Erinnerungen an Bielefelder Soldaten Augustyniak – »Martin lebt in unseren Herzen weiter« Vor fünf Jahren in Afghanistan getötet

Bielefeld (WB). Diesen Tag wird die Bielefelderin Ursula Wolf nie vergessen. Am 2. April 2010, einem Karfreitag, hört sie im Radio, dass drei deutsche Soldaten bei einem Sprengstoffanschlag in Afghanistan getötet wurden. Kurze Zeit später erhält sie durch einen Bundeswehroberst die traurige Gewissheit, dass ihr Sohn Martin Kadir Augustyniak unter den Opfern ist.

Von Stefan Biestmann
Ein großes Bild ihres Sohnes Martin Kadir Augustyniak hängt im Wohnzimmer von Ursula Wolf. Der Soldat verlor vor fünf Jahren in der Nähe von Kundus sein Leben.
Ein großes Bild ihres Sohnes Martin Kadir Augustyniak hängt im Wohnzimmer von Ursula Wolf. Der Soldat verlor vor fünf Jahren in der Nähe von Kundus sein Leben. Foto: Bernhard Pierel

Heute, fünf Jahre später, steht Ursula Wolf am Grab ihres Sohnes auf dem Friedhof in Bielefeld-Quelle. »Alle drei Tage stelle ich neue Kerzen auf. Martin lebt in unseren Herzen weiter«, sagt die 58-Jährige. Ihre Schwiegertochter und ihr Enkel Remo (9) wohnen heute in Hannover. Gerade der kleine Remo konnte damals den Tod seines Vaters zunächst nicht begreifen. »Er hat immer gefragt: ›Wo ist Papa?‹«, erinnert sich Ursula Wolf.

Der Schmerz sitzt bei ihr immer noch tief. »Die Traurigkeit habe ich immer noch in mir. Auf dem Friedhof halte ich es meistens nicht so lange aus.« Doch jedesmal spricht sie am Grab ihren Sohn an. »Im Gegensatz zu früher gibt er mir wenigstens keine Widerworte mehr«, sagt die Bielefelderin und schmunzelt.

 »Er hatte schon immer einen Beschützerinstinkt«

Selbstbewusst, sportlich, aufgeschlossen und hilfsbereit – so beschreibt Ursula Wolf ihren Sohn. »Wenn er einen Raum betrat, hatte man den Eindruck, es geht die Sonne auf.« Martin Kadir Augustyniak machte sein Abitur am Brackweder Gymnasium und studierte dann Sozialpädagogik. Doch irgendwann entschloss er sich, Berufssoldat zu werden. »Er hatte schon immer einen Beschützerinstinkt«, erinnert sich Ursula Wolf.

Im Februar 2010 stand dann für den damals 28-jährigen Hauptgefreiten der erste Einsatz in Afghanistan an. »Ich war schon damals skeptisch und habe mir große Sorgen gemacht. Ich war nie eine Befürworterin des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan.« Trotzdem respektierte sie, dass ihr Sohn am Hindukusch Dienst leisten wollte.

Am 2. April geriet der Bielefelder in der Nähe von Kundus in einen Hinterhalt der Taliban und wurde verwundet. Dann rappelte er sich auf, um seinen verletzten Spähführer zu retten. Im Kugelhagel brachte er ihn in Sicherheit und gab seinen Kameraden im ungesicherten Fahrzeug Feuerschutz. Doch als der Wagen auf eine Sprengfalle traf, starb Augustyniak – ebenso wie zwei weitere deutsche Soldaten.

Til Schweiger widmete ihm einen Kinofilm

Die Heldentat des Bielefelders bewog den Schauspieler Til Schweiger, seinen Kinofilm »Schutzengel« dem Hauptgefreiten zu widmen. Ursula Wolf war bei der Filmpremiere in Berlin 2012 dabei: »Ich hatte eine Gänsehaut, als der Name meines Sohnes auf der Leinwand zu sehen war.«

Auch in der Fallschirmjägerkaserne im niedersächsischen Seedorf (Kreis Rotenburg), wo der Bielefelder vor seinem Afghanistan-Einsatz als Soldat stationiert war, bleibt er in Erinnerung. »Er war ein sehr engagierter Mann, der immer helfen wollte«, berichtet ein Hauptmann. »Das Gedenken an ihn wird hier ewig bleiben.«

Die Bundeswehr habe sich immer sehr um die Familie gekümmert, lobt Ursula Wolf. Ein Militärseelsorger lädt die Bielefelderin und ihre Familie regelmäßig ein – zu Treffen mit Angehörigen anderer getöteter Bundeswehrsoldaten. Auch die Bundesverteidigungsminister haben bei Gedenkfeiern Anteil am Schicksal des Bielefelders genommen.

Für Ursula Wolf ist ihr Sohn auch heute noch allgegenwärtig. Ein riesiges Bild von ihm in Bundeswehruniform hängt in ihrem Wohnzimmer. Sie blickt auf das Foto. »Manchmal habe ich den Eindruck, er lächelt mich an«, berichtet sie. Und auch ihr Enkel Remo (9) weiß mittlerweile genau, wie sein Vater damals sein Leben verlor. Ursula Wolf stellt fest: »Remo sagt oft: Papa ist jetzt unser Schutzengel.«

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