Große Tische: Ein neuer Gastro-Trend hat auch Bielefeld erreicht Zusammen ist man weniger allein

Bielefeld (WB). Für Thomas Keitel, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Ostwestfalen, ist er vor allem praktisch, der »große Tisch«, der in immer mehr Restaurants und Cafés der Stadt Einzug hält.

Von Burgit Hörrtrich
Kellner Stavro serviert Getränke für Gäste an dem langen Tisch im Kachelhaus in der Altstadt. Gäste können an dem Tisch ins Gespräch kommen, müssen dies aber nicht.
Kellner Stavro serviert Getränke für Gäste an dem langen Tisch im Kachelhaus in der Altstadt. Gäste können an dem Tisch ins Gespräch kommen, müssen dies aber nicht. Foto: Thomas F. Starke

»Ein Trend«, sagt Keitel. Und gut für den jeweiligen Gastronomen: »Der spart Platz und kann mehr Gäste bewirten.« Wer ein Lokal mit nur beschränkter Fläche habe, könne so aus der Not eine Tugend machen. Und eben Trendsetter sein.

Eigentlich aber sind »große Tische« dafür gedacht, dass dort Menschen Platz nehmen, die sich eben nicht kennen. Der große Tisch oder »Communal Table« gilt als eine Erfindung einer Kaffeehauskette aus Belgien (»Le pain quotidien«), die inzwischen weltweit expandiert hat.

»Communal Table«

Ein »Communal Table« ist ein großer Tisch mit zehn, 16 oder mehr Plätzen, an denen die Gäste ins Gespräch kommen (können), aber nicht müssen. Inzwischen ist der »Communal Table« auch in Bielefeld angekommen.

Die kleinen Tische sind besetzt, der lange in Axel Deppes Coffee Store am Alten Markt noch leer. Foto: Hans-Werner Büscher

Zum Beispiel in Axel Deppes Coffee Store. Klar, sagt Deppe, zuerst würden die Tische in Normalgröße okkupiert, aber im Prinzip gebe es »keine Berührungsängste«, auch, wenn die »ostwestfälische Lücke« zunächst bleibe. Er habe noch nie erlebt, dass ein Gast wieder gegangen sei, weil nur noch Platz am großen Tisch (er hat davon gleich zwei) war.

Er habe sich bewusst für den Communal Table entschieden und der Erfolg gebe ihm recht. »Ich habe auch viele Reservierungen für den großen Tisch – für Familienfeiern genauso wie für Seminare oder sogar Tagungen.«

Zuerst sind die kleinen Tische besetzt

Im »Kachelhaus« sieht es ähnlich aus. Zuerst werden die kleineren Tische okkupiert, abends, speziell freitags und samstags, ist aber selbst am »großen Tisch« kaum noch ein Stuhl frei. Gäste setzen sich nebeneinander oder wählen Plätze vis-à-vis.

Thomas Keitel vom Hotel- und Gaststättenverband erkennt noch einen weiteren Trend, dem der »große Tisch« entgegen kommt. Man gehe wieder in »größeren Gruppen zu Sechst oder Acht ins Restaurant. Dann seien frühzeitige Tischreservierungen angeraten: »Spontan ist in angesagten Lokalen meist nichts für größere Gruppen zu bekommen.« Oder man entscheidet sich eben für Plätze am Communal Table.

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