Kommissar soll zudem 400 Euro seiner Kollegen gestohlen haben Polizist nach versuchtem Kiosk-Überfall angeklagt

Bielefeld (WB). Ausgerechnet ein Bielefelder Polizeibeamter soll sich wegen Diebstahls und wegen eines versuchten Raubüberfalls vor dem Landgericht verantworten. Der 53-jährige Beamte ist derzeit von seinem Dienst suspendiert.

Von Uwe Koch

Staatsanwalt Christoph Mackel stellte jetzt die Anklage gegen den angeblich spielsüchtigen und alkoholabhängigen Mann vor. So soll der Polizeihauptkommissar im Herbst des vergangenen Jahres seinen Dienst in der Leitstelle des Polizeipäsidiums an der Kurt-Schumacher-Straße verrichtet haben. Im Zeitraum vom 21. August bis zum 24. September 2014 soll der 53-Jährige dann 400 Euro aus der Kasse der Kollegen gestohlen haben. Diese Kasse soll der Dienstgruppe auf der Leitstelle für »Touren oder Ausflüge« zur Verfügung gestanden haben. Mackel betonte gestern auch, der Kommissar sei »nicht der Kassenwart« gewesen.

Beweise für den Diebstahl soll es durch die Beobachtungen von Kollegen geben. Allerdings erscheint es noch zweifelhaft, warum kein konkreter Tattag angegeben ist. Die Polizei soll zudem erst eigene interne Ermittlungen gegen den Kollegen durchgeführt haben, der in dem Ruf stand, finanzielle Probleme zu haben. Der Mann sei dann aber »umgehend« nach dem 24. September 2014 vom Dienst suspendiert worden sein.

Mit Sektflasche Angreifer vertrieben

Strafrechtlich noch schwerer wiegt der Vorwurf, den ihm Oberstaatsanwalt Oliver Brendel wegen des Vorfalls vom 31. Oktober 2014 macht. An diesem Tag soll der 53-Jährige gegen 18.30 Uhr einen Kiosk an der Weststraße betreten haben. Er soll eine schwarze Sonnenbrille getragen haben, ein graues Sweatshirt soll er wie eine Maske »über die Nase gezogen« haben. Dem 63-jährigen Kioskbetreiber habe er in gebrochenem Deutsch gesagt »Gib die Geld!« Der Kommissar habe aus einer Entfernung von 80 Zentimetern ein Messer auf den Verkäufer gerichtet und dann mehrfach »Mach dich tot!« gesagt.

Postwendend habe der 63-Jährige hinter sich gegriffen, eine Sektflasche genommen und dem Angreifer auf den Schädel gewuchtet. Der Täter habe eine blutende Platzwunde auf dem Kopf erlitten und den Kiosk fluchtartig verlassen.

Der Kioskbetreiber habe jedoch nicht an eine Strafanzeige gedacht, da ein ähnlicher Vorfall im Jahr 2003 ergebnislos geblieben sei. Erst ein Bekannter, der kurz nach dem versuchten Überfall in den Kiosk kam, habe den Film einer Überwachungskamera aus dem Kiosk ins Internet gestellt. Der Mann habe der Polizei auch ein Taschentuch mit dem Blut gegeben, das er am Tatort aufgewischt habe.

Die Polizei ermittelte aufgrund des Films dann den Kollegen als mutmaßlichen Täter. Der 53-Jährige hat zu den Vorwürfen bisher keine Aussagen gemacht. Er wird von Dr. Holger Rostek in dem kommenden Prozess vor einer Strafkammer des Landgerichts vertreten. Ein Prozesstermin steht noch nicht fest.

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