Bielefelder (44) gefährdet auf Ostwestfalendamm vierköpfige Familie aus Werther Drängler muss zahlen und Führerschein abgeben

Bielefeld (WB). Der Angeklagte hatte vor dem Amtsgericht strikt geleugnet, doch die Beweislast gegen einen Raser und Drängler war letztlich erdrückend. Nun muss ein Bielefelder (44) wegen Nötigung und Beleidigung im Straßenverkehr 2000 Euro Geldstrafe zahlen und einen Monat lang seine Fahrerlaubnis abgeben.

Von Jens Heinze
Eine  Szene wie diese erlebt eine vierköpfige Familie auf dem Zubringer von der A 33 zum OWD: Hinter ihren Mercedes setzt sich ein Bielefelder mit seinem Auto und blendet mit dem Fernlicht auf. Offenbar ein Racheakt, weil sich der Mercedesfahrer ans Tempolimit hält.
Eine Szene wie diese erlebt eine vierköpfige Familie auf dem Zubringer von der A 33 zum OWD: Hinter ihren Mercedes setzt sich ein Bielefelder mit seinem Auto und blendet mit dem Fernlicht auf. Offenbar ein Racheakt, weil sich der Mercedesfahrer ans Tempolimit hält. Foto: dpa

Dränglern droht der »Idiotentest«

Mit dem gestern vom Amtsgericht Bielefeld festgesetzten Strafmaß gegen den Raser und Drängler ist es für den Mann noch nicht getan. Der 44-Jährige muss zudem mit zwei Punkten im Flensburger Strafregister für Verkehrstäter rechnen, sagte Jost Henning Kärger, stellvertretender Leiter Verkehrsrecht-Abteilung des Automobilclubs ADAC. Die Punkte – ab acht Zählern ist der Führerschein weg –  werden erst nach fünf Jahren gelöscht. Zudem droht dem  Bielefelder Ärger von der Führerscheinstelle des hiesigen Ordnungsamtes. Sollte die kommunale Behörde zur Erkenntnis kommen, dass   dem Raser und Drängler die sogenannte charakterliche Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen fehlt, kann die medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU oder auch »Idiotentest« genannt) angeordnet werden. Den Führerschein gibt es erst nach bestandener Untersuchung wieder. Fallen Fahranfänger  mit einem schwerwiegenden Verkehrsverstoß auf, verdoppelt sich die Probezeit  auf vier Jahre und es wird die Teilnahme an einem Aufbauseminar angeordnet.

Damit wurde ein Vorfall vom 9. November 2014 in Bielefeld geahndet. Der Angeklagte stand vor Amtsrichterin Sonja Poppenborg, weil er eine Familie aus Werther – Vater (45), Mutter (43) und ihre Söhne (7/12) – fast zu Unfallopfern gemacht hätte.

Als der Drängler im VW Golf und die Bedrängten im Mercedes schließlich am Adenauer-Platz Autotür an Autotür standen und die kurdischstämmige Mutter den Angeklagten auf seine Fahrweise ansprach, wurde sie vom Mann rassistisch beleidigt.

»Ich bin immer noch geschockt«, sagte der Familienvater, dass er an jenem Sonntagabend gegen 19.45 Uhr um sein Leben und das seiner Familie fürchtete. Seinen Angaben und denen seiner Frau zufolge passierte am 9. November 2014 folgendes: Der 45-Jährige war auf der A33 in Richtung Innenstadt unterwegs.

Tempolimit eingehalten

Am Übergang von der Autobahn zum Ostwestfalendamm (OWD), wo sich die Fahrbahn von zwei Spuren auf eine verengt, hielt sich der Familienvater strikt an das Tempolimit.

Plötzlich sei der Angeklagte von hinten in einem VW Golf herangerast und habe versucht, den Mercedes aus Werther im letzten Moment an der Engstelle zu überholen. Als das nicht gelang, setzte sich der VW-Fahrer an die hintere Stoßstange des Familienautos und blendete im Dunkeln das Fernlicht auf.

Auf dem zweispurigen OWD angekommen, überholte der Bielefelder den Mercedes, setzte sich davor und bremste seinen VW stark ab. »Ich habe Angst gehabt«, beschrieb der Familienvater, wie er voll auf die Bremse trat und seinen Mercedes knapp am VW vorbei auf die linke Fahrspur riss. Seiner Frau gelang es dann am Adenauer-Platz, sich das Autokennzeichen des Rasers und Dränglers zu notieren und die Polizei anzurufen.

Hinter dem Lenkrad telefoniert?

Der Angeklagte räumte ein, dass der fragliche VW Golf damals von seiner Lebensgefährtin gefahren wurde. Am Tattag habe er aber definitiv nicht am Steuer dieses Autos gesessen. Diese Behauptung wurde aber von den Opfern des Dränglers widerlegt: Die Zeugen erkannten den 44-Jährigen eindeutig wieder.

Die Mutter regte sogar an, die Mobilfunkdaten des Mannes auszuwerten. Er habe damals hinter dem Lenkrad telefoniert.

Kommentare

Richter/in besser nicht belügen

Sehr gut finde ich die allgemeine Information der Redaktion zum Idiotentest für nötigende Drängler.
Ich möchte solche Typen nicht im Straßenverkehr erleben. Der Verkehrsalltag ist stressig genug,
besonders mit Baby an Bord. Deswegen sind schon Mütter mit Kind von der Autobahn geflogen!
Und selbstverständlich muss man dort nicht rasen, es gilt nur eine Mindestgeschwindigkeit von 60 km/h!

1 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.