Totschlag am Dompfaffweg: Landgericht verurteilt 39-Jährigen 13 Jahre Haft plus Sicherungsverwahrung

Bielefeld (WB). Das Landgericht Bielefeld hat im Prozess gegen den Palästinenser Fadi A. ein Machtwort gesprochen: Der 39-Jährige soll 13 Jahre Haft wegen Totschlags an der Deutsch-Marokkanerin Raja S. absitzen, dann soll der Mann in die Sicherungsverwahrung.

Von Uwe Koch
Nach fast vier Monaten Verhandlung fällt ein Urteil im Totschlag-Prozess. Hier zu sehen ist der 39-Jährige Fadi S. mit seinem Verteidiger Dr. Carsten Ernst am ersten Verhandlungstag.
Nach fast vier Monaten Verhandlung fällt ein Urteil im Totschlag-Prozess. Hier zu sehen ist der 39-Jährige Fadi S. mit seinem Verteidiger Dr. Carsten Ernst am ersten Verhandlungstag.

 Nach fast vier Monaten Verhandlung hat die 2. Strafkammer unter Vorsitz von Thorsten Bolte damit die Ankündigung vom ersten Prozesstag umgesetzt.

 Fadi A. habe bereits im Jahr 1998 in Berlin die damals 20-jährige Saskia Mohs getötet – nach demselben Tatmuster wie nun die 29-jährige Bielefelderin. Raja S. war erst am 18. Mai 2014 tot in ihrer Wohnung am Dompfaffweg gefunden worden. Für die Verschleierung der Tat habe eben Fadi A. gesorgt, der im Umfeld des Opfers die Legende gestreut hatte, sie befinde sich in Düsseldorf bei ihrem Bruder. Der Sohn der getöteten Frau verbrachte daher jene Tage bei einer Freundin der 29-Jährigen.

 Der Palästinenser war 1999 vom Landgericht Berlin zu zwölf Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt worden. Wie die Bielefelder Richter am Freitag vermochten auch die Berliner Juristen damals kein Motiv zu erkennen, daher blieb ein Mord-Urteil aus. Noch während der Haft hatte A. geheiratet, um sich einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland zu sichern. Ein Asylantrag war schon Jahre zuvor abgelehnt worden, er besaß nur eine Aufenthaltsgestattung.

 Gleichwohl wollten die Behörden in Brandenburg ihn abschieben lassen. Dieser Maßnahme entzog sich der Mann durch Flucht, auf der er im Internet eben die Bielefelderin Raja S. kennen lernte

 Auch dieses Verhältnis sei anfangs »harmonisch« gewesen, sagte Bolte am Freitag. Zunehmend kam es zum Streit, einmal schlug Fadi A. seine Freundin vor den Augen ihres Sohnes. – Nach einem kurzen Aufenthalt in Dänemark sei der Mann am frühen Morgen des 12. Mai 2014 nach Bielefeld in die Wohnung am Dompfaffweg zurückgekehrt. Nachdem die Mutter ihren Sohn um 7.30 Uhr zur Schule gebracht habe, hörte eine Nachbarin um 9.30 Uhr »gellende Schreie« aus der Wohnung der 29-Jährigen.

 In jenem »Zeitfenster« könne kaum ein Unbekannter Möglichkeit oder Motiv gehabt haben, die Frau zu töten, wie es der Angeklagte behauptet hatte. Nicht er habe die Leiche gefunden, sagte Thorsten Bolte, er habe die Frau »am Hals gepackt und erwürgt«. Das Motiv sei nicht ersichtlich, also fehle auch ein Mordmotiv. Gleichwohl gebe es neben der Bestrafung wegen eines Totschlags auch Grund für die Verhängung der Sicherungsverwahrung. Fadi A. habe einen »Hang zu erheblichen Straftaten«, er nehme »keine Rücksicht auf seine Opfer«, er »vernichte« sie.

 Während Verteidiger Dr. Carsten Ernst Revision gegen das Urteil ankündigte, wertete Sascha Mohs, Bruder des Berliner Opfers, die Bestrafung als noch »zu milde«. »Wir sind enttäuscht«, sagte der Berliner, der den Bielefelder Prozess aufmerksam verfolgt hatte. »Nur wenn er nie mehr aus dem Gefängnis herauskommt, sind wir zufrieden. Sonst tötet er wieder eine Frau...«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.