Hinrichtung am Möbelmarkt: Gespräch in JVA bringt Staatsanwaltschaft in Bedrängnis Panne zum Prozessauftakt

Detmold/Bielefeld/Oerlinghausen (WB). Die Staatsanwaltschaft Detmold hat mit einer peinlichen Panne den Prozess um die Hinrichtung am »Roller«-Markt selbst ins Stocken gebracht. Das Landgericht vertagte am Montag die Verhandlung.

Von Uwe Koch
Oleg V. (36) und Verteidiger Andreas Steffen hatten sich vor dem Prozess mit Oberstaatsanwalt Christopher Imig getroffen.
Oleg V. (36) und Verteidiger Andreas Steffen hatten sich vor dem Prozess mit Oberstaatsanwalt Christopher Imig getroffen. Foto: Oliver Schwabe

Der Bielefelder Kaufmann Grigor G. war am Abend des 10. Februar vor dem Haupteingang des Möbel-Marktes in Leopoldshöhe-Asemissen (Kreis Lippe) mit drei Schüssen getötet worden – während der Möbelmarkt geöffnet hatte. Zwei der Projektile trafen das Opfer aus kürzester Entfernung in den Kopf. Als mutmaßliche Täter machten Polizei und Staatsanwaltschaft schon einen Tag später drei gebürtige Kasachen aus, die sich mit dem 36-jährigen Opfer dort wegen eines »Geldgeschäftes« getroffen haben sollten. Es soll um die Rückzahlung eines Darlehens gehen, in das auch weitere Personen aus der osteuropäischen Kredit-Mafia verstrickt sein sollen.

Überraschende Erklärung des Oberstaatsanwalt

Die Anklage von Oberstaatsanwalt Christopher Imig kann den Schützen zwar nicht identifizieren, allerdings seien zwei Täter für die »Tat verantwortlich«. Aussagen der 48-, 36- und 31-jährigen Männer zur Tat gibt es nicht. Zeugen sahen indes, wie es nach einem verbalen Streit zunächst zu einer Rangelei kam. Einer der Angreifer sei dann zu einem schwarzen Audi gelaufen, habe eine Waffe mit Schalldämpfer geholt und mehrmals auf den Bielefelder geschossen. Um so überraschender war Imigs Erklärung, der Angeklagte Oleg V. habe sich schon Mitte August mit der Bitte »um ein Gespräch« an ihn gewandt. Der Oberstaatsanwalt traf sich mit dem Kasachen erst am vergangenen Donnerstag in der Justizvollzugsanstalt, führte mit dem Mann im Beisein von dessen Rechtsanwalt Andreas Steffen ein »drei bis dreieinhalbstündiges Gespräch«.

Anwälte verblüfft

Diese Unterredung hatte Imig sogar auf Tonband mitgeschnitten. Dr. Holger Rostek und Dr. Detlev Binder, die Verteidiger der Mitangeklagten, reagierten zunächst nur verblüfft. Sie verlangten eine Akte von dieser Vernehmung. Rostek: »Ein Angeklagter muss sich gegen alles verteidigen können, was gegen ihn vorgebracht wird.« Der Oberstaatsanwalt musste passen: »Wir sind ein Staatsbetrieb. Über das Wochenende macht bei uns keiner was.«

Danach reagierten Rostek und Binder verärgert. Sie vermuteten eine Absprache gegen ihre Mandanten. Oleg V. hatte die Bitte um ein Gespräch mit der »Angst um meine Familie« begründet. Rostek war erbost über die Tatsache, dass man die Akten über die Vernehmung verweigern wolle: »Das ist ungeheuerlich von der Staatsanwaltschaft Detmold. Das ist ein Skandal.« Eine Fortsetzung des Verfahrens komme daher vorerst nicht in Frage.

Der Schwurgerichts-Vorsitzende Karsten Niemeyer forderte danach die Schriftstücke von der Unterredung mit dem Angeklagten bis zum »nächsten Verhandlungstag«. Der Prozess soll am 16. September fortgesetzt werden.

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