Gedenkfeier für den vor fünf Jahren getöteten Soldaten Martin Kadir Augustyniak »Er hat seinem Kameraden das Leben gerettet«

Bielefeld (WB). »In stillem Gedenken« steht auf dem Kranz, den ein Soldat am Grab von Martin Kadir Augustyniak niederlegt. Der Bielefelder Soldat wurde am Donnerstag vor fünf Jahren in Afghanistan getötet.

Von Stefan Biestmann
Stilles Gedenken an den vor fünf Jahren getöteten Martin Kadir Augustyniak auf dem Friedhof in Quelle
Stilles Gedenken an den vor fünf Jahren getöteten Martin Kadir Augustyniak auf dem Friedhof in Quelle Foto: Thomas F. Starke

Mit einer Gedenkveranstaltung erinnern der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VdK) und die Bundeswehr an den am Karfreitag 2010 im Alter von nur 28 Jahren gestorbenen Hauptgefreiten. Kurz vor Beginn des Ehrengeleits auf dem Friedhof Quelle kommt die Sonne hervor. »Das ist ein gutes Zeichen«, sagt Ursula Wolf, Mutter des getöteten Soldaten.

Sie ist sichtlich gerührt, als sie am Grab steht. »Das ist natürlich ein besonderer und emotionaler Tag. Heute denke ich ganz besonders an Martin.« Begleitet wird sie von ihrem Ehemann Lothar, Augustyniaks Stiefvater, ihrer Freundin Hannelore Guth und ihrem Bruder Georg. Martin Augustyniaks Ehefrau und sein mittlerweile neun Jahre alter Sohn Remo, die in Hannover wohnen, sind nicht nicht anwesend.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hatte vor einigen Jahren gemeinsam mit der Bundeswehr eine Initiative gestartet, um Gedenkveranstaltungen für im Auslandseinsatz getötete Soldaten zu ermöglichen. »Natürlich müssen die Angehörigen zustimmen«, sagt VdK-Landesgeschäftsführer Peter Bülter. »Sie können dann entscheiden, ob das Gedenken am Geburtstag oder Todestag des Soldaten erfolgt.« Mittlerweile gebe es für acht Soldaten in NRW dieses Gedenken – in Bielefeld für Augustyniak und den ebenfalls in Afghanistan getöteten Soldaten Alexej Kobelew. »Es ist wichtig, dass die Angehörigen an so einem Tag nicht allein gelassen werden«, sagt Bülter.

Augustyniak geriet 2010 in der Nähe von Kundus in einen Hinterhalt der Taliban und wurde verwundet. Er rappelte sich auf, um seinen verletzten Spähführer zu retten. Im Kugelhagel brachte er ihn schließlich in Sicherheit und gab seinen Kameraden Feuerschutz. Doch als der Wagen auf eine Sprengfalle traf, starb Augustyniak.

Der Bielefelder Sozialdezernent Ingo Nürnberger, der auch designierter VdK-Kreisvorsitzender ist, zeigt sich angetan von dem Einsatz des Hauptgefreiten. »Er hat seinem Kameraden das Leben gerettet und ist dann unter dramatischen und tragischen Umständen ums Leben gekommen«, sagt er. Es sei ihm ein besonderes Anliegen gewesen, an dem Gedenken auf dem Queller Friedhof teilzunehmen. »Das geht mir sehr nah«, meint er.

Brackwedes Bezirksbürgermeisterin und Landtagsabgeordnete Regina Kopp-Herr geht es ähnlich. Auf solch eine Art und Weise einen Angehörigen zu verlieren, sei schmerzlich, sagt sie. Umso wichtiger sei es, weiter für den Frieden in der Welt zu kämpfen. Hannelore Guth als Freundin von Augustyniaks Mutter freut sich, dass mit dem Gedenken die Verdienste des Bielefelder Soldaten gewürdigt werden. »Das ist ein sehr schönes Zeichen – auch für die Angehörigen«, sagt sie. Doch Hannelore Guth weiß auch: »Der Schmerz und die Trauer werden bleiben.«

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