Prozess um tote Mutter Angeklagter massiv belastet

Bielefeld (hz). Im Totschlagsprozess gegen den sogenannten Würger vom Dompfaffweg ist nach sieben Verhandlungstagen der für gestern erwartete Schuldspruch ausgeblieben.

Am Landgericht in Bielefeld wird der Fall behandelt
Am Landgericht in Bielefeld wird der Fall behandelt Foto: Thomas F. Starke

Stattdessen geht die Verhandlung um den Tod der 29 Jahre alten Mutter Raja S. mit weiteren Zeugenvernehmungen vor dem Landgericht in die Verlängerung. Das Urteil der 2. Großen Strafkammer gegen den angeklagten Palästinenser Fadi H. (39) wird nun für Februar erwartet.

Am Donnerstag belastete ein Mithäftling (49) vor Gericht den mutmaßlichen Kapitalverbrecher. In der Justizvollzugsanstalt Brackwede soll Fadi H. dem Mann gestanden haben, er habe seine Lebensgefährtin Raja S. am 18. Mai vergangenen Jahres in ihrer Wohnung am Dompfaffweg »abgestochen« und »ein richtiges Blutbad angerichtet«.

Der Palästinenser habe sich von der 29-Jährigen ausgenutzt gefühlt, sagte der Häftling. Der Angeklagte soll sein ganzes Geld in die Beziehung investiert haben. Er soll die Deutsch-Marokkanerin und ihren zur Tatzeit elfjährigen Sohn aus einem Bielefelder Frauenhaus geholt, Raja S. eine Wohnung eingerichtet und ihr ein Auto gekauft haben. Auch soll Fadi H. dem Bruder seiner Lebensgefährtin für 17 000 Euro ein Restaurant in Spanien eingerichtet haben.

Das dafür notwendige Geld soll sich der Angeklagte als Drogen- und Waffenkurier verdient haben. Zudem soll der 39-Jährige zwei Tage vor Beginn des Totschlagsprozesses in seiner Zelle in Tränen ausgebrochen sein und soll beteuert haben, dass er den Tod der Frau nicht gewollt habe.

Für die Strafkammer ist der Häftling, der gestern derart massiv gegen Fadi H. aussagte, kein Unbekannter. Der 40-Jährige war in zwei weiteren Prozessen um Kapitalverbrechen bereits Zeuge in Bielefeld. Der Mann belastete den Mörder des kleinen Dano aus Herford, der auch die achtjährige Jenisa aus Hannover getötet haben soll. Zudem trat der Häftling gegen den Hauptangeklagten im noch laufenden Verfahren um das Schicksal des verschwundenen Physiotherapeuten aus Hüllhorst auf. Ob das Gericht im Fall Fadi H. diesem Zeugen Glauben schenkt, ist ungewiss. Entgegen den Angaben des Häftlings wurde die Mutter der Anklage der Staatsanwaltschaft zufolge nicht erstochen, sondern erwürgt.

Außerdem vernahmen die Richter der 2. Großen Strafkammer gestern einen weiteren Mithäftling (35) des mutmaßlichen Würgers vom Dompfaffweg. Der 35-Jährige gab lediglich an, er sei von Fadi H. bedroht worden, sollte er gegen den Palästinenser aussagen. Mehr wollte dieser Zeuge nicht sagen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.