Totes Baby: Anwalt des beschuldigten Vaters spricht von Tragödie »Es war ein Unglück«

Bielefeld (WB). Am  Samstag stirbt in Bielefeld ein dreieinhalb Monate alter Säugling in der Wohnung seiner Eltern, seine Zwillingsschwester wird schwer verletzt, der  Vater (32) sitzt in Untersuchungshaft.

Von Jens Heinze
Kurz vor der Verkündung des Haftbefehls: Der Vater (links), der seinen  Sohn  zu Tode geschüttelt  und seine Tochter schwer verletzt haben soll, wird von Polizisten ins Bielefelder Gericht gebracht.
Kurz vor der Verkündung des Haftbefehls: Der Vater (links), der seinen Sohn zu Tode geschüttelt und seine Tochter schwer verletzt haben soll, wird von Polizisten ins Bielefelder Gericht gebracht. Foto: Bernhard Pierel

»Mein Mandant hat seinen Sohn nicht getötet. Es war  ein  Unglück«, sagt Rechtsanwalt Alexander Klemme, der Verteidiger des   Vaters. Er spricht von einer Familientragödie. Der Vorwurf der  Staatsanwaltschaft,  der 32-Jährige habe sich des Totschlags am  Sohn schuldig gemacht und seine Tochter misshandelt, sei falsch.

Der Verteidiger schildert, wie der Vater das Geschehen  wiedergibt. Demnach saß der Bielefelder am frühen Morgen auf dem Sofa, als die Zwillinge im Kinderzimmer plötzlich schrien. »Weil die Mutter im Bett   schlief,  ist mein Mandant aufgestanden, um die Säuglinge  zu füttern«, berichtet Anwalt Klemme. Der 32-Jährige habe das Kinderzimmer betreten und beide Babys  in die Arme genommen, ohne das Licht anzuschalten. Da  sei im Dunkeln  plötzlich der älteste Sohn (2) aufgetaucht und habe den Vater   angesprochen. Dieser habe sich darüber so erschreckt, dass er  gestolpert sei und   seinen jüngsten Sohn auf den Boden   fallen ließ. »Dann machte er im Dunkeln einen Schritt nach vorne, trat mit einem Fuß auf den Säugling und stürzte mit seiner Tochter im Arm ebenfalls zu Boden«, zitiert  der Verteidiger die Aussage des Vaters.   »Mein Mandant hat die  Kinder wieder ins Bett gelegt. Als er zurück zum Sofa ging, lebten die Babys noch«, sagt der Anwalt.

Rettungsdienst nicht sofort alarmiert

Allerdings alarmiert der Bielefelder  nicht sofort den Rettungsdienst. Nach Informationen dieser Zeitung steht der Vater zur Tatzeit unter starkem Drogeneinfluss. Sein Verteidiger räumt ein, dass der 32-Jährige LSD, Ecstasy,  Aufputschmittel und Schmerztabletten genommen habe. »Daher  ist der Mann   eingeschlafen. Als ihn seine Lebensgefährtin  gegen 8 Uhr weckte, fanden die  Eltern ihren jüngsten Sohn leblos im Bettchen. Sie haben sofort mit Wiederbelebungsversuchen begonnen und den Rettungsdienst verständigen lassen«, erklärt     Klemme.

Staatsanwalt Veit Walter und die  Ermittler der Mordkommission haben Zweifel an dieser Darstellung

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