OWL verzeichnet NRW-weit größten Zuwachs – auch Zahl der Einrichtungen steigt Rekordbeschäftigung in der Altenpflege

Bielefeld (WB). Noch nie haben so viele Menschen in OWL in der Pflege gearbeitet: Ende 2013 waren es 28.250 Beschäftigte in Altenheimen und bei Pflegediensten. Im Bereich der stationären Pflege stehen allerdings große Veränderungen bevor. Das Land setzt auf neue Konzepte.

Von Bernd Bexte
Die Zahl der Pflegemitarbeiter ist in OWL im landesweiten Vergleich überdurchschnittlich gestiegen.
Die Zahl der Pflegemitarbeiter ist in OWL im landesweiten Vergleich überdurchschnittlich gestiegen. Foto: dpa

In keiner anderen Region NRWs ist der Beschäftigungszuwachs in der Branche so groß wie in OWL. Von Ende 2011 bis Ende 2013 stieg die Zahl der Pflegemitarbeiter in OWL um 2200 (plus 8,4 Prozent). Damit liegt OWL deutlich über dem NRW-weiten Zuwachs von 5,4 Prozent. Laut der jüngsten Zahlen des Statistischen Landesamtes arbeiten mehr als 9500 Menschen (plus 14,3 Prozent) in OWL bei ambulanten Pflegediensten, gut 18 600 (plus 5,6 Prozent) in Pflegeheimen. Gut 58 Prozent der Beschäftigten in der Region arbeiten in Teilzeit. Mittlerweile gibt es OWL-weit 271 Pflegedienste, acht mehr als zwei Jahre zuvor. Die Zahl der stationären Einrichtungen stieg um 23 auf 321.

»In diesem Bereich wird sich aber viel verändern«, sagt Hans-Werner Hüwel, Bereichsleiter für Pflege und Gesundheit beim Caritasverband Paderborn, mit sieben Sozialstationen größter Anbieter ambulanter Pflege im Kreis Paderborn. Denn entsprechend dem im Oktober verabschiedeten neuen Pflegegesetz setzt NRW verstärkt auf alternative Wohnformen für Pflegebedürftige, vor allem ambulante Betreuung in den eigenen vier Wänden: in Alten-WGs oder Pflegewohnungen. Der Caritasverband Paderborn unterhält bereits drei Pflege-Wohngemeinschaften. Drei weitere werden folgen.

Kurzzeitpflegeangebote gehen verloren

Zudem sollen laut dem Gesetz von Mitte 2018 an Heime einen verbindlichen Einzelzimmeranteil von 80 Prozent anbieten. »Die Umsetzung wird für viele Einrichtungen problematisch«, prophezeit Hüwel, dessen Arbeitgeber zwei Heime unterhält – beide bereits ausschließlich mit Einzelzimmern. Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) kritisiert, dass durch den Abbau von Doppelzimmern tausende Heimplätze verschwänden. Dadurch gingen zudem wichtige Kurzzeitpflegeangebote verloren, die gerade Angehörige entlasteten.

Auch für das Bielefelder Johanneswerk, mit 34 stationären Einrichtungen und zahlreichen ambulanten Angeboten einer der führenden Träger, ist das neue NRW-Pflegegesetz eine finanzielle Herausforderung. »Wenn der Umbau hin zu mehr ambulanter Betreuung nicht gelingt, müssen in einigen Jahren für viel Geld wieder Heimplätze geschaffen werden«, gibt Dr. Bodo de Vries, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, zu Bedenken. Grundsätzlich hält er ein Umsteuern in der Altenpflege aber für richtig. »Denn Altenheime, wie wir sie heute kennen, sind in zehn Jahren nicht mehr finanzierbar. Zudem fehlt das Personal.«

Internetportal informiert über Pflegeberufe

In NRW sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums 550.000 Menschen pflegebedürftig. Mehr als 70 Prozent werden zu Hause gepflegt, von Angehörigen oder Pflegediensten. Gleichzeitig fehlen landesweit etwa 1600 Altenpfleger. Ein neues Internetportal soll deshalb helfen, junge Menschen für einen Pflegeberuf zu begeistern. Dort finden Interessierte Infos zu möglichen Ausbildungen.

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