Bürgerinitiative will die Weichen für den Bielefelder Nahverkehr neu stellen »Linie 4 bis Brackwede-Bahnhof«

Bielefeld (WB). Die Bürgerinitiative Pro-Bus-Heepen fordert die Verkehrsbetriebe Mobiel auf, neu zu denken, um das Stadtbahnnetz in Bielefeld attraktiver zu machen.

Von Burgit Hörttrich
Stefan Matulla (von links), Sabine Jäger, Markus Lindner und Günter Hölling stellen ihre Vorschläge für das Stadtbahnnetz vor. Ihre Idee: Die Linie 4 nicht im Tor 6 enden zu lassen, sondern bis zum Brackweder Bahnhof auf der Trasse der Linie 1 zu führen.
Stefan Matulla (von links), Sabine Jäger, Markus Lindner und Günter Hölling stellen ihre Vorschläge für das Stadtbahnnetz vor. Ihre Idee: Die Linie 4 nicht im Tor 6 enden zu lassen, sondern bis zum Brackweder Bahnhof auf der Trasse der Linie 1 zu führen. Foto: Hans-Werner Büscher

Der Vorschlag der Initiative: die Stadtbahnlinie 4 nicht wie geplant zum Viertel Dürkopp Tor 6 führen, sondern sie auf der Trasse der Linie 1 bis Brackwede-Bahnhof weiterzuführen. Und in der Brackweder Hauptstraße sollen barrierefreie Zustiege in die Stadtbahnlinie 1 mit Hilfe von Kurzbahnsteigen geschaffen werden, durch die die beiden Straßenseiten nicht wie durch einen konventionellen Hochbahnsteig voneinander getrennt würden.

Kommentar

Der Schock nach der Bürgerabstimmung, die mit einem Nein zur Linie 5 endete, dürfte bei Stadt und Mobiel abgeklungen, die Tränen getrocknet sein. Es gilt, in die Zukunft zu blicken, neu zu denken, offen zu sein für Ideen, die den Nahverkehr weiter nach vorne bringen könnten. Wer sich jahrelang auf eine Linie 5 in Niederflurtechnik zwischen Heepen und Sennestadt versteift, verliert leicht andere potenzielle Lösungen aus dem Blick. Deshalb sollten die Fachleute bei Mobiel und beim Amt für Verkehr die Ideen von Pro Bus-Heepen nicht einfach so abtun, sondern auf Herz und Nieren prüfen – und dann die Weichen richtig stellen. So schnell wie möglich.

Burgit Hörttrich

Von Brackwede direkt zur Universität

»Wir wollen die Weichen für den Bielefelder Nahverkehr richtig stellen«, sagt Stefan Matulla als Sprecher der Initiative, die vor der Bürgerbefragung im Mai 2014 stets gegen den Bau einer neuen Stadtbahnlinie 5 Heepen-Sennestadt in Niederflurtechnik gekämpft hat. Man habe ein Konzept entwickelt, dass auf dem damals erstellten Bürgergutachten zum Nahverkehr basiere, ergänzt Markus Lindner.
Das sind die Vorschläge: Während die Verkehrsbetriebe Mobiel die Trasse der Linie 4 durch die Nikolaus-Dürkopp-Straße ins Viertel Tor 6 führen und dort enden lassen wollen – der Ausbau der Dürkopp-Straße und der der Kreuzung mit der August-Bebel-Straße soll bereits in diesem Jahr beginnen – schlägt die Bürgerinitiative vor, die Linie 4 weiter über den Niederwall, die Kreuzstraße, den Adenauerplatz und die Artur-Ladebeck-Straße bis zum Brackwede Bahnhof fahren zu lassen. Markus Lindner: »Alternierend mit der Linie 1 wäre dann ein 5-Minuten-Takt möglich – mit durchweg barrierefreien Haltestellen.« Der Umstieg zwischen den Linien müsste nicht wie jetzt in der Innenstadt (Rathaus, Jahnplatz, Hauptbahnhof) passieren, sondern dazu könnte jede andere Haltestelle entlang der Strecke genutzt werden. Zudem sei dann die Universität von Brackwede aus direkt mit der 4 zu erreichen. In einem nächsten Schritt könne man darüber nachdenken, die Linie 1 bis Sennestadt zu verlängern und/oder die Linie 4 zumindest zu den Verkehrsspitzenzeiten bis zum Schulzentrum Rosenhöhe fahren zu lassen.

Besser in die Barrierefreiheit investieren

Die 4 bis Brackwede-Bahnhof – er soll saniert werden, ist Ziel für alle, die mit einem Fernbus unterwegs sein wollen – könne »ohne großen Aufwand« realisiert werden. Nötig seien am Ende nur ein Stumpfgleis oder – noch besser – ein Wendekreis. Die 2,4 Millionen Euro, die Mobiel jetzt in die Mikroverlängerung ins Tor 6 investieren wolle, könne man »sinnvoller zum Beispiel in die Barrierefreiheit des Nahverkehrs« investieren. Die muss nach Vorgabe des Gesetzgebers bis 2022 erreicht sein.

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Jetzt liegt der Ball bei Mobiel. Wir hoffen auf Gespräche.

Stefan Matulla

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An einem Kurzbahnsteig konnten die Fahrgäste des jeweils ersten Wagens der Stadtbahn barrierefrei aussteigen, zudem Busse halten.

Das gelte eben auch für die Stadtbahnhaltestellen an der Brackweder Hauptstraße (Gaswerkstraße, Normannenstraße, Kirche). Weil die Geschäftsleute rechts und links der Hauptstraße Hochbahnsteige als Trennung empfinden und deshalb ablehnen würden, schlage die Bürgerinitiative, so Markus Lindner, die Errichtung von Kurzbahnsteigen vor. Das heißt: Der erste Wagen der Stadtbahn kann absolut barrierefrei erreicht werden, der zweite Wagen würde an einem abgesenkten Bahnsteigabschnitt halten, der die Einstiegshöhe eines Linienbusses habe. Sabine Jäger: »34 Zentimeter, das wäre kein ›Klettereinstieg‹ mehr.« Solche Kurzbahnsteige (75 Meter) hätten sich bereits in Städten wie Darmstadt und Erfurt bewährt. Vorteil: Busse könnten dieselben Haltestelle bedienen. Der Straßenraum könne bleiben wie er ist, es sei kein zusätzlicher Flächenbedarf erforderlich. Stefan Matulla: »Jetzt liegt der Ball bei Mobiel. Wir hoffen auf Gespräche.«

Kommentare

Die Idee, Kurzbahnsteige für einen barrierefreien Ausbau einzurichten, ist eindeutig der richtige Weg. Die Vorstellungen von moBiel - Hochbahnsteige müssen eine Länge von rund 100m haben - dagegen Unsinn. Ein optimal ausgebautes Stadtbahnnetz für Bielefeld kann allerdings völlig anders aussehen: Ausbau im näheren Stadtgebiet und daran anschließend in das nicht an das Bahnnetz angeschlossene Umland. Konkret heißt das - eine Ringlinie im Stadtgebiet ab HBF - Jöllenbecker Str. - Dürerstraße - Uni - Siegfriedplatz - HBf. Weiterführung von dort bis Sieker. Anbindung dieser Linie an eine Umlandlinie nach Jöllenbeck mit Busanschlüssen Enger/ Bünde/ Spenge. Sennestadt ist für eine Stadtbahn zu weit vom Stadtgebiet entfernt und auch durch eine Bahnlinie erreichbar. Außerdem Busverbindung von dort direkt nach Stieghorst - Heepen. Für die Linie 1 reichen als Verstärkung größere Fahrzeuge (moBiel plant für alles breite Vamos, das geht in Brackwede allerdings nicht). Ein genereller 5-Minutentakt ist für Linie 1 ein Überangebot.

Richtig denken wäre angebracht

Also was ich da in dem Zeitungsartikel lese ist doch völliger Blödsinn. .
Wieso soll man eine Linie 4 über die Gleise der Linie 1 führen? Welchen Zukünftigen Vorteil hätte man dadurch?
Die Linie 1 fährt im 10min Takt von Senne bis Schildesche Brackwede ist somit an das Zentrum sehr gut angebunden auch über den Brackwede Bahnhof kann man in den Zug steigen und bis zum Bahnhof fahren. Darüber hinaus befürchte ich das eine Mehrbelastung durch eine weitere Linie auf dem Gleisbett kosten verursacht die nicht bedacht wurden. So stellst sich die frage ob dann nicht in die Straßenverkehrsführung in Schranken oder in leitplanken investiert werden muss damit Unfälle mit der Straßenbahn die jetzt schon öfter vorkommen auf der Strecke vermieden werden.

Bielefeld braucht für die Zukunft Erweiterungen der Linie 2 in milse nach altenhagen (Gott sei dank schon dabei) in die Linie 3
Von babenhausen nach jollenbeck und
von stieghorst nach ubbedissen
Das sollten primär die vorrangigsten Ziele und zukunftsweisende Aspekte sein denn diese Stadtteile sind an das Verkehrsnetz nur eingeschränkt angebunden

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