Erste Sondierungen im Erdreich zeigen keinen Blindgänger an – Ergebnis spätestens am Donnerstag Die Bombensuche hat begonnen

Bielefeld (WB). Die Suche nach einem möglichen Fliegerbomben-Blindgänger hat am Adenauerplatz 48 Stunden eher angefangen  als angekündigt. Gefunden wurde bislang kein Sprengkörper der alliierten Luftstreitkräfte aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Suche könnte bereits am Mittwoch zuende gehen.

Von Jens Heinze und Burgit Hörttrich
Sie suchen im Auftrag der Bezirksregierung nach einer möglichen Bombe: Barbara Bremmer (links) und Vitalino Heitor von der Kampfmittelbeseitigungsfirma Tauber aus Münster bohren und sondieren im Garten hinter dem Haus Adenauerplatz 5.
Sie suchen im Auftrag der Bezirksregierung nach einer möglichen Bombe: Barbara Bremmer (links) und Vitalino Heitor von der Kampfmittelbeseitigungsfirma Tauber aus Münster bohren und sondieren im Garten hinter dem Haus Adenauerplatz 5. Foto: Hans-Werner Büscher

Die Suche

Am Dienstagvormittag gegen 10 Uhr  begann im Auftrag der Bezirksregierung der Einsatz der Experten der privaten Kampfmittelbeseitigungsfirma Tauber aus  Münster. Karl-Heinz Clemens (54), Truppführer bei der Kampfmittelbeseitigung der Bezirksregierung, verschaffte sich zeitgleich einen Überblick vor Ort am Bomben-Verdachtspunkt auf dem Gelände des Abrisshauses Adenauerplatz 5. Wenn ein  vor mehr als 70 Jahren abgeworfener Blindgänger am Verkehrsknotenpunkt gefunden werden sollte, wird Clemens den Sprengsatz voraussichtlich am Samstagmittag entschärfen. Wie er erklärte, werden zunächst sieben Bohrungen auf und rund um die alte Bomben-Einschlagsstelle gesetzt und Magnetsonden in sieben Metern Tiefe eingelassen.

Bis Mittwoch gegen 9.30 Uhr wurde 19 Mal erfolglos nach einem Blindgänger sondiert. Es stehen noch maximal 18 weitere Bohrungen und Sondierungen an. Im Laufe des Mittwochs, spätestens aber Donnerstag soll Klarheit herrschen, ob am Adenauerplatz ein Blindgänger liegt. Die alte Einschlagsstelle, dokumentiert auf Luftbildern der Alliierten, befindet sich  etwa acht Meter neben der Fernbahnstrecke   Köln-Berlin  und dem dahinter liegenden Ostwestfalendamm. Anwohner erinnern sich, dass die Gleise zwischen Bielefeld und Gütersloh im Zweiten Weltkrieg häufig bombardiert worden sind.

Das Bürgertelefon

Unter Telefon 0521/512000 können sich diejenigen erkundigen, die von einer möglichen Evakuierung am Samstag betroffen wären. Wie Stadtsprecher Uwe Borgstädt gestern sagte, gab es bis 16 Uhr 46 Anfragen vor allem zum Zeitplan der eventuell größten Evakuierungs- und Sperraktion der Bielefelder Nachkriegsgeschichte.

Polizei und Bahn

Hier wird abgewartet, was die Bombensuche ergibt. Bahnsprecher Franz Heumüller bestätigte, dass es noch keinen Notfallplan für eine mögliche Evakuierung am Samstag gibt. »Wir sind noch mit der Stadt im Gespräch. Am Donnerstag wissen wir mehr«, sagte Heumüller. Allerdings kommt es der Bahn entgegen, wenn 20 Minuten vor einer vollen Stunde und zehn Minuten danach ein Blindgänger entschärft wird. In diesen 30 Minuten gibt es samstags keinen ICE-Verkehr. Polizeisprecher Michael Kötter teilte mit, dass ein möglicher Evakuierungseinsatz besprochen, aber wegen der Ungewissheit eines Bombenfundes noch nicht geplant worden sei.

Die Klinik Gilead I

Prof. Dr. Fritz Mertzlufft, Ärztlicher Direktor des Evangelischen Krankenhauses Bielefeld (EvKB) und Chefarzt unter anderem der Notfall- und Intensivmedizin, und  Jens Pohl, kaufmännischer Direktor, sind die Ruhe selbst. Sie sagen: »Wir sind gerüstet.« Gerüstet  für den potenziellen Fund einer 500-Kilo-Bombe. Denn in diesem Fall müssten während der Entschärfung am Samstag  auch Teile des Hauses Gilead I geräumt werden. Aber, so betonen beide, die Patienten  würden im Haus verlegt. Mertzlufft: »Intensivpatienten um 20 Meter, alle Geräte werden wie bei einem normalen Intensivtransport nur umgesteckt.«

Betroffen seien die oberen Geschosse des Flügels, der in Richtung Kunst- und Musikschule weist. Die Räumung  berührt  Teile der gynäkologischen Station G 2, der Intensivstation und  vermutlich drei Betten der Stroke Unit (Schlaganfall-Station).  Betroffen seien insgesamt maximal 40 Patienten. Keiner werde in externe Häuser verlegt, planbare Operationen würden  verschoben, wenn  das medizinisch vertretbar sei. Es werde am Samstag eine erhöhte Zahl an Pflegekräften und Ärzten im Haus sein, um eine adäquate Versorgung zu garantieren.

Die Seniorenheime

Wird am Samstag evakuiert, müssen unter Umständen bis zu zwei Senioren- und Pflegeheime geräumt werden. Im Lutherstift an der Kreuzstraße, eine Einrichtung des evangelischen Johanneswerkes, sind Leiterin Monika Rister und ihre Mitarbeiter schon gut vorbereitet. 81 Senioren wohnen derzeit im Haus. Elf von ihnen werden im Fall einer Evakuierung von Angehörigen abgeholt. 21 Patienten, die zum Teil palliativ versorgt werden, werden voraussichtlich in Johannes-Krankenhaus gebracht.

Die übrigen Senioren finden Notunterkünfte in den Johanneswerk-Partnereinrichtungen Marienstift am Lipper Hellweg sowie im Seniorenheim Dietrich-Bonhoeffer-Haus an der Schildescher Straße. Das Caroline-Oetker-Stift wollte sich zum Stand seiner Planungen noch nicht äußern. Heiner Hofmann erklärte für die privaten Hilfsorganisationen DRK, ASB und JUH, dass im Falle einer Evakuierung 120 Sanitäter und Helfer im Einsatz seien.

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