Prozess um brutalen Bankraub in Senne: Täterpistole klemmt wegen falscher Munition Zeugenaussagen: Geschlagen und geschossen

Bielefeld (WB). Schläge, Schüsse, Todesdrohungen: Die beiden Bankräuber, die am 20. März die Sparkassenfiliale an der Bretonischen Straße in Senne überfielen, gingen äußerst brutal und aggressiv vor.

Von Jens Heinze
Spurensicherung nach dem Raubüberfall auf eine Sparkassen-Filiale an der Bretonischen Strasse in Bielefeld-Senne.
Spurensicherung nach dem Raubüberfall auf eine Sparkassen-Filiale an der Bretonischen Strasse in Bielefeld-Senne. Foto: Thomas F. Starke

Allerdings waren die Täter Kujtim K. (27) und Mentor R. (31) nicht besonders professionell ausgerüstet. Das wurde gestern beim siebten Verhandlungstag vor dem Bielefelder Schwurgericht gegen die beiden geständigen albanischen Schwerkriminellen deutlich.

Ein wesentlicher Mangel an der Waffentechnik der Bankräuber hatte offenbar der Sparkassen-Filialleiterin (34) das Leben gerettet. Der Angeklagte Mentor R. – er war beim Überfall mit 1,5 Promille alkoholisiert – soll der Bankkauffrau seine schwarze Makarov-Pistole an die linke Schläfe gehalten und abgerückt haben. Allerdings löste sich kein Schuss aus der halbautomatischen Neun-Millimeter-Waffe.

Warum, das erklärte vor dem Schwurgericht Hauptkommissar Georg Zellner (58) vom Landeskriminalamt NRW. Den Angaben des Waffenexperten zufolge war die in der ehemaligen DDR gebaute Makarov-Pistole falsch geladen. Die zu Sowjetzeiten entwickelte Waffe feuert zuverlässig nur mit spezieller Munition. In der Pistole von Mentor R. befanden sich allerdings US-amerikanische Patronen vom Typ Browning. Die Kugel, die laut Anklage auf den Kopf der Bankkauffrau abgefeuert werden sollte, blieb im Lauf stecken. 

Neue Erkenntnisse

Beim siebten Prozesstag um den brutalen Banküberfall wurden weitere Details vom 20. März bekannt. So schossen Polizisten dem mutmaßlichen Haupttäter Mentor R. (31) bei der Flucht aus der Sparkassenfiliale an der Bretonischen Straße zweimal in den rechten Oberschenkel. Oberarzt Dr. Carsten Kirchhoff vom städtischen Klinikum Mitte berichtete vor Gericht, dass der Bankräuber mit zwei Schussverletzungen, aber in stabilem Zustand in das Krankenhaus eingeliefert worden sei. Nach einer knapp zweistündigen OP sei Mentor R. bis zum 26. März im Klinikum Mitte behandelt worden. Dann wurde er in das Justizkrankenhaus Fröndenberg überstellt. Nach Einschätzung des Oberarztes werde Mentor R. keine bleibenden Schäden wegen der Schussverletzungen davontragen.
Im Justizkrankenhaus Fröndenberg wurde am 5. Oktober auch der zweite Angeklagte Kujtim K. (27) operiert. Er hatte sich offenbar beim Krafttraining in seiner Gefängniszelle einen Bauchdeckenriss zugezogen.

Waffe türkischer Herkunft

Bei der zweiten Schusswaffe der Räuber handelte es sich um eine halbautomatische Ekol Special 99 türkischer Herkunft. Die ursprüngliche Schreckschusspistole war zu einer scharfen Waffe vom Kaliber 7,65 Millimeter umgebaut worden. Und zwar funktionstüchtig: In der Decke der Senner Sparkassenfiliale fand die Spurensicherung der Bielefelder Kripo eine Kugel.

Fünf Sparkassenangestellte und drei Kunden nahmen die Bankräuber bei der Tat am Mittag des 20. März 2015 kurzzeitig als Geiseln. Die Filialleiterin erinnerte sich vor Gericht an den Moment, als sie zum ersten Mal einen der maskierten Täter vor ihrem Büro sah. »Das ist irgendwie ein ganz schlechter Scherz. Das kann nicht wahr sein«, habe sie gedacht. Als sie das Entsetzen in den Gesichtern ihrer Kollegen erblickt habe, »habe ich realisiert, dass es kein Scherz ist.«

Die Bankräuber hätten in gebrochenem Deutsch sofort 400 000 Euro verlangt. Um das zu untermauern, seien einer Kollegin und ihr die Brillen von den Gesichtern gerissen worden, berichtete die 34-Jährige. Ein Kollege, den die Täter für den Filialleiter hielten, wurde in ihr Büro gezerrt. Es fielen zwei Schüsse. Der verletzte Bankkaufmann stellte sich bewusstlos und rettete damit wohl sein Leben.

Der Moment, in dem die Patrone im Lauf stecken bleibt

Es begann der dramatischste Moment im Leben der 34-Jährigen. Ein Räuber, es soll Mentor R. gewesen sein, kam aus dem Büro auf sie zu und hielt ihr seine Pistole an die linke Schläfe. »Es wurde wieder eine Geldforderung gestellt«, sagte die Filialleiterin. Sie habe versucht den Täter nicht anzuschauen und sich von ihm wegzudrehen, als sie ein Klicken neben ihrem Kopf hörte. Offenbar war das der Moment, als die Patrone im Lauf der Makarov steckenblieb. Wie die Filialleiterin berichtete, habe der Räuber auf eine Wand gezielt und wieder den Abzug der Waffe betätigt – es klickte erneut.

Und die Täter wurden immer aggressiver, weil sie nicht das erhoffte Geld bekamen. Geiseln seien an den Haaren gerissen und geschlagen worden. Schließlich folgte die Todesdrohung der Räuber an die fünf Sparkassenmitarbeiter und die drei Kunden. »Wir sterben und ihr sterbt sowieso«, zitierte die Filialleiterin die Angeklagten.

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Das Urteil soll am 17. November verkündet werden.

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