Norwegisches Damenquartett präsentiert neues Album Katzen-Power im Ringlokschuppen

Bielefeld (WB). Das weltweit erfolgreiche Quartett »Katzenjammer« aus Norwegen feiert zehnjähriges Bestehen. Am Samstag gastierten die vier Musikerinnen im Bielefelder Ringlokschuppen.

Von Johannes Gerhards
Anne Marit Bergmann singt und spielt Gitarre. Alle vier Sängerinnen beherrschen mehrere Instrumente und brillieren auch im Solo.
Anne Marit Bergmann singt und spielt Gitarre. Alle vier Sängerinnen beherrschen mehrere Instrumente und brillieren auch im Solo. Foto: Mike-Dennis Müller

2500 Besucher drängen an die Bühne und feiern Solveig Heilo, Marianne Sveen, Turid Jørgensen und Anne Marit Bergmann mit frenetischem Beifall. »Katzenjammer« spielen bereits zum dritten Mal in Bielefeld, und das Publikum genießt eine unvergleichlich rasante Show mit musikalische Grenzen sprengenden neuen Stücken und altbekannten Hits.

Ein Markenzeichen von »Katzenjammer« ist die Vielseitigkeit. Nach jedem Song werden Instrumente getauscht oder in der Blackoutphase von Helfern hin und her gereicht. Alle vier Musikerinnen beherrschen mehrere Instrumente nahezu perfekt, außerdem brillieren sie als Solosängerinnen und mit hervorragend abgestimmten A-cappella-Einlagen.

Neues Album »Rockland«

Bei ihrer Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz präsentieren die vier Ausnahmekünstlerinnen ihr neues Album »Rockland«. Anders als bei den bisherigen Veröffentlichungen sind die Stilsprünge nicht so ausgeprägt. »Rockland« wirkt wie aus einem Guss und geht, wie »Katzenjammer« selbst sagen, zu ihren musikalischen Wurzeln zurück, ohne allerdings die klangliche Vielfalt außer Acht zu lassen. Erstmals haben die Bandmitglieder fast alle Songs selbst geschrieben.

Der Titelsong »Rockland« ist von Allen Ginsbergs legendärem Gedicht »Howl« beeinflusst und beschäftigt sich mit Leuten, »die nicht alle Tassen im Schrank haben«, wie Marianne Sveen in der Anmoderation erklärt. Es geht um eine psychiatrische Klinik, in der sich Patienten ihre eigene kleine Welt innerhalb des Universums erschaffen. In »Lady Grey« wird die Begegnung mit einer an Alzheimer erkrankten Frau erzählt, für die Musik ein Mittel des Vergessens und Erinnerns darstellt: »Take me away back to the days when you were crazy for living« heißt es da.

Nashville-Einflüsse

Musikalisch bieten die vier energiegeladenen Powerladys eine breitgefächerte Mischung aus Country, Folk, Blues, Swing, Pop und Rock. Im vergangenen Jahr ist jedes Bandmitglied auf der Suche nach Ideen für neue Songs um die Welt gereist. Anne Marit Bergmann und Marianne Sveen verschlug es nach Nashville, was man den neuen Stücken deutlich anhört. Der kommerzielle Erfolg ist nicht unbedingt eingeplant: »Wir haben uns immer von unseren Gefühlen und unserem Herz leiten lassen«, sagt Solveig Heilo, die das ursprüngliche Trio zum Quartett erweiterte.

Natürlich dürfen auch der bekannteste Hit »Rock-Paper-Scissors« und das mitreißende »A Bar in Amsterdam« mit Solveig Heilos Trompeteneinlage nicht fehlen. Bei »Hey ho on the Devils Back« zeigt Marianne Sveen ausdrucksstark und umfangreich, was sie stimmlich drauf hat – sie braucht den Vergleich mit der frühen Janis Joplin nicht zu scheuen.

Mit einem musikalischen, temporeichen Feuerwerk und dem rockigen »Aint no Thang« verabschieden sich »Katzenjammer« nach einem zweistündigen Konzert von ihrem höchst zufriedenem Publikum.

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