Angriff auf Koranstand: »Es gab nicht genügend Augenzeugen« Gericht spricht Jesiden frei

Bielefeld (uko). Zwei der Körperverletzung angeklagte Jesiden sind vom Amtsgericht Bielefeld frei gesprochen worden.

Die beiden 23- und 25-jährigen Männer aus Herford und Bielefeld standen im Verdacht, auf der Bielefelder Bahnhofstraße zwei Salafisten verprügelt zu haben. Das Urteil von Amtsrichterin Ingrid Kohls fiel gestern einhellig. Sowohl Staatsanwältin Linda Ber­tram als auch die beiden Verteidiger plädierten nach drei Tagen Prozess für einen Freispruch. Grund: »Es gab nicht genügend neutrale Augenzeugen, die die Schlägerei am 27. Dezember 2014 beobachtet hatten«, sagte Kohls als Urteilsbegründung.

An jenem Tag waren die beiden Koranschüler der Salafisten von einer Gruppe von mehreren Männern auf der Bahnhofstraße  angegriffen und verprügelt worden. Die Salafisten  hatten zuvor in der Fußgängerzone an einem Stand Koran-Bücher angepriesen. Zwei Opfer wurden durch die Prügel verletzt. Das 25-jährige Opfer aus Harsewinkel erlitt durch Schläge und Tritte einen Bruch des Unterkiefers sowie Rippenprellungen. Der 19-jährige Salafist aus Altenbeken kam mit einer Platzwunde an der Lippe und Prellungen glimpflicher davon.

Angeklagte bestreiten Vorwürfe

Angeklagt wurden dann  ein 23-jähriger Herforder und ein 25-jähriger Bielefelder. Sie bestritten die Vorwürfe der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung. Zwei neutrale Zeugen waren zunächst  nicht zum Prozess erschienen. Ein 50-jähriger Architekt aus Bielefeld  machte am zweiten Verhandlungstag  eine klare Aussage: »Die beiden sind dabei gewesen«, sagte der Zeuge.

Gestern erschien vor dem Amtsgericht auch der zweite Passant, ein 22-jähriger früherer Bielefelder, der jetzt in Köln wohnt. Er konnte die beiden Männer auf der Anklagebank überhaupt nicht mehr als die mutmaßlichen Täter identifizieren. In der Vernehmung bei der Polizei sei er sich auch nicht absolut sicher gewesen. Das Amtsgericht sprach die beiden Jesiden danach frei.

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