Früherer SPD-Chef Franz Müntefering besucht Hospizverein - Kritik an Gesetzentwurf Debatte um Sterbehilfe

Bielefeld (WB). Der frühere SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering hat sich dagegen ausgesprochen, die Möglichkeit des ärztlich begleitenden Suizids für schwerst leidende Menschen zu schaffen. Einige Koalitionspolitiker hatten einen entsprechenden Gesetzentwurf vorgelegt.

Von Stefan Biestmann
Herzlicher Empfang in der Neuen Schmiede: Franz Münterfering (Zweiter von rechts) mit (von rechts) Christoph Berthold, Thomas Buch, Almut Gsänger und Christiane Daub.
Herzlicher Empfang in der Neuen Schmiede: Franz Münterfering (Zweiter von rechts) mit (von rechts) Christoph Berthold, Thomas Buch, Almut Gsänger und Christiane Daub. Foto: Hans-Werner Büscher

»Ich weiß, dass es dramatische Situationen geben kann«, sagt Müntefering. Trotzdem sei das Leben bis zum Tod lebenswert. Bei seinem Besuch der Mitgliederversammlung des Vereins »Hospiz e.V« in Bethel plädiert er dafür, die derzeit geltenden gesetzlichen Regelungen beizubehalten und zudem die geschäftsmäßige Förderung der Sterbehilfe unter Strafe zu stellen. Wichtig sei es, die Palliativversorgung und Pflege weiter zu stärken. »Wir brauchen eine allgemeine ambulante Palliativversorgung, auf die alle Anspruch haben«, sagt Müntefering.

Oft nicht genug Zeit

Der frühere Vizekanzler war 2007 als Bundesarbeitsminister zurückgetreten, um seine schwer kranke Frau bis zum Tod zu begleiten. Heute engagiert sich der 75-Jährige als Mitglied des Stiftungsrats der Deutschen Hospiz- und Palliativ-Stiftung. Das Personal in Krankenhäusern und Pflegeheimen habe oft nicht genügend Zeit, um sich um schwerst leidende Menschen ausreichend zu kümmern. Deswegen müsse zusätzliches Geld für Pflegekräfte ausgegeben werden.

Zudem sei es wichtig, die Hospizarbeit weiter zu stärken. Er habe »Riesenrespekt« vor der Leistung der  haupt- und ehrenamtlichen Hospizhelfer. Denn die Hospizvereine seien auch für die Angehörigen wichtig. Das betont auch Christoph Berthold, Vorsitzender des Betheler Hospizvereins. »Unser Anliegen ist es, sich dem Sterbenden, aber auch der Familie anzunehmen.« Ein Blick von außen oder eine verlässliche Hilfe könne eine große Unterstützung für die jeweilige Familie bedeuten. Der Verein zähle mittlerweile 350 Mitglieder. Allein 100 davon übernehmen ständig hospizliche Begleitungen. Seit Februar biete der Verein auch einen ambulanten Kinderhospizdienst.

»Mit klarem Verstand die letzte Strecke erleben«

Müntefering weist darauf hin, dass oft gerade Menschen im hohen Alter, die alleine leben, suizidgefährdet seien. Und die Zahl der kinderlosen Menschen steige weiter. Deshalb seien soziale Kontakte umso wichtiger. »Die können dabei helfen, Unglück zu verhindern«, meint er. Die Städte und Gemeinden seien gefordert, die Nachbarschaftshilfe zu stärken und eine »sozialräumliche Planung« zu entwickeln. »Man muss alle wichtigen Leute an einen Tisch holen.«

Und welche Gedanken macht sich Müntefering über seinen eigenen Tod? »Vor 30 Jahren hätte ich gesagt: Ich möchte einmal tot umfallen.« Doch mittlerweile habe sich seine Meinung geändert. »Ich würde mir wünschen, sehenden Auges und mit klarem Verstand die letzte Strecke zu erleben.«

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