Tierpark-Chef Herbert Linnemann: Hunde an die Leine, Finger weg von Tierkindern Mehr Rücksicht auf die Natur

Bielefeld (WB). Bald wird der Hasen-Nachwuchs geboren, im Mai kommen die ersten Rehkitze zur Welt, später schlüpfen die Greifvögel. Um sie zu schützen, appelliert Tierpark-Chef Herbert Linnemann: »Im Wald und in der Feldflur sollten Hunde an die Leine genommen werden. Und wer Tierkinder entdeckt, lässt sie am besten in Ruhe.«

Von Hendrik Uffmann
Dieser Hundebesitzer macht es richtig. Beim Spaziergang durch Wald und Felder sollten die Vierbeiner immer an die Leine genommen werden, damit die Wildtiere gerade in den kommenden Monaten, wenn der Nachwuchs da ist, nicht gestört werden.
Dieser Hundebesitzer macht es richtig. Beim Spaziergang durch Wald und Felder sollten die Vierbeiner immer an die Leine genommen werden, damit die Wildtiere gerade in den kommenden Monaten, wenn der Nachwuchs da ist, nicht gestört werden. Foto: dpa

Wie ein flauschiges Plüschknäuel sehen die jungen Greifvögel wie der Kauz auf dem Foto aus, zeigt Herbert Linnemann. Diese sitzen im Frühjahr häufig vermeintlich allein in Bäumen, werden aber doch versorgt. Foto: Pierel

Hintergrund der Mahnung ist, dass es jedes Frühjahr Dutzende von Anfragen im Tierpark Olderdissen gibt von Menschen, die ein vermeintlich von den Eltern im Stich gelassenes Rehkitz oder einen Ästling – einen ganz jungen, noch wie ein Plüschknäuel aussehenden Greifvogel – entdecken, mit nach Hause nehmen und dann im Tierpark abgeben wollen. »Solche Nachfragen haben wir in der Jungtierzeit fast täglich«, sagt Linnemann.

Doch tatsächlich bräuchten die Jungtiere keine Hilfe durch den Menschen. Und selbst, wenn ein Kitz oder ein Ästling wirkten, als kümmerten sich die Elterntiere nicht um den Nachwuchs, täusche dies. »Die Eltern sind meist gut versteckt in der Nähe, und die Jungen können auch gut über mehrere Stunden allein sein«, erklärt Linnemann.

Dass sich die Jungtiere verstecken und keinen Fluchtinstinkt haben, sei in den ersten Lebenswochen ein ganz natürlicher Instinkt und diene auch ihrem Schutz. Linnemann: »Rehkitze haben nach der Geburt zum Beispiel keinen Geruch, damit sie nicht von Feinden aufgespürt werden können. So bleiben sie manchmal besser unentdeckt, wenn die Eltern nicht in der Nähe sind.«

Jungtiere nicht mitnehmen

Deswegen sollten die Jungtiere, auch wenn sie noch so schutz- und hilflos wirken, auf keinen Fall mit nach Hause genommen werden. Doch selbst wenn dies geschehen sei, sei dies noch kein Grund, die Jungtiere dauerhaft in menschliche Obhut zu nehmen.

Rehkitze haben in den ersten Wochen den Instinkt, sich zu verstecken, anstatt zu fliehen. Sie sollten in keinen Fall gestört oder gar mit nach Hause genommen werden. Foto: dpa

»Sie sollten in diesem Fall einfach wieder an die Stelle zurück gebracht werden, wo sie aufgegriffen wurden. Die Elterntiere entdecken sie dann schon«, erläutert der Tierpark-Leiter. Und selbst menschlicher Geruch an den Jungtieren sei kein Problem. »Dass sich die Eltern dann nicht mehr um den Nachwuchs kümmern, ist Quatsch.«

Darüber hinaus gebe es im Tierpark Olderdissen zwar eine Auffangstation für Greifvögel – mehr als 30 Tiere werden dort jedes Jahr aufgenommen –, aber nicht die Möglichkeit, sich um anderes Wild zu kümmern. Herbert Linnemann: »Dazu haben wir leider keine Kapazitäten.«

Drei tote Rehe gefunden

Um die Natur gerade während der Brut- und Jungtierzeit zu schützen, appelliert Linnemann außerdem an alle Hundebesitzer, ihre Tiere an die Leine zu nehmen, wenn sie im Wald oder in Feldern und Wiesen unterwegs sind. Denn immer wieder komme es vor, dass die Hunde nicht so gut gehorchten, wie die Besitzer dies vermuteten, und dann im Wald etwa Rehwild aufscheuchten oder sogar töteten.

Linnemann: »Im vergangenen Jahr haben wir allein rund um Olderdissen drei tote Rehe gefunden, die Hunde zur Strecke gebracht haben.« Außerdem könnten Hunde das Wild aus seinem angestammten Revier vertreiben, und beim Überqueren einer Straße würde es dann von Autos erfasst.

Generell sollten alle Menschen, die den Wald in ihrer Freizeit nutzten – ob Spaziergänger, Reiter, Jogger, Geo-Cacher oder Mountain-Biker – gerade in den kommenden Monaten ausschließlich die befestigten Hauptwege benutzen, nicht querfeldein durch das Unterholz laufen und keinen unnötigen Lärm machen. »Auf diese Weise«, so der Tierpark-Chef, »helfen sie, die Natur zu schützen.«

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und

wie sieht es aus mit der Leinenpflicht von frei laufenden Katzen? Katzensteuer einführen.

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