Begegnungszentrum wendet Insolvenz ab – Darlehn des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes IBZ in letzter Sekunde gerettet

Bielefeld (WB). Das 34 Jahre alte Internationale Begegnungszentrum (IBZ) Friedenshaus kann seine Arbeit jetzt doch fortsetzen. Die Insolvenz ist im letzten Moment abgewendet worden. 

Von Burgit Hörttrich
Ingo Schlotterbeck (von links), Christina Christodoulou, Dirk Kleemann, Andreas Stratenwerth und Erwin Adams engagieren sich für die Zukunft des IBZ.
Ingo Schlotterbeck (von links), Christina Christodoulou, Dirk Kleemann, Andreas Stratenwerth und Erwin Adams engagieren sich für die Zukunft des IBZ. Foto: Bernhard Pierel

Der Verein hat es geschafft, auch noch die letzten Unterlagen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge einzureichen. Der jetzt ehemalige vorläufige Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Andreas Stratenwerth, betonte gestern: »Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens hätte zu einer sofortigen Zerschlagung geführt.«

Jetzt könne der Verein wieder frei über seine Vermögenswerte verfügen. Möglich wurde die Rücknahme des Insolvenzantrages durch den Paritätischen Wohlfahrtsverband NRW, der ein »größeres Darlehn« zugesagt habe. Zahlen wurden aber nicht genannt. Kreisgruppen-Geschäftsführer Erwin Adams betont, dass es dem Paritätischen Wohlfahrtsverband ein Anliegen gewesen sei, das IBZ zu erhalten: »Wir wollen dazu beitragen, die Wirtschaftlichkeit des Hauses auf stabile Füße zu stellen.« Man sei davon überzeugt, dass in zwei bis drei Jahren eine »deutliche Verbesserung der Situation« erreicht werde.

Neuer Vorstand

Geholfen habe, dass am 29. Oktober ein neuer Vorstand gewählt worden sei, sagt Andreas Stratenwerth. Der alte sei »heillos zerstritten« gewesen, niemand aus dem Gremium sei mehr dabei. Dem neuen Vorstand gehören Christina Christodoulou, Debesai Solomon, Ingo Schlotterbeck und Erwin Adams an, Beisitzer sind Sokhna Ba, Dirk Kleemann und Ertan Arslan.

Stratenwerth sagt, dass die gute Arbeit des IBZ stets positiv wahrgenommen worden sei. Es sei signalisiert worden, man werde die Einrichtung weiter unterstützen, wenn ein neuer Vorstand gewählt würde und wenn das »verbesserungswürdige Abrechnungswesen« der Vergangenheit professionalisiert würde. Die Stadt Bielefeld habe sich in den vergangenen Wochen eingebracht, um die Liquidität des IBZ zu erhalten. Erwin Adams ist überzeugt, dass man die Strukturen jetzt wieder »im Griff« habe. Angesichts der im Durchschnitt 200 Flüchtlinge, die Bielefeld pro Woche zugewiesen würden, wäre es widersinnig, eine Einrichtung wie das IBZ vom Markt verschwinden zu lassen, sagt Ingo Schlotterbeck.

Auch private Geldgeber unterstützen das IBZ

Das IBZ ist Träger von zwei Bildungswerken, einer Beratungsstelle für Migranten, Träger der Jugendhilfe und Anbieter vor allem von Deutschkursen. Zudem ist das IBZ Treffpunkt für 25 Hausgruppen, die sich selbst organisieren. Es gibt sieben Mitarbeiter. Geldgeber sind die Stadt, die mit dem IBZ einen Leistungsvertrag bis 2016 geschlossen hat, die Bezirksregierung und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Auch private Geldgeber hätten dem Verein finanzielle Unterstützung zugesagt.

Im Juli hatte ein Teil des Vorstandes einen Insolvenzantrag gestellt, weil Rechnungen in fünfstelliger Höhe nicht mehr bezahlt werden konnten. Honorarkräfte seien monatelang nicht bezahlt worden. Andere Vorstandsmitglieder wehrten sich dagegen, Andreas Stratenwerth übernahm das Mandat als vorläufiger Insolvenzverwalter. Die Flüchtlings- und Integrationskurse liefen weiter. Die Kantine des IBZ, ein beliebter Anlaufpunkt, ist geschlossen. Man suche, so Erwin Adams, »ein neues Betreiberkonzept«. Geplant sei jetzt auch, eine neue Satzung zu erarbeiten.

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