Drei Jahre und acht Monate Haft – Sicherungsverwahrung unter Vorbehalt Gericht verurteilt Bordellschützen 

Bielefeld/Porta Westfalica (WB). Bordellschütze Daniel V. aus Bielefeld, der in Porta Westfalica einen Türsteher mit einem Schuss in den Oberschenkel schwer verletzte, muss für drei Jahre und acht Monate hinter Gitter. Dieses Urteil hat das Landgericht gestern nach einem Prozess von mehr als drei Monaten Dauer gefällt.

Von Uwe Koch
Im Februar 2014 schoss der 38-Jährige in einem Bordell in Porta Westfalica einem Türsteher in den Oberschenkel.
Im Februar 2014 schoss der 38-Jährige in einem Bordell in Porta Westfalica einem Türsteher in den Oberschenkel.

 Außerdem behielten sich die Richter die nachträgliche Sicherungsverwahrung unter Vorbehalt vor. Mit diesem ungewöhnlichen Urteil ging ein Verfahren zu Ende, das nur anfangs unter dem Vorzeichen des Rotlichtmilieus und der Nähe zur Rocker-Szene rangierte. Vielmehr, das machte die Urteilsbegründung des Kammervorsitzenden Dr. Georg Zimmermann deutlich, ging es im Kern um die persönlichen Probleme und Befindlichkeiten des 28-jährigen Angeklagten. Der Tat am 11. Februar 2014 war eine Begegnung der späteren Täter und Opfer in einer Bielefelder Gaststätte vorausgegangen. Daniel V. wurde dabei von seinem Kontrahenten teilweise ignoriert, was V. als »hochgradige Kränkung« empfand. Am folgenden Tag war Daniel V. bewaffnet zu dem Bordell in Porta Westfalica gefahren, wo der Mann als Türsteher arbeitete. Er richtete die Waffe auf das Bein und schoss ihm in den Oberschenkel. Dann richtete V. die Waffe auf den Kopf des Opfers. Er drückte jedoch nicht ab und verschwand.

 Schon während des im Oktober begonnenen Verfahrens habe stets die Verhängung der Sicherungsverwahrung im Raum gestanden, erklärte Zimmermann. Grund dafür seien aus formeller Sicht die Vorstrafen des Mannes, der einige Raubüberfälle begangen hatte. Jedoch habe es im November einen »unerwarteten Umschwung« im Prozess gegeben, als V. in der Haft »eine deutliche Psychose entwickelt« habe. Suizidgefährdet sei der Mann in einem besonders gesicherten Haftraum untergebracht worden, V. wurde dann sogar in eine psychiatrische Klinik verlegt.

 Nach dem Gutachten eines Sachverständigen habe sich bei V. eine »paranoide Schizophrenie« entwickelt. Letztlich bewerteten die Richter den Täter eben wegen dieser »Vorstufe« der Krankheit als »nicht ausschließbar eingeschränkt schuldfähig«. Aus dieser Konstellation heraus musste die 2. Strafkammer danach aber die Verhängung verschiedener Maßregeln prüfen. So habe Daniel V. seit Jahren einen Hang zu berauschenden Mitteln. Aber angesichts seiner dissozialen Persönlichkeit hätten Alkohol und Kokain, die er vor der Tat konsumiert habe, kaum Einfluss auf die Tat gehabt.

 Das Gericht verneinte auch die Unterbringung in der Psychiatrie. Letztlich sei nach dem vorläufigen Gutachten eine Psychose »nicht ausschließbar, aber auch noch nicht sicher feststellbar.

 Die Frage der Sicherungsverwahrung beschäftigte die Juristen seit Monaten, für Daniel V. wird sie noch über Jahre eine Rolle spielen. Es sei – trotz des Vorliegens der formellen Voraussetzung aufgrund massiver Vorstrafen – eben nicht klar, ob der Hang zu gefährlichen Straftaten auf einer Psychose beruhe. Zimmermann: »Damit sind wir in der seltenen Situation, dass wir einen Vorbehalt der Sicherungsverwahrung machen.«

 Für V. sei nun eine Betreuung und eine psychotherapeutische Beratung im Strafvollzug notwendig. Darauf müsse er »sich einlassen« und daran »mitwirken«. Die Anordnung des Vorbehaltes gelte bis zum Ende der Haftstrafe. Das Gericht werde später über die Anordnung der Sicherungsverwahrung entscheiden.

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