Angriff von der Oelmühlenstraße: Anklage sieht versuchten Totschlag Acht Jahre Haft gefordert

Bielefeld (WB/uko). Acht Jahre Haft wegen eines versuchten Totschlags soll ein 41-jähriger Bielefelder absitzen. Diese Strafe hat Oberstaatsanwältin Ina Leinkauf am Dienstag vor dem Schwurgericht gefordert.

Der Mann hatte in der Nacht zum 2. Juli 2014 seine 39-jährige Ex-Ehefrau auf dem Parkplatz eines türkischen Supermarktes an der Oelmühlenstraße gesehen. Er nahm an, sie habe sich dort mit ihrem neuen Lebensgefährten getroffen. Als der Mann sich entfernte, stach Garip S. insgesamt 27 Mal auf die Frau ein. Die 39-Jährige wurde nur durch mehrere Notoperationen im nahe gelegenen Krankenhaus Klinikum Mitte gerettet.

Der Angeklagte hatte sich erst nach der Zeugenaussage des Opfers überhaupt zu der Tat geäußert, die Leinkauf ursprünglich als versuchten Mord angeklagt hatte. Er gestand im Prozess, er könne sich nur an »drei bis vier Stiche« erinnern, dann sei alles dunkel um ihn herum geworden.

Die Frau hatte zuvor erklärt, die 1994 von Verwandten »arrangierte« Ehe sei während der nur achtjährigen Dauer von Prügel-Angriffen gegen sie gekennzeichnet gewesen. Sie habe ständig Schläge von ihrem Mann bekommen. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor, die bei der Mutter leben.

Die Staatsanwaltschaft schloss aus der Tat »übersteigertes Besitzdenken« des Täters. In ihrem Plädoyer hielt Ina Leinkauf indessen nicht mehr an einem Mordmerkmal fest. Daher solle Garip S. wegen eines versuchten Totschlags zu acht Jahren Haft verurteilt werden. – Verteidigerin Ulrike von Schnakenburg schloss hingegen auch einen so genannten »Rücktritt vom Versuch« nicht aus. Daher komme auch eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung in Betracht. Die 10. Strafkammer will das Urteil in diesem Fall in der kommenden Woche verkünden.

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