Prozess um Tötung einer 29-jährigen Frau am Dompfaffweg Staatsanwalt fordert lange Haft und Sicherungsverwahrung

Bielefeld (WB). Nach der Tötung von zwei Frauen innerhalb von nur 16 Jahren soll ein staatenloser Libanese in Deutschland nicht mehr auf freien Fuß kommen. Staatsanwalt Christian Molls hat gegen den 39-jährigen Fadi A. 14 Jahre Haft wegen Totschlags und die Sicherungsverwahrung beantragt.

Von Uwe Koch

Der Staatsanwalt plädierte in nichtöffentlicher Sitzung, eine Entscheidung die von Zuhörern zunächst verärgert aufgenommen wurde (siehe Kasten). Dabei skizzierte Molls minutiös, lückenlos und eindringlich den Lebensweg des staatenlosen Libanesen, seit er vor 20 Jahren nach Deutschland gekommen war. Molls zeigte indes auch an einer Kette von Mobilfunkgesprächen und dem Besuch von Internetseiten die Tage vor und nach der Tötung der 29-jährigen Raja S. am 12. Mai 2014 auf.

Nicht-öffentliche Sitzung

Aus ganz Deutschland waren die Angehörigen der 1998 getöteten Saskia Mohs auch am Mittwoch nach Bielefeld gereist. Sie wollten hören, ob und wie Fadi A. für die neuerliche (mutmaßliche) Tötung einer Frau büßen soll. Umso verärgerter reagierten die Zuhörer, als die Fortsetzung des Prozesses in nicht-öffentlicher Sitzung erörtert und beschlossen wurde.
Nach dem Gerichtsverfassungsgesetz (GVG) ist die Öffentlichkeit auch während der Schlussanträge (Plädoyers) auszuschließen, sofern zuvor die Beweisaufnahme ganz oder zum Teil nicht öffentlich war. Dies gelte besonders, wenn es (wie in diesem Fall) um die Aussage eines minderjährigen Zeugen gehe. Allerdings ließen die Richter Medienvertreter zu der Verhandlung in nicht-öffentlicher Sitzung zu. Die Angehörigen von Saskia Mohs waren nachträglich mit der Ausschluss-Entscheidung sehr einverstanden, zumal sie die geforderte Strafe gegen den 39-jährigen Libanesen begrüßten.

Die Leiche der Mutter eines elfjährigen Sohnes war erst am darauffolgenden Sonntag, 18. Mai, nach einer Vermisstenanzeige in der Wohnung am Dompfaffweg gefunden worden. Die Frau war erwürgt worden, der Leichnam war mit einer Decke bedeckt. Ihr Mobilfunktelefon fehlte.

Ebenso war im August 1998 in Berlin die Leiche der 20-jährigen Saskia Mohs gefunden worden. Als Täter wurde danach Fadi A. ermittelt. A. bestritt zunächst, wurde dann vom Landgericht Berlin wegen Totschlags zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Später bekannte sich der Libanese zu der Tat, schon 2006 wurde er zur Abschiebung in sein Heimatland ausgeschrieben. Nach seiner Haftentlassung konnte der Totschläger indes untertauchen, weil die Ausländerbehörde in Cottbus (seine Meldeanschrift) den Fall verschlampte.

Auch wusste die Polizei in Bielefeld nichts von seiner Vorstrafe, als sie Fadi A. im April 2014 wegen der Ausweisung suchte. Aus Cottbus hatte es dafür keinen Hinweis gegeben. Und natürlich wusste auch Raja S. nichts von diesem Tötungsdelikt in Berlin. Ihre Beziehung zu dem Automechaniker war anfangs harmonisch und liebevoll gewesen, das erklärte auch ihr Sohn vor der 2. Strafkammer des Landgerichts als Zeuge. Der Junge bezeichnete den Freund der Mutter sogar als »Papa«. Jedoch musste er auch mit ansehen, wie das Paar sich körperlich so auseinandersetzte, dass er tödliche Folgen befürchtete.

Nach Christian Molls Ansicht tötete der Libanese dann am Morgen des 12. Mai, wenige Stunden nachdem er aus Dänemark nach Bielefeld zurückgekehrt war. Die Heimreise belegten seine Mobilfunkdaten und Zeugen. Eine Nachbarin im Haus am Dompfaffweg hörte dann gegen 9 Uhr einen »Todesschrei«, als ob »ein Tier abgeschlachtet wird«.

Fadi A. habe Raja S. getötet. Der von ihm bezichtigte »Unbekannte« sei erfunden. Es gebe keinen Hinweis auf einen anderen Mann im Leben des Opfers. Sie habe von der Rückkehr des Libanesen gewusst, warum hätte sie sich an jenem Morgen mit einem anderen Mann verabreden sollen, und Fadi A. habe sich nachweislich in der Wohnung befunden.

Für einen Mord gebe es »kein Motiv« und »kein Mordmerkmal«. Molls forderte 14 Jahre Haft wegen eines Totschlags. Für die Verhängung der Sicherungsverwahrung liege die Vorstrafe und die zu erwartende Strafe als formeller Grund vor. Nach Ansicht einer Gutachterin gebe es bei dem Mann einen »Auslöser, dass Sie Frauen töten«. Er neige in Konfliktsituationen »zu tödlicher Gewalt«.

Sollte er nach einer Haftstrafe entlassen werden, sei er noch jung genug für eine neue Beziehung zu einer Frau. Fadi A. jedoch habe zwei Beziehungen durch den Tod der Partnerin beendet. Eine dritte Frau, die er geheiratet hatte, um die Abschiebung zu verhindern, hatte er mehrfach angegriffen. Der Prozess wird am 3. März mit weiteren Plädoyers fortgesetzt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.