Kritik an Polizei und Justiz: Einzelhändler fühlt sich nach Ladendiebstahl nicht ernst genommen »An Strafverfolgung nicht interessiert«

Bielefeld (WB). 26 Millionen Delikte bundesweit, 3,9 Milliarden Euro Schaden – das sind die aktuellen Zahlen des Kölner Handelsforschungsin­stitutes EHI zum Ladendiebstahl. Trotzdem hat die Verfolgung dieser Straftaten bei Polizei und Justiz offenbar einen eher untergeordneten Stellenwert. Das kritisiert Jens Fedeler (46), Vorsitzender des Handelsverbandes Bielefeld.

Von Jens Heinze
Einzelhändler Jens Fedeler wartete 36 Stunden lang auf die Polizei. Erst eineinhalb Tage nach einem Ladendiebstahl kam eine Polizistin ins Geschäft. Fedeler erstattete Anzeige und erfuhr endlich, wie er das Video vom Täter an die Kripo schicken kann.
Einzelhändler Jens Fedeler wartete 36 Stunden lang auf die Polizei. Erst eineinhalb Tage nach einem Ladendiebstahl kam eine Polizistin ins Geschäft. Fedeler erstattete Anzeige und erfuhr endlich, wie er das Video vom Täter an die Kripo schicken kann. Foto: Hans-Werner Büscher

Nachdem Fedeler, zugleich Inhaber des gleichnamigen Geschäftes an der Schildescher Beckhausstraße, das Desinteresse an der Strafverfolgung selbst zu spüren bekam, redet der Unternehmer nun Klartext. Auslöser, dass der 46-Jährige von Polizei, Justiz und Gesetzgeber ein schnelleres Vorgehen und härtere Strafen für Täter fordert, war ein Ladendiebstahl in seinem Fachgeschäft.

Die Videoüberwachung zeigt, wie ein Mann mit dunkler Lederjacke das Geschäft betritt. Verkäuferin Susanne Thiele (35) ist allein im Laden und berät gerade eine Kundin. Kaum fühlt sich der Mann unbeobachtet, stopft er drei Herrentaschen namhafter Hersteller unter seine Jacke. Dann flüchtet der Täter mit Beute im Wert von 440 Euro.

»Da wurde ich am Telefon abgewimmelt«

Vom Bestohlenen sofort für eine mögliche Fahndung angeboten: eine Szene aus einem Überwachungsvideo, die einen – hier unkenntlich gemachten – Mann beim Ladendiebstahl im Geschäft Leder-Fedeler zeigen soll.

Kaum erfährt Fedeler, der seit 2004 das Familienunternehmen in dritter Generation führt, von der Tat, ruft er bei der Polizei an. Der 46-Jährige fragt, an welche E-Mail-Adresse er den Film der Videoüberwachung mit den Aufnahmen vom Täter senden kann. Das habe der Polizist am anderen Ende der Leitung nicht beantworten können, sagt Fedeler. Er sei aufgefordert worden, das Video von der Tat auf einer CD zu speichern und an der Kurt-Schumacher-Straße vorbeizubringen.

»Da wurde ich am Telefon abgewimmelt. So richtig weiterhelfen konnte oder wollte mir der Polizist nicht. Ich hatte den Eindruck, die Polizei will einen nicht richtig unterstützen«, erinnert sich Fedeler. Er hat kein Verständnis für das Verhalten des Polizisten: »Ich wollte ja nicht, dass der Mann gleich einen Streifenwagen zu mir schickt und ganz Schildesche absperren lässt.«

Einzelhändler sieht Grundproblem der Strafverfolgungsbehörden

Der Schildescher Einzelhändler sieht in der Reaktion des Polizisten vielmehr ein Grundproblem der Strafverfolgungsbehörden mit dem Thema Ladendiebstahl. Delikte dieser Art interessieren einfach wenig bis gar nicht, beklagt er. Fedeler: »Die Prozedur ist immer die gleiche. Es gibt eine Festnahme, die Personalien des Verdächtigen werden aufgenommen, dann wird er auf freien Fuß gesetzt, weil er einen festen Wohnsitz hat und keine Voraussetzung für einen Haftbefehl vorliegt. Erteilt die Polizei dem Dieb ein Aufenthaltsverbot für Bielefeld, dann fährt er zum Klauen nach Paderborn weiter.«

Dass die Täter weder Verfolger noch Strafen fürchten, legt ein Vorfall dieser Tage auf der Bahnhofstraße nahe. Zwei Ladendetektive haben in der Fußgängerzone drei mutmaßliche Ladendiebinnen gestellt und fordern sie auf, mit ihnen in die Filiale einer Parfümeriekette zurückzukehren. Den Frauen, offenbar sind es Profitäterinnen, ist das Prozedere wohl gut bekannt – munter plaudernd und lachend folgen sie den Detektiven.

Polizei will Fall intern prüfen

Das kommt Jens Fedeler bekannt vor. »Viele Einzelhändler erstatten inzwischen keine Anzeige mehr. Das ist ganz klar Frustration. Nach zwei, drei Monaten erhalten die Bestohlenen einen Bescheid von der Staatsanwaltschaft, dass das Ermittlungsverfahren eingestellt ist«, sagt der 46-Jährige und verweist darauf, dass es eine hohe Dunkelziffer gebe und die Polizeistatistik nur einen Teil der Wahrheit widerspiegele. Sein Fazit: »Wenn dann mal ein Ladendieb vor Gericht gestellt wird, dauert das nach der Tat bis zu einem Jahr. Faktisch bekommen diese Kriminellen nie Konsequenzen zu spüren.« Daher fordert er, Täter im Schnellverfahren abzuurteilen. »Das würde die Gerichte ent­lasten.«

Polizeisprecherin Sonja Rehmert bedauert, was Fedeler am Tattag passiert ist. »Jeder Bürger muss sich darauf verlassen können, dass seine Hinweise an die Polizei ernst genommen und schnellstmöglich bearbeitet werden. Die Polizei Bielefeld ist offen für Kritik und wird den Fall intern prüfen«, sagt die Polizeisprecherin zu.

Kommentare

Mutti hat zur Zeit ganz andere Sorgen. Die sorgt sich nämlich mehr um Asylanten und Flüchtlinge. Da bleibt für die einheimische Bevölkerung keine Zeeit mehr.

Die Rufe nach sofortiger Sanktionierung bzw. Abschiebung werden lauter...
Natürlich sind die in ausgelassener Stimmung im Falle einer Festnahme o.ä.
Was soll denen den schon passieren?? Wenn die nicht bald ernsthaft durchgreifen, wird
den Richtern und Staatsanwälten bald der Sessel unter dem Allerwertesten weggeklaut...

Immer die selben Ausreden von der Polizei. Sie bedauert und bedauert. Die Einzelhändler werden von den Kriminellen ausgelacht. Fragen wir doch mal Mutti, was sie davon hält.

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