Verhandlung um angebliche Misshandlung der dreijährigen Tochter Gericht spricht Mutter frei

Bielefeld (WB/hz). Ein Bielefelder Ehepaar (29/30) will beobachtet haben, wie eine Mutter ihr dreijähriges Mädchen misshandelt und zeigt die Frau an. Das Gericht hat die Bielefelderin am Montag von dem Vorwurf freigesprochen.

Eine alltägliche Situation, die Erwachsenen mit Erfahrung im Umgang mit trotzigen Kindern bekannt sein dürfte, löst zunächst die Anzeige und dann die Gerichtsverhandlung aus. Wie die 33-jährige Angeklagte vor Richterin Larissa Misera glaubhaft berichtet, wehrt sich ihre schreiende und weinende Tochter am späten Nachmittag des 10. Oktober vergangenen Jahres ganz heftig beim Anschnallen im Auto-Kindersitz. Die Frau verliert daraufhin die Geduld, drückt das Mädchen mit dem linken Arm in den Sitz und löst mit einem heftigen Ruck gleichzeitig die Rückhalte- und Sperrfunktion des Sicherheitsgurtes aus. Der Versuch der Mutter, mit der zur Faust geballten rechten Hand die Schnalle des festsitzenden Gurtes trotzdem in der Befestigung zu versenken, gelingt der 33-Jährigen erst nach mehreren Anläufen.

Die Stoßbewegungen der Frau im Inneren ihres Autos in Richtung Gurtschloss deutet das Bielefelder Ehepaar als Faustschläge in den Bauch der Dreijährigen. Die 29-jährige Zeugin und ihr Mann (30) beteuern vor Gericht, sie hätten von ihrem Wagen aus das Geschehen unter dem Ostwestfalendamm nahe der Stapenhorststraße aus maximal zwei Metern Entfernung beobachtet. »Wir hatten einen astreinen Blick ins Fahrzeug der Mutter«, versichert der 30-Jährige vor Gericht. Dass die Faust der Mutter angeblich den Bauch ihrer Tochter trifft, erkennt der Mann jedoch nicht. »Die Frau wirkte rabiat und holte mit der Faust aus«, ergänzt die 29-Jährige die Schilderung ihres Ehemannes. Zwei bis drei Mal habe die Mutter ihrer Tochter in den Bauch geboxt, will die Zeugin gesehen haben. Als Amtsrichterin Larissa Misera fragt, ob das kleine Mädchen mit Weinen oder Schreien auf die angebliche Misshandlung reagiert habe, verneint die 29-Jährige. Sie und ihr Mann räumen ein, als kinderloses Ehepaar keinerlei Erfahrung im Umgang mit Nachwuchs zu haben.

»Es war definitiv nicht mein Tag. Ich war gereizt und auf 180. Meine Tochter wollte sich nicht anschnallen lassen, ist vom Rücksitz in den Kofferraum geklettert und hat geschrieen«, erklärt die Mutter den Vorfall auf offener Straße. Und unterstreicht einen Atemzug später: »Ich habe meine Tochter nicht geboxt. Ich habe sie nicht geschlagen.« Auch der von 33-Jährigen getrennt lebende Vater (42) der Dreijährigen beteuert, das Mädchen mehrfach im Monat zu sehen und an seinem Kind noch nie Spuren von Misshandlungen entdeckt zu haben. »Für mich ist sie die beste Mutter für meine Tochter«, sagt der Mann in Richtung der Angeklagten.

Nachdem bereits Staatsanwältin Evelyn Harkötter und Verteidiger Arno Tobergte auf Freispruch für die 33-Jährige plädieren, kommt auch Amtsrichterin Larissa Misera zu diesem Urteil. Die Zeugen hätten nach bestem Glauben und Wissen gehandelt, seien aber einem Irrtum aufgesessen, heißt es von der Vorsitzenden Richterin.

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