Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer im Interview »Zuwanderung ist für unser Land eine Notwendigkeit«

Bielefeld (WB). Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer warnt davor, den Mindestlohn für Flüchtlinge außer Kraft zu setzen. Das hat er jetzt in einem Interview mit dem WESTFALEN-BLATT erklärt.

Von Ulrich Windolph
Seit November 2013 ist Ingo Kramer Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände.
Seit November 2013 ist Ingo Kramer Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Foto: imago

»Meine Grundhaltung zum Mindestlohn ist bekannt. Ich halte ihn für falsch«, sagte der BDA-Präsident. »Nun gibt es ihn aber, und deshalb bin ich der Letzte, der fordert, Flüchtlinge unterhalb des Mindestlohns zu bezahlen. Denn dann hätten wir den Verdrängungswettbewerb zwischen deutschen und ausländischen Beschäftigten, den wir auf keinen Fall haben wollen. Wir müssen darauf achten, dass die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung gegenüber den Flüchtlingen nicht untergraben wird.«

Zugleich ließ der 62-Jährige keinen Zweifel daran, dass er die immense Flüchtlingsbewegung allen Schwierigkeiten zum Trotz weiterhin als große Chance für den Wirtschaftsstandort Deutschland sehe: »Zuwanderung ist für unser Land eine Notwendigkeit. Es ist eine riesengroße Herausforderung mit Problemen, aber es ist eben auch eine Chance.« Dringenden Handlungsbedarf sieht Kramer vor allem beim Spracherwerb: »Der Deutschunterricht für Flüchtlinge ist noch nicht gut geregelt. Wir brauchen mehr Geld, mehr Lehrer und dabei bestimmt auch mehr Quereinsteiger.« Kramer forderte die Politik in dem Interview auf, hier und in vielen anderen Bereichen »den Rechtsrahmen anzupassen und zwar möglichst schnell«.

Das ganze Interview lesen Sie in der Mittwochsausgabe des WESTFALEN-BLATTES. 

Kommentare

Verwechslungsgefahr

Herr Kramer hat sicher Recht, wenn er von Einwanderung spricht. Für mich sind aber asylsuchende Menschen und reguläre Einwanderer ein großer Unterschied. Einwanderung sollte nach Kriterien geregelt werden, wie: "Wie qualifiziert ist ein Mensch? Kann man diese Qualifikation in der BRD brauchen? Wie ist der Familienstatus? Wie ist der Gesundheitszustand? usw." also alles Faktoren, die echte Einwanderungsländer wie die USA, Kanada oder Neuseeland seit jeher praktizieren. Bei der Inanspruchnahme von Asyl kann sich ein Flüchtling auf das Grundgesetz, oder die Genfer Flüchtlingskonvention berufen. (Genau genommen eigentlich auch nicht, weil beide sagen z.B. Artikel 16a Abs.2 GG und auch die Genfer Flüchtlingskonvention, wer aus einem sicheren Staat einreist, hat keinen Asylanspruch in der BRD) Da die BRD nur von sicheren Staaten umgeben ist, kann man jemanden nur Asyl gewähren, wenn man geltendes Recht bricht, auch wenn das moralisch durchaus bedenklich ist. In jedem Fall erhält ein asylsuchender Mensch hier aktuell entgegen der Rechtslage Gott sei dank Schutz und Obhut. Eine Arbeitserlaubnis ist grundsätzlich zwar nicht erforderlich, trotzdem aber sinnvoll, weil die Lebenswirklichkeit zeigt, dass diese Menschen oft sehr lange Zeit nicht in ihre Heimatländer zurück können. Die Lebenswirklichkeit greift aber auch in dem Punkt, dass die aktuell asylsuchenden Menschen zu 90% keinerlei Chance auf dem Arbeitsmarkt in einem Industrieland wie der BRD haben werden. Selbst mit Deutschkursen fehlt den allermeisten eine Grundlegende Schulbildung. Im Armutsbericht der Bundesregierung 2014 steht, dass ein Realschulabschluss heute ein Armutsrisiko darstellt und Menschen mit "nur" mittleren Bildungsabschluss zukünftig vermehrt auf staatliche Transferleistungen angewiesen sein werden. Bei 20% Analphabeten, ca. 60% Menschen die nur 3-4 Jahre eine Schule besucht haben (also Grundschulbildung haben) und nur 15-20 % Menschen, die einen adäquaten Bildungsabschluss mitbringen, zeigt sich wie fehlgeleitet die Aussage ist, dass dies die Lösung unseres Fachkräftemangel sein wird. Finanziell ist diese Art des Bevölkerungswachstums eine erhebliche Volkswirtschaftliche Belastung und wird sehr teuer werden für die Bürger der BRD. Wenn wir es tatsächlich schaffen mit deutsch- und Integrationskursen 20% der anerkannten Asylbewerber dauerhaft in Arbeit zu bringen, können diese noch lange nicht die anderen 80% finanzieren, welche von staatlichen Transferleistungen leben. Dies wird wie beim Multi Kulti, wie sagte es Frau Merkel...eine Lebenslüge bleiben. Sehen wir Asyl doch als das was es ist, kein Wirtschaftsprogramm, sondern einen Akt der Menschlichkeit. Für die Wirtschaft braucht es ein Einwanderungsgesetz, diese beiden Töpfe sollet man nicht verwechseln!

Geburtenrate

Warum kümmert sich die Bundesregierung nicht um die echte Ursache: Die niedrige Geburtenrate? Im Ausland glaubt keiner dass ein berufstätiges Paar 400 € monatlich für den Kindergarten zahlen muss, und das halbtags! Die Bundesregierung sagt, es gibt nicht genügend weibliche Vorstände: Normal, wie könnte eine Frau Verantwortung übernehmen wenn sie nur halbtags arbeiten kann! Statt zig Milliarden für diese Flüchtlingskrise auszugeben, sollten die Kindergärten kostenlos sein, und bis 17h arbeiten.

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