Landesregierung erzwingt geschlechtsneutrale Bezeichnung – zwei Millionen Euro Kosten Studentenwerke müssen sich umbenennen

Bielefeld/Düsseldorf (WB). »Studentenwerke« sind ein fester Begriff im Hochschulalltag und Anlaufpunkt für Studenten. Pardon, für Studierende. Die Bezeichnung hat sich eingebürgert im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit. Jetzt sollen auch die Einrichtungen umbenannt werden: in Studierendenwerke. 

Von Christina Ritzau
Das Bielefelder Studentenwerk an der Morgenbreede.
Das Bielefelder Studentenwerk an der Morgenbreede. Foto: Thomas F. Starke

Das hat die nordrhein-westfälische Landesregierung im Hochschulzukunftsgesetz festgelegt. Die bevorstehende Zwangs-Umbenennung bis 2017 betrifft alle zwölf Studentenwerke in NRW. Sie hat in den Einrichtungen selbst für eine Menge Unmut gesorgt – auch wenn die Studentenwerke die Gleichberechtigung von Männern und Frauen befürworten.

»Die Marke ›Studentenwerk‹ hat eine über 100-jährige Tradition und ist als solche geschlechtsneutral. Eine Änderung in einen sperrigen Begriff, der eine Tätigkeit beschreibt, halten wir für nicht sinnvoll«, teilte das Studentenwerk Paderborn gestern auf Nachfrage dieser Zeitung mit. Auch Annette Vormbrock-Reinert vom Studentenwerk Bielefeld sagte ganz offen: »Wir waren darüber nicht erfreut. Von uns aus hätten wir diesen Umbenennungsprozess nicht in Gang gesetzt.«

Wer hätte das schon? Schließlich bringt der neue Name für die Studentenwerke mehr Arbeit und mehr Kosten mit sich. Wie hoch der finanzielle Mehraufwand durch die »Geschlechterneutralisierung« tatsächlich ist, diese Frage ließ die Landesregierung in ihrer Antwort auf eine FDP-Anfrage offen. Realistische Kosten könnten im Vorfeld nur schwer ermittelt werden, heißt es dort. 

Meint es ernst: NRW-Wissenschaftsministerin von Svenja Schulze (SPD).

Für die Arbeitsgemeinschaft der Studentenwerke in NRW, die von Bielefeld aus arbeitet, war diese Kalkulation dagegen kein Ding der Unmöglichkeit. Landesweit werde die Umstellung mindestens zwei Millionen Euro kosten, teilte Helga Fels, Referentin der Arbeitsgemeinschaft, mit. »Das ist nur eine grobe Hochrechnung«, sagte sie, »aber weniger wird es auf keinen Fall.« Allein das Bielefelder Studentenwerk rechnet mit einem Aufwand von mindestens 50.000 Euro. Schließlich müssen sämtliche Schilder, Broschüren und Briefköpfe geändert, Internetauftritte und Logos überarbeitet werden. Das kostet. Und Zuschüsse vom Land gibt es nicht.

Umbenennungskosten schlagen sich auf Mensapreise nieder

»Im Wesentlichen wird man das über Preise wieder hereinholen müssen: über Mensapreise, Sozialbeiträge und Mieten. Denn so finanzieren wir uns«, erklärte Helga Fels stellvertretend für die Studentenwerke. Leidtragende sind also die Studenten. Dabei fänden die meisten die Neuerung, die eigentlich zur Geschlechtergerechtigkeit beitragen sollte, völlig unnötig – selbst Studentinnen: »Viele sagen: ›Das ist nicht die Art von Gleichberechtigung, die wir meinen‹«, berichtete Helga Fels.

Die Landesregierung sei der Ansicht, dass der neue Name automatisch aus dem Hochschulzukunftsgesetz – und dem darin enthaltenen Studierendenwerksgesetz vom 16. September 2014 – folge. »Diese Ansicht teilen wir nicht«, sagt Helga Fels. Fakt ist aber: Die Studentenwerke haben keine andere Wahl als sich umzubenennen – auch wenn sich etwa Dortmund lange geweigert hat, die Neuerung einzuführen. Wegen der Gesetzesänderung mussten alle NRW-Studentenwerke ihre Satzung ändern. Bielefeld hatte damals versucht, die alte Bezeichnung beizubehalten, wie Helga Fels erzählt. »Das Studierendenwerk Bielefeld gibt sich den Namen Studentenwerk Bielefeld«, lautete der Formulierungsvorschlag. Bei der Landesregierung kam er nicht gut an und wurde umgehend beanstandet. Und die Landesregierung sitzt eindeutig am längeren Hebel. Denn wer keine wirksame Satzung hat, ist handlungsunfähig.

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass der Begriff »Studentenwerk« zumindest in der Umgangssprache weiter besteht. Das funktioniert ja anderswo auch. Zum Beispiel bei der Bielefelder Schüco-Arena. Sie ist im Volksmund immer noch die »Alm«.

Kommentare

Genderwahnsinn

Das Geld wird schon jetzt für diesen Quatsch mit großen Eimern zum Fenster hinaus geschüttet. Ich hoffe es finden sich genügend rational und wirtschaftlich denkende "Studierende" - Studenten darf mensch ja nicht mehr sagen, da sich einige wenige Weibsen sinst auf den (nicht vorhandenen) Schlips getreten fühlen - die diesem Unsinn ein ENDE bereiten.

Wie jetzt?

Wie jetzt, das war gar kein Aprilscherz? Und dabei habe ich mich so amüsiert!
Schade, ich hatte die derzeitige Landesregierung unter Frau Kraft für halbwegs vernünftig gehalten.
Da muss ich mir erst mal vor Schreck eine Tüte Studierendenfutter reinhauen in meiner Studierendenbude.

die ach so hohen kosten

Das sowas immer mitpaucken und trompeten durchgekloppt werden breifköpfe und webpräsenz zu ändern dauert bei vernünftiger it ne halbe stunde und die schilder ändert man einfach wenn die eh ersetzt werden müssen effektive kosten 0€ wobei die studierenwerke ja sowieso alle paar tage ihr coperate design

Schizophrenia

Wann werden diese geltungssüchtigen Menschen zurückgehalten, die aus Profilneurose und Imagepflege
ihre Karriere nach oben pushen wollen. Werft das Geld doch gleich zum Fenmster hinaus. Wann meldet sich
das Bündnis (der Bund ist maskulin) der Steuerzahlenden.

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