Forscher aus Bielefeld und Bonn planen weltweit größtes Radioteleskop namens SKA  Astronomen wollen Atlas des Weltalls erstellen 

Bielefeld (WB). Ein internationales Team von Wissenschaftlern rund um den Bielefelder Kosmologen Professor Dr. Dominik Schwarz hat sich zusammengetan, um ein Experiment mit astronomischen Ausmaßen vorzubereiten: Sie wollen die umfassendste Kartierung des Weltalls erstellen.

Die Empfangsantennen des SKA-Teleskops sollen in der ersten Ausbauphase ab 2023 über eine Lichtsammelfläche von etwa 15 Fußballfeldern verfügen. Ihre Messungen sollen verstehen helfen, was dunkle Energie ausmacht.
Die Empfangsantennen des SKA-Teleskops sollen in der ersten Ausbauphase ab 2023 über eine Lichtsammelfläche von etwa 15 Fußballfeldern verfügen. Ihre Messungen sollen verstehen helfen, was dunkle Energie ausmacht.

Gestern veröffentlichte Dominik Schwarz von der Universität Bielefeld gemeinsam mit seinen internationalen Kollegen eine Sammlung wissenschaftlicher Artikel, in denen sie ihre Pläne für die Mammutaufgabe vorstellen.

Demnach werden die Forscher ein sogenanntes SKA-Radioteleskop entwickeln, das sich aus Tausenden von Parabolantennen und Empfängern zusammensetzt, die Radiosignale empfangen können. SKA steht für »Square Kilometre Array« (SKA), zu deutsch etwa Quadratkilometerfeld. Die erste Projektphase soll 2023 abgeschlossen sein. Das SKA soll dann bereits über eine Lichtsammelfläche verfügen, die 15 Fußballfeldern entspricht. »Es produziert täglich mehr als doppelt so viele Daten als an einem Tag im gesamten Internet ausgetauscht werden«, sagt Professor Schwarz von der Bielefelder Fakultät für Physik.

Entstehung des Weltalls verstehen

Der Kosmologe untersucht die Entstehung und Entwicklung des Universums. Er ist seit 2013 Mitglied der SKA Science Working Group, die die wissenschaftlichen Experimente vorbereitet, die mit SKA durchgeführt werden sollen. »Mein Team und ich beteiligen uns an dem Vorhaben, weil es uns erlauben wird, alle Epochen der kosmologischen Entwicklung zu untersuchen«, sagt Schwarz.»Eine umfassende Karte des Weltalls bringt uns in unserer Forschung entscheidend voran. Wenn wir wissen, wie das Universum aufgebaut ist, können wir leichter berechnen, wie sich das frühe Universum kurz nach dem Urknall verhalten hat, als es noch keine Sekunde alt war.«

 Im Gegensatz zu Teleskopen, die sichtbares Licht beobachten, setzen die Wissenschaftler im SKA-Projekt auf die Beobachtung von Wasserstoff-Gas. Denn Wasserstoff ist das am meisten verbreitete Element im Weltall. Es strahlt Radiowellen aus, die sich mit dem Teleskop messen lassen. »Weil Wasserstoff überall im Universum vorkommt, ist es perfekt, um zu erfassen, wie die Materie im Weltraum verteilt ist«, erklärt Schwarz.

Kosmisches Rätsel

Ein kosmisches Rätsel, das mit dem Riesenteleskop gelöst werden soll, ist die Frage nach den Eigenschaften von Dunkler Energie. Die normale Materie ist nach Ansicht von Astrophysikern im Universum kaum vorhanden. Dunkle Materie füllt hingegen schätzungsweise ein Viertel des Weltraums – und die Dunkle Energie füllt gar drei Viertel. »Bei der Dunklen Energie handelt es sich um eine hypothetische Form von Energie, die die Gravitation hemmt«, sagt Dr. Hans-Rainer Klöckner vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Auch er arbeitet im SKA-Projekt mit. »Mit dem neuen Teleskop sollen dreidimensionale Karten erstellt werden, die die Verteilung der Galaxien zeigen«, berichtet Klöckner. Aus diesen Karten könnte sich ableiten lassen, wie die dunkle Energie funktioniert und woher sie kommt. »Hinzu kommt, dass sich mit den dreidimensionalen Karten auch testen lässt, wie zutreffend die allgemeine Relativitätstheorie von Albert Einstein ist«, sagt Professor Roy Maartens von der University of the Western Cape in Kapstadt, Südafrika.

 Obwohl zahlreiche Forscher aus Europa an dem Projekt beteiligt sind, wird das Teleskop in Südafrika und Australien gebaut. »Dort haben wir die beste Sicht auf das galaktische Zentrum«, sagt Dominik Schwarz. »Außerdem tritt dort kaum Elektrosmog auf, der die Messungen stören würde.«

 Mit Radioteleskopen machen sich Forscher zunutze, dass Galaxien, Sterne und Planeten Radiowellen aussenden. Diese lassen sich mit Antennen empfangen, um mit den Daten die Verteilung der Objekte in den jeweiligen Regionen des Weltalls zu berechnen.

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