Bei der dritten »Gastro Fight Night« im ausverkauften Stereo fließen Blut und Schweiß Kampf im Käfig

Bielefeld (WB). Der Hauptunterschied: Sie machen es freiwillig. Und sie behalten ihr Leben. Ansonsten gibt es so einige Parallelen zwischen den Gladiatorenkämpfen im alten Rom und der Gastro-Fight-Night am Samstag im Stereo. Blut, Schweiß, Spektakel – heute wie vor 2000 Jahren begeistern diese Zutaten das (geneigte) Publikum.

Von Heinz Stelte
Mächtig einstecken musste der Lokalmatador Nicolaj Wagner (links) im Hauptkampf des Abends gegen das holländische Schwergewicht Ruud Vernooij. Trotz lautstarker Unterstützung des Publikums reichte es für den Bielefelder nicht zum Sieg.
Mächtig einstecken musste der Lokalmatador Nicolaj Wagner (links) im Hauptkampf des Abends gegen das holländische Schwergewicht Ruud Vernooij. Trotz lautstarker Unterstützung des Publikums reichte es für den Bielefelder nicht zum Sieg. Foto: Thomas F. Starke

Und es, das Volk, begehrt Einlass in das Amphitheater. Eine lange Schlange bildet sich vor dem Stereo am Boulevard. Erst mit gut einstündiger Verspätung steigen die ersten Kämpfer in die Arena, Kämpferinnen, Amazonen, die sich da im achteckigen Käfig messen. »Bitch-Fight«, kommentiert das Publikum. Es kommt in Fahrt, die Bielefelder Studentin Alwina Abrahms weniger, sie unterliegt ihrer Kontrahentin. Gekämpft wird überwiegend im sogenannten Mixed Martial Arts (MMA) Stil, eine Mischung aus Boxen, Taek­wondo, Karate, Kickboxen, Judo und Ringen. Auch wenn der Laie es kaum glauben mag, es gibt Regeln, Ringrichter, Wertungsrichter, Sieger und Verlierer.

Und schnelle Entscheidungen. Ein Schlag, ein Tritt – mit einem Armbruch ist für Stanislav Bak der Fight nach knapp einer Minute vorbei. »Sanitäääter« schallt es durch den Saal. Die haben dann auch zu tun. Kurz vor 21 Uhr bringen sie den Bielefelder Studenten ins Krankenhaus.

Immer dichter drängt sich das Volk an den gepolsterten Käfig, feuert an, kommentiert, diskriminiert. Muskelbepackte Kerle, deren Hobby eindeutig nicht das Pflücken von Gänseblümchen ist, aber auch die alternativ angehauchte Mittvierzigerin, Männer im Glitzerhemd, die einer Doku-Soap des Privatfernsehens entsprungen scheinen, der brave Bankkaufmannlehrling mit gescheitelten Haaren – bunt gemischt wie das Scheinwerferlicht ist das Publikum. Zwischen Heavy-Metal-Klängen der heimischen AC/DC-Coverband »Big Balls« und einer kurzen Hip-Hop-Einlage der rappenden Ex-Prostituierten »Schwesta Ewa« aus Frankfurt wird weiter gekämpft und gejohlt, angefeuert und abqualifiziert. »Blut, das ist echtes Blut!« Moderator Boris Maiorino will die Stimmung beim letzten Kampf des Abends noch einmal richtig anheizen. Nicht nötig. »Nicolaj, Nicolaj« schallt es durch die Diskothek. Doch alle Anfeuerung hilft nicht. Nicolaj Wagner, Türsteher des Elephant-Clubs ein paar Schritte weiter, muss sich im Top-Kampf des Tages dem »Riesen aus Den Haag«, dem 2,03 Meter großen Holländer Ruud Vernooij beugen. Der letzte Gladiator verlässt gezeichnet, aber erhobenen Hauptes den Ring, das Volk zufrieden die »Arena«.

Brot und Spiele, die Befriedigung eher niedriger Instinkte, lockt heute wie schon in der Antike. Aber zu philosophischen Gesprächen waren die Besucher sicherlich nicht zur dritten »Gastro Fight Night« gekommen.

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