Unabhängige Anlaufstelle ist in Gefahr – Auch Bielefeld betroffen Patientenberatung droht das Aus

Bielefeld (WB). Darf meine Kasse mir das Krankengeld streichen? Wo finde ich medizinische Hilfe vor Ort? Welche juristischen Möglichkeiten habe ich, gegen unangemessene Arztrechnungen vorzugehen? Wenn Ratsuchende mit solchen Fragen zur Unabhängigen Patientenberatung Deutschlands (UPD) kommen, schätzen sie vor allem eins: die Unabhängigkeit. Die ist aber jetzt in Gefahr.

Von Christina Ritzau
Die Unabhängigkeit der Patientenberatung ist in Gefahr. Zukünftig soll ein privates Unternehmen Träger der von der gesetzlichen Krankenversicherung geförderten Einrichtung sein.
Die Unabhängigkeit der Patientenberatung ist in Gefahr. Zukünftig soll ein privates Unternehmen Träger der von der gesetzlichen Krankenversicherung geförderten Einrichtung sein. Foto: dpa

Der Zuschlag für die vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) geförderte Beratungsstelle soll neu vergeben werden – an das private Unternehmen Sanvartis, das bereits als Dienstleister für Krankenkassen gearbeitet hat. Gegen dieses Vorhaben des GKV-Spitzenverbandes  und auch des Bundespatientenbeauftragten  Karl-Josef Laumann (CDU) gibt es Protest aus Gesundheitswesen und Politik.  

In NRW wären die Standorte Bielefeld, Köln und Dortmund betroffen. Allein in Bielefeld berät die UPD jährlich 4500 Menschen. Drei Mitarbeiterinnen geben in der Beratungsstelle, deren Träger der Gesundheitsladen Bielefeld ist, juristische, psychosoziale und medizinische Empfehlungen. »Wir haben jahrzehntelang für eine finanziell unabhängige Beratungsstelle gekämpft«, sagt eine Vertreterin des Gesundheitsladens. Erst auf Bestreben der UPD seien die Projektgelder nahezu verdoppelt worden, auf neun Millionen Euro pro Jahr.

Kaum wurde dieses Ziel erreicht, droht das Aus. »Das ist bitter«, sagt die Frau, die nicht namentlich genannt werden möchte. Seit 2006 gibt es bundesweit 21 UPD-Stellen. Zuvor habe der Gesundheitsladen  Bielefeld schon etwa 20 Jahre lang ehrenamtlich beraten. Das sei nun aber angesichts der hohen Nachfrage »keine Alternative« mehr.

Nachprüfungsantrag gestellt

Der GKV-Spitzenverband muss die Beratungsleistung  regelmäßig neu ausschreiben. Bisher alle fünf Jahre, künftig alle sieben Jahre.  Warum der GKV-Spitzenverband und Laumann sich für das Unternehmen Sanvartis entschieden haben, können die UPD-Stellen nicht nachvollziehen. Ihre Finanzierung läuft Ende 2015 aus.

Die UPD hat  nun einen Nachprüfungsantrag gestellt. Solange der bearbeitet wird, darf kein endgültiger Zuschlag erteilt werden. Aber die Bielefelderin weiß: »Die Chancen stehen  nicht gut.«

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