Teile des Vorstands und des Beirats kritisieren »Alleingang« und bestreiten finanzielle Notlage des Vereins Streit um Insolvenzantrag des IBZ

Bielefeld (WB). Nachdem der Verein IBZ Antrag auf Insolvenz gestellt hat, wehrt sich ein Teil des Vorstands, des Beirats und der Mitarbeiter gegen diesen Schritt und wirft Vorstandsmitglied Gabriele Schmiegelt-Uzunömeroglu einen Alleingang vor.

Von Hendrik Uffmann

»Der Vorstand ist nicht davon in Kenntnis gesetzt worden«, sagte Elif Kaya, ebenfalls Mitglied des vierköpfigen Vorstandes des Vereins Internationales Begegnungszentrum Friedenshaus (IBZ), nach dem Bericht über den Insolvenzantrag in der Freitagsausgabe dieser Zeitung. Vor allem aber sei dieser Antrag unnötig gewesen, erklärte Kaya. »Unser Ziel ist jetzt zu zeigen, dass der Verein nicht insolvent ist und auch keine Insolvenzverschleppung gedroht hat«, sagte Elif Kaya am Freitag.

Auch ist laut der Kritiker die Darstellung von Gabriele Schmiegelt-Uzunömeroglu falsch, dass die stark gestiegene Zahl an Flüchtlingen in Bielefeld den Verein in finanzielle Probleme geführt oder diese verstärkt habe. »Im Gegenteil, wir profitieren davon. Denn so können wir unsere Flüchtlingskurse fortführen, außerdem läuft in der Flüchtlingsarbeit auch viel ehrenamtlich«, sagt Beate Niemeyer, Mitglied im Beirat des IBZ. Schwierigkeiten drohten hingegen dann, wenn die Kurse nicht angeboten werden könnten. Aufgrund der aktuellen Situation würden die Flüchtlingskurse nun jedoch für zwei Wochen ausgesetzt, erklärte IBZ-Mitarbeiterin Deniz Yildizhan. Ziel sei es jetzt, so Beate Niemeyer, möglichst zeitnah eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen, bei der ein neuer Vorstand gewählt werden soll.

Gabriele Schmiegelt-Uzunömeroglu wies die Vorwürfe am Freitag zurück. »Dass es keinen Grund für den Insolvenzantrag gibt, ist nicht richtig. Es gibt unbezahlte Rechnungen in Höhe von weit über 40?000 Euro, manche warten seit Februar auf ihr Geld. Irgendwann muss man die Reißleine ziehen.« Sie bestätigte, dass es im Verein und Vorstand schon länger Uneinigkeit gebe, »in einem Verein mit 200 Mitgliedern ist dies jedoch natürlich. Und wenn Menschen aus vielen Herkunftsländern zusammenkommen, dann knallt es auch mal«, so Schmiegelt-Uzunömeroglu. Warum es so unterschiedliche Einschätzungen über die Finanzen des IBZ gebe, erklärte sie so: »Zwei Mitglieder sind neu im Vorstand und vielleicht nicht so gut informiert über die Verwaltungsvorgänge.« Ihre Hoffnung sei nun, dass es dennoch zu einer weiteren Zusammenarbeit im Vorstand komme.

Rechtsanwalt Andreas Stratenwerth, der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden ist, sagte am Freitag, dass er die finanzielle Lage des Vereins zunächst analysieren müsse. Ziel sei es jedoch, den Betrieb des IBZ zu sichern. »Ich werde alles in meinen Händen Liegende tun, um eine Lösung zu finden und eine Weiterführung des Vereins zu ermöglichen.« Dies könne möglicherweise bedeuten, dass der Verein »auf allen Ebenen neu strukturiert werden muss«. Stratenwerth: »Es muss einen handlungsfähigen, von den Mitgliedern akzeptierten, in sich harmonierenden und entscheidungsfähigen Vorstand geben. Dazu bedarf es vielleicht einer Selbstfindung des Vereins.«

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