Vorstand der Bielefelder Philharmoniker beklagt mangelnde Würdigung der Orchesterarbeit Den Floskeln Taten folgen lassen

Bielefeld (WB). Die neuerliche Spardebatte im Bereich Bühnen und Orchester nimmt der Orchestervorstand der Bielefelder Philharmoniker zum Anlass, die Sachlage aus Sicht des Orchesters zu bewerten.

Von Uta Jostwerner
Klaus-Joachim Dudler, Remigiusz Matuszewski und Hartmut Welpmann (von links) bilden den Orchestervorstand. Im Gespräch mit Uta Jostwerner kritisieren sie unter anderem die Sparpolitik im Kulturbereich und reden über die Konsequenzen.
Klaus-Joachim Dudler, Remigiusz Matuszewski und Hartmut Welpmann (von links) bilden den Orchestervorstand. Im Gespräch mit Uta Jostwerner kritisieren sie unter anderem die Sparpolitik im Kulturbereich und reden über die Konsequenzen. Foto: Bernhard Pierel

Das Orchester, so sagt Klaus-Joachim Dudler, sei mehr und mehr angehalten, Einspielergebnisse zu erzielen. Dies geschehe zunehmend durch Fremdveranstaltungen und nicht durch mehr Vorstellungen im Musiktheater. »Vor 30 Jahren haben wir 170 Vorstellungen pro Spielzeit gespielt, heute sind es rund 95. Das heißt aber nicht, dass das Orchester weniger tut. Im Gegenteil. Durch die zahlreichen Fremdveranstaltungen fallen mehr Proben an, weil wir neue Programme erarbeiten müssen. Das ist ein Riesenaufwand«, verdeutlicht Dudler. Die Prioritäten hätten sich im Laufe der Zeit einfach verschoben, so der Oboist im philharmonischen Orchester.

Erhöhter Krankenstand in den stark beanspruchten Orchestergruppen

Der erhöhte Aufwand bleibt nicht ohne Folgen: In den stark beanspruchten Orchestergruppen wie den Geigen oder Bratschen  sei schon jetzt ein erhöhter Krankenstand auszumachen. Hartmut Welpmann: »Ist zum Beispiel bei den ersten Geigen jemand krank, müssen Kollegen das auffangen und mehr Dienste absolvieren. Die höhere Beanspruchung macht sie selbst anfälliger für Krankheiten. Das ist wie eine Dominoeffekt. Und   Entlastungsaushilfen oder Krankenvertretungen dürfen so lange nicht eingestellt werden, wie der kranke Kollege in der Lohnfortzahlung ist.« Weitere Sparvorgaben, so der erste Solohornist, würden an die Substanz und zu Lasten der Qualität gehen.

Gleichwohl wehrt sich das Orchester nicht generell gegen Fremdveranstaltungen. Die Neujahrskonzerte in den Stadtteilen,  die Freiluftkonzerte im Freibad Brackwede oder am Meierteich  böten auch immer eine gute Gelegenheit, sich dem Publikum außerhalb der Oetkerhalle oder des Stadttheaters zu präsentieren. Geschlossen stehen die Orchestermusiker auch hinter den Familienkonzerten im Assapheum in Bethel, die ohnehin auf eine Eigeninitiative des Orchester zurückgehen. »Der integrative Charakter der Konzerte ist uns sehr wichtig«, betont Dudler. Auch stehe das Orchester neuen Ideen generell aufgeschlossen gegenüber. »Nur muss man auch die Konsequenzen sehen«, fordert Dudler. Den wohlmeinenden  Floskeln der Kulturpolitiker  müssten jetzt Taten folgen.  

Ferner kritisiert der Orchestervorstand, dass das Engagement der Philharmoniker im Bereich kulturelle Bildung von der Politik keine angemessene Würdigung erfährt, geschweige denn unterstützt würde. »Mit dem musikalischen Führerschein erreichen wir  fast alle Schüler der vierten Klassen«, verdeutlicht Dudler. Der Aufwand sei indes immens.

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