Team Giant-Alpecin wirbt mit finanzieller Unterstützung aus Bielefeld für einen Neuanfang im deutschen Profiradsport Auf großer Tour

Berlin (WB). Natürlich hatten alle die Haare schön. Das war beim neuen Co-Sponsor auch nicht anders zu erwarten. Team Giant-Alpecin – unter diesem Namen und zum großen Teil finanziert vom Shampoohersteller aus Bielefeld hat gestern in Berlin eine neue Zeitrechnung im deutschen Profiradsport begonnen.

Von Von Hans Peter Tipp
Teamsponsor Eduard R. Dörrenberg neben Generalmanager Iwan Spekenbrink (rechts) präsentieren in Berlin die Radsportteams Giant-Alpecin und Liv-Plantur.
Teamsponsor Eduard R. Dörrenberg neben Generalmanager Iwan Spekenbrink (rechts) präsentieren in Berlin die Radsportteams Giant-Alpecin und Liv-Plantur. Foto: dpa

»Das war ein krasser Start ins neue Jahr. Ich fühle eine Aufbruchstimmung«, sagte Sprintstar Marcel Kittel aus Erfurt. Für Klassikerspezialist John Degenkolb, hatte das Jahr aus ganz persönlicher Sicht mit mehreren erfreulichen Ereignissen begonnen. Am 2. Januar war er Vater seines ersten Sohnes Leo-Robert geworden, gestern feierte er seinen 26. Geburtstag. Die beiden Deutschen sind die Galionsfiguren des neuen Teams.

Andrang wie früher

Auf jeden Fall herrschte gestern bei der Präsentation des Eliterennstalls im Kinosaal der französischen Botschaft in Berlin ein Trubel und ein Andrang wie früher. Vor fast 300 Journalisten und Gästen, wesentlich mehr als erwartet, darunter Brian Cookson (Chef des Weltverbandes UCI), Christian Prudhomme (Chef der Tour de France) und Heiko Maas (Bundesjustizminister), präsentierte sich die deutsch-niederländische Fahrgemeinschaft nahe dem Brandenburger Tor erstmals der Öffentlichkeit. »Ich begrüße ein internationales Team mit deutschem Herz«, betonte Botschafter Philippe Etienne bei der Begrüßung.

Die immer wieder von Beifall unterbrochene Präsentation des Teams, das bislang unter der Bezeichnung Giant-Shimano für die Niederlande in die Pedalen trat, bezeichnete der frühere ARD-Tagesschausprecher Marc Bator als einer von zwei Moderatoren durchaus treffend als »Bühnenshow«. Auf der großen Leinwand waren Videos zu sehen, und auf der mit rotem Teppich ausgelegten Bühne gab es Interviewhäppchen, viele gute Wünsche und frohe Botschaften.

John Degenkolb fährt für das deutsche Team.

Das Thema Doping – Kontrolleure waren am Abend zuvor unangemeldet im Teamhotel erschienen – wurde offensiv angegangen und eine bessere Zukunft beschworen. Generalmanager Iwan Spekenbrink sprach vom »größten und effektivsten Anti-Doping-Programm« und versprach »saubere und transparente Leistungen«. Zudem kündigte er weitere Siege an: »Wir wollen uns in allen Bereichen weiter verbessern und John Degenkolb den Gewinn eines Monuments ermöglichen.«

Vier Jahre ohne deutsche Beteiligung

Gut vier Jahre nach dem Rückzug des Teams Milram, mit dem nach der Ära Telekom, T-Mobile, Coast und Gerolsteiner 2010 die erste deutsche Radsportwelle abebbte, gibt es auf höchster Ebene – in der World-Tour – wieder einen Rennstall mit deutscher Lizenz. Internationalität bleibt aber weiter wichtig beim Team mit 27 Fahrern aus neun Ländern.

Auch Eduard R. Dörrenberg, Geschäftsführender Gesellschafter der Bielefelder Dr. Wolff Gruppe, die die Marke Alpecin großgemacht hat, hat bei dem für mindestens vier Jahre abgeschlossenen Engagement, das geschätzte 16 Millionen Euro kostet, längst nicht mehr allein Deutschland oder Europa im Blick. »Es ist die richtige Zeit, den Radsport zu globalisieren«, sagte er gestern.

Und wieviel Bielefeld steckt in dem neuen Team, derweil der Städtename gestern nicht häufiger als in jedem durchschnittlichen Wilsberg-Krimi genannt wurde? »Jede Menge«, glaubte Dörrenberg: »Vor allem viel Leidenschaft, Geschichte und – Alpecin.«

Das markante Logo der Marke – weiße Schrift auf leuchtend rotem Hintergrund – war in der Tat sehr häufig zu sehen. Und auf dem neuen, schwarzen Teamoutfit, das gestern enthüllt wurde, radelt der Schriftzug künftig gleich achtfach um die Welt – vier Mal auf dem Trikot, zwei Mal auf der Hose und sogar zwei Mal auf den Socken. Auch die Idee des Veranstaltungsortes stammte aus dem Unternehmen. »Ich bin immer auf der Suche nach einer besonderen Location«, sagte Dörrenberg: »Wir wollten nah ans Brandenburger Tor. Aber Fotos dort sind nicht genehmigt worden. Da bin ich auf die französische Botschaft gekommen, weil das Land eine besondere Beziehung zum Radsport besitzt und die Tour das größte aller Rennen ist.«

Auf Anhieb öffneten sich den Bielefeldern aber nicht die Türen. Doch nachdem Tourchef Prudhomme eingeschaltet worden war, ging alles fix. Das Team Giant-Alpecin durfte kommen.

Der Kader: 27 Fahrer aus neun Ländern

Mit dabei sind Nikias Arndt, John Degenkolb, Johannes Fröhlinger, Simon Geschke, Marcel Kittel (alle Deutschland), Roy Curvers, Koen de Kort, Tom Dumoulin, Daan Olivier, Ramon Sinkeldam, Tom Stamsnijder, Albert Timmer, Lars van der Haar, Tom Veelers (alle Niederlande), Lawson Craddock, Caleb Fairly, Chad Haga, Carter Jones (alle USA), Bert De Backer, Zico Waeytens (beide Belgien), Thierry Hupond, Warren Barguil (beide Frankreich), Fredrik Ludvigsson, Tobias Ludvigsson (beide Schweden), Ji Cheng (China), Luka Mezgec (Slowenien), Georg Preidler (Österreich)

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