Ausschreitungen bei Zweitligaspiel: Braunschweiger erscheint nicht vor Amtsgericht Verfahren gegen Hooligan

Bielefeld (WB/uko). Ein Braunschweiger Hooligan soll Angriffe auf Bielefelder Polizeibeamte gestanden haben. Der 25-jährige Philipp K. erschien am Montag jedoch nicht zum Prozess vor dem Bielefelder Amtsgericht. Jetzt soll er mit einem Haftbefehl vorgeführt werden.

Fans von Eintracht Braunschweig machen am 21. August 2015 das Gastspiel in Bielefeld zu einem Skandal-Spiel.
Fans von Eintracht Braunschweig machen am 21. August 2015 das Gastspiel in Bielefeld zu einem Skandal-Spiel. Foto: Thomas F. Starke

Das Fußballspiel in der 2. Liga wurde am 21. August 2015 von schwersten Ausschreitungen der Gästefans von Eintracht Braunschweig überschattet. Schon auf der Hinfahrt nach Bielefeld betätigten einige der 500 Bahnfahrer aus Braunschweig mehrfach die Notbremse des Sonderzuges und stoppten den Transport auf offener Strecke. Auf dem Hauptbahnhof Hannover wurden dann erste Feuerwerkskörper gezündet. Ein Polizeibeamter wurde dort verletzt. Hintergrund dieser gewalttätigen Verstöße ist eine massive Fan-Feindschaft zwischen Hooligans von Eintracht Braunschweig und Hannover 96. Da die Hannoveraner Fans zudem mit den Anhängern des DSC Arminia Bielefeld befreundet sind, galt die Begegnung in der Schüco-Arena bei der Polizei als »Hochrisikospiel«.

In der Bielefelder Schüco-Arena kam es während der Freitagsbegegnung (Anstoß: 18.30 Uhr) zu den nächsten Ausrastern der Braunschweiger Hooligans. Exakt zwei Minuten vor Anpfiff des Spiels, so Staatsanwalt Felix Kutkuhn, habe der aus Wolfenbüttel stammende Philipp K. im Gästeblock »eine Seenotrettungsfackel gezündet«. Der 25-Jährige wurde trotz schwarzer Maskierung durch die Videoüberwachung der Polizei ermittelt. Die Beamten stellten im weiteren Verlauf der Partie auch fest, dass der Hooligan um 18.45 Uhr dann erneut Pyrotechnik zündete.

Dieser Knallkörper soll auf einem Gang vor dem Block T1 der Arena detoniert sein. Dadurch hätten drei Polizeibeamte, die dort standen, jeweils ein Knalltrauma erlitten. Der Staatsanwalt klagte den Mann aus Wolfenbüttel daher wegen »gefährlicher Körperverletzung und wegen eines Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz« an, er gestand die Vorwürfe. Zum Prozess gestern erschien er trotzdem nicht, er soll nun per Haftbefehl vorgeführt werden. Schließlich attackierten nach dem Spiel zehn unbekannte Schläger einen Wagen mit Besuchern aus Basel. Und auf der Rückfahrt richteten die Eintracht-Hooligans im Sonderzug der Bahn einen desaströsen Schaden in Höhe von 80 000 Euro an.

Für die Polizei ist Philipp K. übrigens kein Unbekannter: Vor Jahren produzierte er ein zynisches Spruchband mit dem Text »Wir danken der Deutschen Bahn, dass Ihr Robert Enke überfahren habt«. Der Torwart von Hannover 96 und der deutschen Nationalmannschaft hatte sich 2009 vor einen Zug geworfen und Selbstmord begangen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.