Abfallmenge im vergangenen Jahr gestiegen – vor allem Glas-Container als Ablagefläche bei Umweltsündern beliebt 410 Tonnen Müll illegal entsorgt

Bielefeld (WB). Von der Imbiss-Verpackung über den ausgedienten Fernseher bis zum Bauschutt: Immer mehr Müll wird achtlos entsorgt. Im Wald, im Park, auf innerstädtischen Plätzen. Dabei würden vor allem Altglas-Container eine schier magische Anziehungskraft auf alle die ausüben, die ihren Abfall illegal loswerden wollen, sagt Bernd Nagel, Abteilungsleiter Abfallentsorgung im städtischen Umweltbetrieb.

Von Burgit Hörtrich
Negativtrend: Immer mehr Müll wird im Bielefelder Stadtgebiet illegal entsorgt, gerne auch an Glascontainern – wie hier an einer Sammelstelle am Lipper Hellweg.
Negativtrend: Immer mehr Müll wird im Bielefelder Stadtgebiet illegal entsorgt, gerne auch an Glascontainern – wie hier an einer Sammelstelle am Lipper Hellweg. Foto: Bernhard Pierel

Im vergangenen Jahr sammelte der Umweltbetrieb 410 Tonnen »wilden Müll« ein, 2013 waren es noch 405 Tonnen. Klaus Kugler-Schuckmann, Leiter des Umweltbetriebes: »Es geht Jahr für Jahr nach oben.« Dabei sei noch nicht eingerechnet, was Gruppen und Initiativen bei privaten Sammelaktionen zusammentragen würden.

Hochkonjunktur für Autoreifen

Bernd Nagel sagt, dass die Arbeitsgruppe »Saubere Stadt« vor kurzem an Glascontainern in Jöllenbeck und Vilsendorf allein vier Kubikmeter Abfall – »eine komplette Wohnungseinrichtung« – hätten entsorgen müssen. Zurzeit sei wieder »Hochkonjunktur« für Altreifen. Nagel: »290 haben wir davon im vergangenen Jahr gesammelt und entsorgt.« Kugler-Schuckmann kann sich nicht erklären, warum Autofahrer Reifen zu einem Altglascontainer fahren, um sie dort illegal zu deponieren und nicht auf einen der drei Wertstoffhöfe. Kugler-Schuckmann: »Die Annahme pro Altreifen mit und ohne Felge kostet 1,50 Euro. Das ist erschwinglich.«

Den Schaden trägt die Allgemeinheit

Die Mitarbeiter des Umweltbetriebes ärgern sich darüber, dass sie regelmäßig »wilde Müllkippen« im Wald finden, dass auf Grünstreifen vor allem vor Lichtzeichenanlagen Zigarettenkippen, Coffee-to-go-Becher, Flaschen offenbar aus dem Autofenster geworfen werden und dass es einige Menschen offenbar nicht für nötig halten, selbst ihr Altglas in die dafür vorgesehenen Container zu füllen. Nagel: »Die stellen das Glas davor ab und erwarten, dass der Umweltbetrieb alles Weitere erledigt.«

Kugler-Schuckmann macht darauf aufmerksam, dass die Kosten für das Entsorgen des »wilden Mülls« die Allgemeinheit über die Abfallgebühren mit zu tragen habe. Zudem fänden die Aktionen längst nicht mehr »bei Nacht und Nebel« statt: »Das passiert in aller Öffentlichkeit.« Hinweise auf Verursacher würden an das Ordnungsamt weiter gegeben, »wenn es die Beweislage zulässt«.

Das Schuldbewusstsein fehlt

Eine Erklärung dafür, dass die Müllmengen steigen, hat Kugler-Schuckmann nicht. Eine Ursache, meint er, könnte der Internet-Versand von Waren sein – wegen der umfänglichen Verpackungen: »Die würden nicht anfallen, wenn man direkt in einem Geschäft einkauft.«

Dass es kein Schuldbewusstsein gibt bei den illegalen Müllentsorgern, kann er sich durchaus erklären: »Da hört man immer wieder den Satz: Schließlich bezahle ich ja Gebühren dafür.«

Kugler-Schuckmann betont, dass abgesehen von Baumschnitt, Reifen, Bauschutt, Binderfarbe und Holzabfällen die Entsorgung über die Wertstoffhöfe kostenlos sei. Das gelte auch zum Beispiel für Kühlschränke oder Waschmaschinen, Metallschrott, Papier und Pappe, Altöl.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.