Wählergemeinschaft verliert fünf Mandatsträger und einen Stadtverbandsvorsitzenden Der Streit eskaliert: Süd-Rebellen verlassen die BfB

Bielefeld (WB). Die Bürgergemeinschaft für Bielefeld (BfB) verliert alle fünf Bezirksvertreter im Bielefelder Süden. Mit Alexander von Spiegel verlässt auch ein weiteres Mitglied die BfB-Fraktion im Rat.

Von Michael Schläger
Sie wollen der Bürgergemeinschaft den Rücken kehren: (von links) Dr. Harald Brauer, Alexander von Spiegel, Jan Dopheide und Udo Buse haben ihren Austritt erklärt, ebenso Hans-Herbert Wüllner (nicht auf dem Foto). Ihre Mandate werden sie behalten.
Sie wollen der Bürgergemeinschaft den Rücken kehren: (von links) Dr. Harald Brauer, Alexander von Spiegel, Jan Dopheide und Udo Buse haben ihren Austritt erklärt, ebenso Hans-Herbert Wüllner (nicht auf dem Foto). Ihre Mandate werden sie behalten. Foto: Hans-Werner Büscher

Am Mittwochabend überraschten die BfB-Bezirksvertreter Udo Buse (Sennestadt), Jan Dopheide und Dr. Harald Brauer (Brackwede) sowie die Senner Hans Herbert Wüllner und Alexander von Spiegel mit ihrer Ankündigung, aus der BfB austreten zu wollen. Auch Bernd Kuhlmann, Stadtbezirksvorsitzender in Sennestadt, schmeißt hin. »Darüber hinaus haben uns viele weitere Mitglieder signalisiert, die Bürgergemeinschaft verlassen zu wollen«, sagte Jan Dopheide.

Alle fünf Mandatsträger kündigten an, ihre Sitze in den jeweiligen Bezirksvertretungen behalten, dort als parteilose Mitglieder weiter mitarbeiten zu wollen. Es fehle der BfB ohnehin an Nachrückern. Auch Alexander von Spiegel will Sitz und Stimme im Stadtparlament behalten. »Wir wollen weiter Sachpolitik für die Bürger machen. Das sind wir den Wählern schuldig, aber das ist in der Vergangenheit zu kurz gekommen«, sagte Dopheide. Die Fünf sehen sich weiter im bürgerlichen Lager verankert.

Führungsstil in der Kritik

Grund für die Austrittswelle sei der Führungsstil des BfB-Vorsitzenden Rainer Ludwig, sagte Ratsmitglied Alexander von Spiegel. Er sprach von einer »Demokratur«, die innerhalb der Wählgemeinschaft herrsche. »Wir wollen dagegen mehr Demokratie, mehr Kommunikation und mehr Mitbestimmung.«

Udo Buse, Dr. Harald Brauer und Hans Herbert Wüllner berichteten, wie sie seit mehreren Monaten versucht hätten, die Probleme innerhalb der BfB zu klären. »Aber wir haben keinerlei Resonanz bekommen«, sagte Udo Buse.

Entscheidungen hinter verschlossenen Türen

Zu oft seien Entscheidungen hinter verschlossenen Türen gefallen, etwa der neue Fraktionsgeschäftsführer ohne vorherige Abstimmung in der Fraktion eingestellt worden. Ratsmitglied Alexander von Spiegel sei bei Fraktionssitzungen bewusst ausgegrenzt worden. Obwohl es nach der Kommunalwahl viele Interessenten als sachkundige Bürger für die Ausschussarbeit gegeben habe, seien die Positionen unter wenigen aufgeteilt worden.

Auch der Kurs Ludwigs, »bloße Oppositionspolitik machen zu wollen«, passt dem Quintett nicht. Inhaltliche Arbeit komme zu kurz. So wollen sich die Süd-Politiker für eine Stadtbahnlinie vom Brackweder Bahnhof nach Sennestadt in Niederflurtechnik einsetzen. Auf diese Weise könnten die Probleme in der Brackweder Hauptstraße gelöst werden.

Rekordergebnis nach schwerer Krise

Nach einer schweren Krise im Jahr 2013 hatte die BfB bei der Kommunalwahl 2014 überraschend mit 8,5 Prozent ein Rekordergebnis erzielt, stellte anfangs sechs Ratsmitglieder. BfB-OB-Kandidat Johannes Delius war auf stattliche 16 Prozent gekommen. Doch bei seinem Kurs, in einer rot-grün geführten Rathaus-Plattform mitzuarbeiten, verweigerten ihm viele BfB-Leute die Gefolgschaft. Delius trat zurück.

Im Zuge dieser Querelen war auch der Vorsitzende Rainer Ludwig in die Kritik geraten, wurde aber bei der Jahreshauptversammlung Ende März bestätigt. Ein Gegenkandidat hatte kurzfristig einen Rückzieher gemacht.

Erst muss die Karre aus dem Dreck

Zwischenzeitlich war mit Dr. Gudrun Langenberg bereits eine BfB-Ratsfrau zur FDP übergetreten. Die von Ludwig angekündigte Aufarbeitung fand derweil aus Sicht der Süd-Rebellen nicht statt.

Sie fordern auch jetzt nicht Ludwigs Rücktritt, erkennen das politische und taktische Geschick des früheren Rathaus-Dezernenten ausdrücklich an. »Gegen die Person haben wir nichts, nur etwas gegen seinen Führungsstil«, fasste Dopheide die Kritik zusammen. Wenn es Ludwig gelinge, die Karre wieder aus dem Dreck zu ziehen, können sich die Abtrünnigen sogar eine weitere Mitarbeit in der BfB vorstellen.

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