Schwurgericht verurteilt 41-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung zu sechseinhalb Jahren  Ex-Frau niedergestochen: Haftstrafe für Täter 

Bielefeld (WB/hz). Ein 41 Jahre alter Bielefelder, der seine Ex-Frau (39) mit 27 Messerstichen lebensgefährlich verletzt hat, ist vom Schwurgericht zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Tatort Oelmühlenstraße 25: Hier stach ein 41-Jähriger 27 Mal auf seine Ex-Frau ein.
Tatort Oelmühlenstraße 25: Hier stach ein 41-Jähriger 27 Mal auf seine Ex-Frau ein.

 Der Schuldspruch am Freitag gegen den Mann, der ursprünglich von Oberstaatsanwältin Ina Leinkauf wegen versuchten Mordes angeklagt worden war, lautete letztlich auf gefährliche Körperverletzung. Damit folgte das Schwurgericht Verteidigerin Ulrike von Schnakenburg. Die Rechtsanwältin hatte für ihren Mandanten, den Deutsch-Türken Garip S., einen Rücktritt vom Versuch eines Tötungsdeliktes nicht ausgeschlossen und eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung angeregt. Oberstaatsanwältin Ina Leinkauf war vom Vorwurf des versuchten Mordes abgerückt und hatte acht Jahre Haft wegen versuchten Totschlags gefordert.

 Vorsitzende Richterin Jutta Albert verwies in ihrer Urteilsbegründung auf den Rücktritt vom Versuch eines Tötungsdeliktes. Zwar habe der Angeklagte den Tod seiner Ex-Frau und Mutter der vier gemeinsamen Kinder billigend in Kauf genommen. Mordmerkmale seien jedoch nicht erkennbar. Vielmehr habe es sich um eine spontane Beziehungstat gehandelt. Täter und Opfer seien am 2. Juli 2014 um kurz vor Mitternacht zufällig auf einem Parkplatz am Haus Oelmühlenstraße 25 aufeinandergetroffen.

 Dort entwickelte sich erst ein heftiger, lautstarker Streit zwischen den ehemaligen Ehepartnern. Grund war, dass Garip S. die seit zwölf Jahren von ihm geschiedene 39-Jährige in Begleitung eines fremden Mannes sah und vor Wut und Eifersucht schäumte. Er zog die Frau aus einem Auto und verlangte Aufklärung, wer der neue Bekannte sei.

 Als die 39-Jährige eine Antwort verweigerte, griff Garip S. zu seinem Klappmesser mit einer zehn Zentimeter langen Klinge. 27 Mal stach der 41-Jährige auf die Bielefelderin ein. Die Wucht der Stiche, die unter anderem Leber, Milz und Niere trafen, war so heftig, dass eine Rippe durchtrennt wurde.

 Plötzlich ließ der Mann von der lebensgefährlich Verletzten ab. Diese glaubte, wieder einmal von ihrem Ex-Mann verprügelt worden zu sein, stand noch kurz aufrecht, bevor sie realisierte, was mit ihr passiert war. Dann legte sich die Frau, geschwächt vom massiven Blutverlust, auf den Boden. Zeugen eilten zu Hilfe und hielten den Messerstecher bis zum Eintreffen der ersten Polizisten fest. Garip S. legte noch am Tatort ein Geständnis ab.

 Seine Ex-Frau leidet bis heute unter den Folgen der Tat. Sechs Wochen lang wurde die 39-Jährige, der Ärzte bei zwei Notoperationen das Leben retteten, im Klinikum Mitte behandelt. Ihr musste unter anderem die Milz entfernt werden, die Frau verbrachte vier Wochen auf der Intensivstation. Heute ist ihr Oberkörper von Narben entstellt, die Bielefelderin plagen Albträume. Ihr linker Arm ist nach Verletzungen der Nervenbahnen taub.

 Vorsitzende Richterin Jutta Albert verwies auf die in sich widersprüchliche Beziehung von Täter und Opfer. Im Jahr 2002 geschieden, lebten Frau und Mann noch bis zum Mai 2014 in einer gemeinsamen Wohnung und traten öffentlich als Paar auf. Zudem zeugten die Bielefelder zwei Kinder.

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