Journalist Hardy Grüne liest im Fanprojekt  Streifzug durch die Fankultur 

Bielefeld (JaD). Fans mit Sakko, Krawatte und einem Kasten Bier auf der Stehplatztribüne, Kutten auf Schalke, ein Fahnenmeer im Hamburger Volksparkstadion. Es sind Bilder einer vergangenen Zeit, die der Journalist Hardy Grüne im voll besetzen Bielefelder Fanprojekt mit einem Beamer an die Wand wirft.

Der Journalist Hardy Grüne präsentiert im Bielefelder Fanprojekt Bilder aus seinem Buch Wenn Spieltag ist.
Der Journalist Hardy Grüne präsentiert im Bielefelder Fanprojekt Bilder aus seinem Buch Wenn Spieltag ist.

 Mal in schwarz-weiß, mal in Farbe. Sie sind Teil seines bildstarken Vortrags über die Geschichte der deutschen Fankultur – eine bebilderte Zeitreise.

 Beim Vortrag wird deutlich: Fußball war schon immer Identitätsstiftung und Gemeinschaftserlebnis – und Fankultur war schon immer das Austesten von Grenzen. Sie hat sich gewandelt und verändert, auch vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und politischer Einflüsse. Grüne stellt die Fußballkultur über die Jahrzehnte dar und bildet die Leidenschaft, die Kreativität, die Freude, aber auch die Gewalt, die Feindschaften und den Kommerz ab.

 Grüne (52), den die FAZ einmal als das »Gedächtnis des Fußballs« bezeichnete, ist praktizierender Fußballfan, sein Herzensklub Göttingen 05. Die meisten Fotos, die er zeigt, stammen aus seinem Bildband »Wenn Spieltag ist. Fußballfankultur in Deutschland«. Er ist eine Hommage an die Fankultur seit Beginn der Bundesliga und zeigt in großformatigen Bildern den Wandel, dem sie seit nunmehr 51 Jahren unterliegt. Grünes gute Bildrecherche hat einige Schätze ans Tageslicht gefördert, die oft zum Schmunzeln anregen. Etwa wenn Vitali Klitschko zähnefletschend mit einem königsblauen »Tönniesfleisch«-Schal publikumswirksam auf Schalke posiert.

Vorboten von Fankultur kündigten sich schon nach dem Ersten Weltkrieg an

 Die Vorboten von Fankultur kündigten sich schon nach dem Ersten Weltkrieg an. Fußball wurde zur Massenkultur, die ersten Fahnen hielten Einzug in die deutschen Stadien. Doch es dauerte bis in die fünfziger Jahre, bis eine Unterscheidung zwischen Zuschauer und Fans offensichtlich wurde. Mit der Bundesliga-Gründung entstanden erste Fanclubs. Die Stadien wurden durch Fahnen und Schals bunter, aber auch lauter. Dafür sorgten Trompeten oder Pressluftfanfaren. Gleichzeitig bildeten sich in den Kurven Hierarchien heraus: In den siebziger Jahren gaben die Kutten den Ton an, in den Achtzigern folgten die Hooligans und ab Mitte der Neunziger die Ultras.

 Mit der Jahrtausendwende setzte eine Kommerzialisierung des Fußballs ein, die heute mitunter skurrile Blüten treibt. Immer mehr aktive Fans wenden sich von ihren Vereinen ab. Nicht zuletzt deswegen stellt sich für Hardy Grüne die Frage: »Wie sieht die Fankultur der Zukunft aus?« Eine komplexe Frage, die auch das interessierte Publikum umtreibt. Eine einfache Antwort kann beim kurzweiligen Abend im Fanprojekt dafür freilich nicht gefunden werden.

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