und seine Leute bereits entfernt, dazu gut 100 Kühlschränke und 44 Kochnischen auf die Straße geschleppt. Was sie in den Zimmern vorfanden, sei nicht immer appetitlich gewesen. Einige Räume hätten ausgesehen, als seien sie fluchtartig verlassen und später von Randalierern in ein Chaos verwandelt worden.

Laut Christoph Bonensteffen waren auch beileibe nicht alle Kühlschränke leer: »Wir haben dort Wurstscheiben gefunden, die waren zwei Zentimeter dick – aber nicht so dick geschnitten, sondern so hoch gewachsen«, berichtet der Abbruchunternehmer schmunzelnd. 120 Tonnen Abfälle und Hausrat sowie 21 Tonnen Stahl seien bislang angefallen. Dabei steht die schwierigste und arbeitsintensivste Aufgabe noch an: die Demontage der orangebraunen, krebserregenden Fassade.

»Die Außenverkleidung besteht aus hunderten Asbestfaser-Zementplatten, insgesamt ungefähr 80 Tonnen«, erklärt Bonensteffen. »Die müssen unter Atemschutz alle einzeln abgeschraubt, in Industriesäcke verpackt und zur Schadstoffdeponie gebracht werden.« Diese Spezialbehandlung des Sondermülls macht den Abriss an der Rosenhöhe nicht gerade günstiger. Das Klinikum veranschlagt dafür bis zu 400 000 Euro.

Laut Architekt Frank Leier soll das 7000 Quadratmeter große Waldgrundstück des Schwesternwohnheims bis Juli komplett geräumt sein. Eine Nachnutzung sei in der Planung: »Im Gespräch ist eine dauerhafte Parkfläche, um den permanenten Mangel an Stellplätzen vor dem Eingang des Krankenhauses zu beseitigen.«

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