Umweltbetrieb will Bürger damit auf bevorstehende Fällung hinweisen Kranke Bäume erhalten Banderolen

Bielefeld (WB). Die Stadt Bielefeld will kranke Bäume mit Banderolen versehen, um die Bürger so darauf hinzuweisen, dass die Bäume gefällt werden müssen.

Von Burgit Hörttrich
Sebastian Richter (links) und Heiko Kessler, beide vom Umweltbetrieb der Stadt, legen der 60 Jahre alten Linde im Nordpark die  rote Banderole um. Der Baum ist vom Brandkrustenpilz befallen und  soll innerhalb der nächsten zwei Wochen gefällt werden.
Sebastian Richter (links) und Heiko Kessler, beide vom Umweltbetrieb der Stadt, legen der 60 Jahre alten Linde im Nordpark die rote Banderole um. Der Baum ist vom Brandkrustenpilz befallen und soll innerhalb der nächsten zwei Wochen gefällt werden. Foto: Thomas F. Starke

Kaum trägt die Linde die grellrote »Bauchbinde«, bleibt eine Passantin stehen und fragt entsetzt, ob das bedeute, dass der Baum gefällt werde. »Das wäre eine Schande, der ist doch einfach prächtig.« Das sei falsch, erklärt Heiko Kessler, Teamleiter Baumpflege im städtischen Umweltbetrieb: »Der Baum ist von einem Pilz befallen, die Standfestigkeit nicht mehr gewährleistet.«

Immer wenn ein Baum gefällt werden muss, gibt es teils heftige Einwohnerkritik. Die Stadt kann davon ein Lied singen und setzt deshalb ab sofort auf leuchtend rote Banderolen.

Die kennzeichnen solche Bäume, die innerhalb der folgenden 14 Tage der Säge zum Opfer fallen. Sebastian Richter, zuständig für Baum- und Spielplatzkontrolle und Bereiche wie Sicherheit und Technik im Umweltbetrieb: »Mit der Banderole wollen wir für Transparenz sorgen.«

Für Laien sei meist nicht zu erkennen, warum ein alter Baum weichen müsse. Heiko Kessler sagt, die Linde, die seit gut 60 Jahren im Nordpark steht, sei vom Brandkrustenpilz befallen.

Es habe durch ein externes Büro eine eingehende Untersuchung per Schall-Tomografie gegeben. Dazu seien rund um den Stamm Sensoren angebracht worden. Das Ergebnis zeigt ein Bild, auf dem die wenigen gesunden Stellen im Holz braun aussehen, der überwiegende Teil aber violett eingefärbt ist.

»Alles faul«, sagt Kessler. Immer wenn Zweifel an der sogenannten Verkehrssicherheit eines Baumes bestehe, beauftrage die Stadt einen externen Gutachter mit einer genauen Analyse. Kessler sagt, dass in diesem Jahr mit rund 200 Bäumen überdurchschnittlich viele hätten gefällt werden müssen. Ursache seien meist Sturmschäden gewesen: »Besonders nach dem Orkan Ende Juli mussten viele Bäume entfernt werden.«

Aber auch der Gesundheitszustand von Eiche, Birke, Linde & Co. sei längst nicht immer der beste: »Die Bäume sind gestresst.« Auch die Nordpark-Linde zeigt Symptome ihres Zustandes. Kessler: »Die Blätter sind klein, die Belaubung spärlich.«

In Bielefeld sind fünf Baumkon­trolleure im Einsatz. Ihr Aufgabenfeld ist riesig: Es umfasst nämlich rund 100 000 Bäume. 42 000 davon werden zurzeit digital erfasst: ihr Standort, Kenndaten wie Art, Alter, Größe und Stammdurchmesser. Sebastian Richter versichert, dass vermutlich kranke Bäume mehrfach kontrolliert würden. Erst wenn der Pflegeaufwand zu groß, der geschädigte Baum auf Dauer nicht zu retten sei, werde er gefällt: »Das machen wir auch nicht gern.«

Auf den Baum-Banderolen steht auch eine Telefonnummer im Umweltbetrieb, unter der Einwohner, die Fragen haben oder Zweifel an der Notwendigkeit der Fällaktion hegen, Informationen bekommen

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Tja, werden denn auch Neue dafür gepflanzt? Oder gibt es dafür keine passende Banderole ?

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