Insolvenzverwalter von Thomas Middelhoff macht Fortschritte Erhebliche Erlöse für Gläubiger durch Verkauf der Oetker-Villa erwartet

Bielefeld (dpa/WB/OH). Middelhoff-Insolvenzverwalter Thorsten Fuest macht beim Einsammeln der Reste des Vermögens des Ex-Topmanagers Fortschritte.

Der Verkauf der Oetker-Villa soll erhebliche Erlöse für die Gläubiger von Thomas Middelhoff (Foto) bringen. Außerdem hofft sein Insolvenzverwalter Thorsten Fuest auf einen Teil des Verkaufpreises für die Villa in Saint Tropez.
Der Verkauf der Oetker-Villa soll erhebliche Erlöse für die Gläubiger von Thomas Middelhoff (Foto) bringen. Außerdem hofft sein Insolvenzverwalter Thorsten Fuest auf einen Teil des Verkaufpreises für die Villa in Saint Tropez. Foto: dpa

Durch den Verkauf der früher von Thomas Middelhoff als Büro- und Repräsentationsgebäude genutzten »Oetker-Villa« in Bielefeld erwarte er erhebliche Erlöse für die Gläubiger, sagte Fuest. Das Gebäude befindet sich auf einem parkähnlichen Areal in Bielefeld-Senne, auf dem auch die Familien-Villa der Familie Middelhoff steht. Die wiederum befindet sich im Besitz von Middelhoffs Ehefrau Cornelie und ist nicht Teil der Insolvenzmasse. Außerdem stehe eine Immobilie in Ostdeutschland kurz vor dem Verkauf. Auch ein Teil des Erlöses für die inzwischen verkaufte Middelhoff-Villa in Saint Tropez soll nach dem Willen von Fuest in die Kassen der Gläubiger fließen.

Über 50 Gläubiger fordern mehr als 400 Millionen Euro

Bislang hat der Insolvenzverwalter erst einen »niedrigen sechsstelligen Betrag« zur Erfüllung der Gläubigerforderungen auf dem Konto. Diese Summe sei allerdings nur wenig aussagekräftig, da die Verwertung wichtiger Vermögensteile noch ausstehe, betonte er. Insgesamt haben die über 50 Middelhoff-Gläubiger mehr als 400 Millionen Euro an Forderungen geltend gemacht. »Allerdings ist bereits absehbar, dass diese Summe am Ende keinen Bestand haben wird«, sagte Fuest. Gläubiger neigten dazu, erst einmal Maximalforderungen geltend zu machen.

Uneingeschränkt anerkannt wurden bislang von den Forderungen gerade einmal 1,6 Millionen Euro. Größte Gläubiger sind – nach den geltend gemachten Summen – die Bank Sal. Oppenheim, die Sparkasse Köln und der Insolvenzverwalter des pleite gegangenen Handelskonzerns Arcandor.

Fuest kündigte an, einer der Schwerpunkte seiner Arbeit in den nächsten Monate werde es sein, einen Teil der Einnahmen aus dem Verkauf der früheren Middelhoff-Villa in Saint Tropez für die Konkursmasse zu sichern. Erschwert wird dies, weil die Villa nicht Middelhoff direkt gehörte, sondern über ein verschachteltes Firmengeflecht verwaltet wurde und mit Hypotheken belastet war. Middelhoff-Anwalt Hartmut Fromm bestätigte auf Anfrage,  dass die Luxusvilla inzwischen verkauft wurde.

Middelhoff-Anwalt Fromm will beim Thema Insolvenzplan »Gas geben«

Außerdem ist der Insolvenzverwalter nach wie vor dabei, Vermögenstransaktionen bis zurück zum Jahr 2009 unter die Lupe zu nehmen, um Vermögensübertragungen an Gläubiger, Freunde oder Verwandte rückgängig zu machen, wenn diese noch anfechtbar sind. Hier bestehe die Chance, noch Millionenbeträge für die Konkursmasse zu sichern, sagte Fuest.  Der Insolvenzverwalter zeigte sich nach wie vor offen für einen Insolvenzplan, mit dem das Verfahren deutlich verkürzt werden könnte. Ein derartiger »Vergleich« mit den Gläubigern setze aber voraus, dass diese am Ende besser dastünden, als ohne eine solche Regelung, dass also zusätzliches Geld von Dritten aufgebracht werde. Middelhoff-Anwalt Fromm kündigte an, beim Thema Insolvenzplan »Gas geben« zu wollen.

Das Landgericht Essen verurteilte Middelhoff am 14. November 2014 wegen Untreue in 27 Fällen und Steuerhinterziehung in drei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren. Er wurde noch im Gerichtssaal verhaftet, da nach Ansicht der Kammer Fluchtgefahr bestand. Am 31. März dieses Jahres  beantragte Middelhoff Privatinsolvenz und am 29. April  wurde er gegen Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen. Seither lebt er in Bielefeld.

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