Anne Wild ist Regisseurin von »Hänsel und Gretel« – SWR widmet Bielefelderin »Debüt«-Abend Märchenhafte Karriere

Bielefeld (WB). Das ZDF-Märchen »Hänsel & Gretel« ist ein Klassiker und wird häufig an Feiertagen gezeigt. Was viele nicht wissen: Die Bielefelderin Anne Wild ist Regisseurin dieses Films. Der SWR hat die 48-Jährige jetzt in seine Filmtalent-Reihe »Debüt im Dritten« aufgenommen. Am Montag, 16. November, um 20.15 Uhr strahlt der TV-Sender Anne Wilds Kinofilm »Schwestern« aus. 

Von Stefan Biestmann
Allein im Märchenwald: Anne Wild führte Regie im TV-Klassiker »Hänsel und Gretel« – hier mit Johann Storm und Nastassja Hahn.
Allein im Märchenwald: Anne Wild führte Regie im TV-Klassiker »Hänsel und Gretel« – hier mit Johann Storm und Nastassja Hahn. Foto: ZDF

Anne Wild Foto: ZDF

 Derzeit arbeitet sie bereits an einem neuen Projekt, dem Drehbuch für die Adaption des Bestsellers »Nichts« der Dänin Janne Teller. »Wenn alles glatt läuft, könnten Ende 2016 die Dreharbeiten beginnen. Mehr verrate ich aber noch nicht.« Bereits in frühen Jahren deutete sich bei Anne Wild an, wohin der Weg geht. »Ich habe in der fünften Klasse ein eigenes Theaterstück mit dem Namen ›Der Bauer kommt in den Himmel‹ geschrieben«, erinnert sich Anna Wild, die in Bielefeld zur Welt kam und deren Familie später nach Augsburg und dann in den Schwarzwald zog. Mittlerweile wohnt sie in Berlin.

Nach dem Abitur absolvierte Anne Wild zunächst ein Schauspielstudium. »Ich habe aber gemerkt, dass das nicht meine Berufung ist«, berichtet sie. »Ich bin jemand, der lieber guckt als angeguckt zu werden.« Also begann sie schließlich, Drehbücher zu schreiben und Kurzfilme zu drehen. Und in den 90er Jahren kam der erste große Erfolg: Für das Drehbuch zum Film »Was tun wenn’s brennt?«, in dem unter anderem Til Schweiger mitwirkt, erhielt sie 1999 den Baden-Württembergischen Drehbuchpreis.

Bei einem der nächsten großen Projekte, ihrem Debüt-Langfilm »Mein erstes Wunder«, reifte der Entschluss, auch Regie zu führen. »Damit ist ein Traum wahr geworden. Und so habe ich die Chance, ein Thema auch weiterzuentwickeln«, sagt Anne Wild. Sie liebe vor allem die Arbeit mit ihren Kollegen am Set. »Beim Drehbuchschreiben ist man ja meist allein.«

Märchen klassisch erzählen

Der Max-Ophüls-Preis war schließlich der Lohn für Anne Wilds Leistung. Darauf folgte das Angebot, Regie zu führen im ZDF-Fernsehmärchen »Hänsel und Gretel«. Die gebürtige Bielefelderin entschied sich gegen große Experimente. »Ich wollte die Kraft des Märchens mit voller Wucht wirken lassen. Und ich wollte es klassisch erzählen – mit Pfefferkuchen und Hexenhaus.« Eine wesentliche Rolle spielte natürlich auch die Besetzung der Hexen-Rolle. »Ich wollte eine große Frau mit dunkler Ausstrahlung«, sagt Anne Wild. Mit Charakterdarstellerin Sybille Canonica fand sie schließlich die Idealbesetzung. »Sie verkörpert das Böse auf eine besondere Weise«, schwärmt die Regisseurin.

Prominente Schauspieler wie Maria Schrader wirken auch in Anne Wilds letztem großen Film »Schwestern« mit. »Es ist ein ernstes Thema, das mit großer Leichtigkeit erzählt wird«, sagt sie. Im Film geht es um eine junge Frau, die sich entschließt, einem Orden beizutreten. Die Mitglieder ihrer weltlichen Familie sind nicht begeistert. Die Planungen für den Film, der 2013 in die Kinos kam, dauerten mehrere Jahre. »Ich habe viel recherchiert und wollte mehr zu der Frage erfahren: Warum geht eine junge Frau ins Kloster?«

Anne Wild besuchte Klöster und führte Gespräche mit jungen Frauen, die sich berufen fühlten, Ordensschwester zu werden. »Irgendwann muss schließlich jeder eine Entscheidung über seinen Werdegang treffen«, sagt sie. Das hat Anne Wild längst getan.

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