Männer kontaktieren zweimal Grundschüler – Polizei warnt vor Panikmache und gibt Entwarnung im Braker Vorfall Kinder angesprochen: Eltern alarmiert

Bielefeld (WB). Fünf  Kinder sind in den vergangenen Tagen von fremden Männern  angesprochen worden: in Brake ein Drittklässler und in Hillegossen vier Erstklässler. Das  alarmierte viele Eltern und verbreitete sich  rasend schnell im Internet. Die Polizei warnt   vor Panikmache und  gab für   Brake  bereits Entwarnung.

Von Jens Heinze und Stefan Biestmann
Symbolfoto
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Am Donnerstag um kurz vor 8 Uhr hatte in Brake ein Rentner (73) auf dem Weg von seiner Haustür zum Auto den  Drittklässler (9), der ausnahmsweise allein  zur  Grundschule unterwegs war, zweimal angesprochen. »Der Mann  wollte vom Schüler den Namen, die Klasse und den Namen der Klassenlehrerin wissen«, berichtete Grundschulrektorin  Bettina Gräber. Der Junge habe erst geantwortet und auf   Nachfrage nichts mehr gesagt. In der Schule   meldete der Neunjährige den Vorfall seiner Klassenlehrerin. »Er hat sich also korrekt verhalten«, lobte die Rektorin.

Elternbrief der Schulleitung

Die Schulleiterin verschickte am Freitag  einen Elternbrief. »Wir wollen die Eltern beruhigen.« Zudem informierten die Lehrer die Schüler über das Thema. Polizeisprecher Achim Ridder gab   schließlich Entwarnung. Der Braker Bezirksbeamte, Polizeihauptkommissar Udo Gießelmann, habe den Rentner ermittelt und befragt. »Der 73-Jährige war einfach nur neugierig und hat sich nichts dabei gedacht, den Schüler anzusprechen«, sagte der Polizeisprecher.

Für großen Wirbel bei   Eltern und Anwohnern im Bielefelder Osten  sorgte ein zweiter  Vorfall vom Mittwoch gegen 17.15 Uhr an der Ecke Waldenburger-/Schweidnitzer Straße in Hillegossen. Dort soll ein Beifahrer eines kleineren  grauen BMW mit Gütersloher Kennzeichen aus dem Autofenster vier spielende Erstklässler angesprochen und  Süßigkeiten oder Nüsse aus einer Tüte angeboten  haben. Einer der vier Sechsjährigen näherte sich bereits dem Fahrzeug, als zwei in der  Nähe sitzende Mütter (31/45)  schreiend den Jungen stoppten. Der mit osteuropäischem Akzent sprechende Beifahrer (blonde Haare,   Sonnenbrille, schwarzes T-Shirt) soll trotzdem         weiter die Tüte aus dem Fenster gehalten haben. Der BMW soll Zeugenschilderungen zufolge erst  an der Straßenecke gestanden haben und dann langsam angerollt sein, bis der Fahrer plötzlich das Gaspedal durchtrat und  in Richtung Detmolder Straße davon raste.

Aufgeregte Mütter

»Ich dachte, wenn das Kind am Auto ist, nimmt der Mann die Hand und zieht den Jungen rein«, sagte  die  45-Jährige. Die Frau   saß mit einer Nachbarin (31) auf einer Treppe etwa 15    Meter vom  Geschehen  entfernt und passte auf ihren Sohn (6)  auf, der mit den  drei   Erstklässlern  aus dem großen Wohnblock spielte. Vor lauter Aufregung vergaßen beide Mütter, sich das komplette Autokennzeichen zu merken.

Allerdings kann keine der Zeuginnen ausschließen, dass das Auftreten des Mannes  missverstanden wurde und der Beifahrer mit einer netten Geste   tatsächlich nur Süßigkeiten anbieten wollte. Jedenfalls habe der Fremde den Jungen nicht aufgefordert, in das Auto zu steigen, bestätigte die Polizei. Die Mutter (25) des Sechsjährigen, der sich dem BMW näherte, erstattete noch am Mittwoch Strafanzeige. »Das ist ein hochsensibles Thema. Wir gehen sehr ernsthaft damit um«, betonte Polizeisprecher Ridder. Das Kommissariat 11 bemüht sich um Aufklärung.  Zudem  recherchierte am Freitag der   Polizei-Bezirksbeamte Robert Buschkamp am Ort des Geschehens. Obwohl es derzeit keine Hinweise auf ein Verbrechen wie versuchte Kindesentführung gebe, sucht die Kripo (Tel.: 0521/5450)  Zeugen, um das Autokennzeichen zu ermitteln.

Kein Einzelfall

Der Vorfall schlug hohe Wellen im Stadtbezirk. Die Grundschule Hillegossen  erhalte »etwa alle drei bis vier Monate« Kenntnis über Fälle, in denen Kinder von fremden Autofahrern angesprochen werden, berichtete Rektor Markus Landerbarthold. Die Lehrer hätten auf dieses  Thema ein wachsames Auge und stünden für Elternfragen stets  zur Verfügung.   Landerbarthold rät aber dazu, nicht in Panik zu geraten und warnt, die Problematik »unnötig aufzubauschen«.

Auch in der Stieghorst-Grundschule wurde   über das Thema gesprochen. Vor einigen Monaten sei es auch hier passiert, dass ein Schulkind von einem Fremden angesprochen wurde, berichtete Rektor Jörg Graeper. Die Lehrer geben den Kindern Verhaltensempfehlungen im Unterricht. Anrufe besorgter Eltern gab es auch in der evangelischen Kita am Rosenhag in Hillegossen, wie Leiterin Sabine Faust berichtet. »Wir passen hier besonders auf, aber machen auch niemanden verrückt.«

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