Natascha und Alexander Ristau aus Bielefeld wollen raus aus der Konsumwelt und rein ins Leben Weltreise ohne Geld und Proviant

Bielefeld (WB). Einfach losfahren, den Alltag hinter sich lassen, sich dorthin treiben lassen, wo es einem gefällt. Davon träumen viele. Natascha (26) und Alexander Ristau (25) aus Bielefeld verwirklichen sich diesen Traum. Sie gehen mit dem Fahrrad auf Weltreise. Erstes großes Ziel ist Thailand. Und das ist nur der Anfang ihrer Geschichte.

Von Christina Ritzau
Seit einem Jahr ein Paar und schon gemeinsam auf Weltreise: Mit maßangefertigten Fahrrädern wollen Natascha und Alexander Ristau im August losradeln.
Seit einem Jahr ein Paar und schon gemeinsam auf Weltreise: Mit maßangefertigten Fahrrädern wollen Natascha und Alexander Ristau im August losradeln. Foto: Hans-Werner Büscher

Anfang August wollen die beiden ihre Reise beginnen. Ein bis zwei Jahre soll das Abenteuer dauern. 23 Länder, 24.000 Kilometer. Ohne Zeitdruck, ohne Navi, ohne detaillierten Plan. Dafür mit einem guten Kompass und mit ganz viel Idealismus. Denn sie radeln nicht nur los, um die Welt zu entdecken. Sie wollen sich auch den Zwängen der Konsumgesellschaft entziehen. Und Veganismus verbreiten. Beide verzichten seit einigen Jahren konsequent auf tierische Produkte.  

Mit einem guten Stück nervöser Vorfreude soll es in knapp drei Wochen losgehen. Dass es langsam ernst wird, merkt das Paar an vielen Kleinigkeiten: Internet- und Handyverträge sind gekündigt, ein Nachfolger für die Wohnung gefunden. Alexander Ristau nennt das den »Austritt aus der Komfortzone«. »Man sagt ja auch ›Das Leben beginnt da, wo die Komfortzone aufhört‹«, zitiert er.

Ersparnisse aufgebraucht

Dass sie auf viele Annehmlichkeiten verzichten müssen, ist den beiden bewusst. Eine heiße Dusche, ein bequemes Bett, einen vollen Kühlschrank – all das wird es bald nicht mehr geben. Proviant packen sie nur für ein bis zwei Tage ein, wegen des Gewichts. Danach wollen die Ristaus »Containern gehen«, also Lebensmittel aus den Müllkippen von Supermärkten holen, und arbeiten. Sie zählen auf die Mithilfe der Menschen, denen sie begegnen. Anders geht es auch nicht. »Wir haben eigentlich beide kein Geld mehr. Unser ganzes Erspartes ging für Räder und Ausrüstung drauf«, erzählt Alexander Ristau. Beide Räder sind maßangefertigt.

Um die 3000 Euro kostet jedes Fahrrad – und das ist noch günstig. Taskin Kücük, Inhaber des Bielefelder Biketreff, hat sie praktisch umsonst zusammengeschraubt – weil er die Idee so gut findet. »Genau das ist mein Traum«, sagt er über die anstehende Reise des Paares. Deshalb hat er mit Natascha und Alexander Ristau stundenlang an der Ausstattung getüftelt: spezielle Griffe, ergonomische Sättel, wartungsarme Schaltungen und Bremsen, »abschließbare« Räder, Lichthupe, Bremslicht und eine USB-Ladestation, die über den Dynamo betrieben wird. Für den Fall, dass doch mal etwas kaputt geht, gibt es noch eine Schulung in Sachen Fahrradreparatur.  

»Wir wollen uns von so engen Strukturen wie Zeit lösen«

Die beiden Radler sind weder sportlich ambitioniert, noch haben sie ein spezielles Training absolviert. Für den Anfang sind etwa 60 Kilometer pro Tag angedacht, später vielleicht mehr. »Wir wollen zeigen, dass jeder so etwas machen kann«, sagt Natascha Ristau. Wichtig ist ihr auch: »Wir machen uns keinen Stress. Wir wollen uns von so engen Strukturen wie Zeit lösen.« Deshalb rechnen sie nicht in Kilometern, in Tagen, Wochen oder Monaten.

Der erste Abschnitt der Route zeichnet den Jakobsweg nach, führt durch Frankreich und Spanien bis nach Santiago de Compostela. Nach einem Schlenker durch Portugal geht es weiter Richtung Osten, durch Italien und Südosteuropa bis in die Türkei. Dort wollen Natascha und Alexander Ristau überwintern. Wenn es wärmer wird, soll es weitergehen nach Thailand. Alles andere steht in den Sternen, da sind die Aussteiger sich einig: »Wir wollen auf der Reise feststellen, wo wir bleiben wollen – oder ob wir überhaupt irgendwo bleiben wollen.«

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