Universität erstattet Anzeige – Doktorandinnen betroffen – Polizei bittet um Hinweise auf die Täter Finken der Verhaltensforscher gestohlen

Bielefeld (WB). Auf bislang mysteriöse Weise sind den Verhaltensforschern der Universität zum wiederholten Mal Zebrafinken abhanden gekommen. Prof. Dr. Oliver Krüger hat bei der Polizei Anzeige erstattet.

Von Sabine Schulze
Seit Jahren dienen die Zebrafinken den Uni-Biologen als Forschungsobjekte. An ihnen wurde zum Beispiel bereits der Geruchssinn von Vögeln untersucht. Gehalten werden sie in großen Volieren.
Seit Jahren dienen die Zebrafinken den Uni-Biologen als Forschungsobjekte. An ihnen wurde zum Beispiel bereits der Geruchssinn von Vögeln untersucht. Gehalten werden sie in großen Volieren.

 Die unbekannten Diebe müssen sich zwischen Samstag, 13. Dezember, 18 Uhr, und Sonntag, 15 Uhr, Zutritt in das Gebäude oberhalb der Universität verschafft haben. Zuvor waren bereits in der Nacht vom 19. auf den 20. November kleine Finken gestohlen worden.

 Zebrafinken sind beliebte Forschungsobjekte, an der Universität Bielefeld werden seit Jahren vielfältige Studien mit ihnen durchgeführt. Gehalten werden die Tiere in großen, separaten Volieren, die auch einen Innenbereich haben mit einer »Hütte« als Zuflucht, mit Wasser, Futter und einer Wärmelampe. Schließlich ist diese Finkenart eigentlich in Australien heimisch, die Vögel mögen kühle Temperaturen nicht.

 Wie die Zebrafinken »entfleucht« sind, ist noch unklar. Die Zaunelemente der Voliere sind unbeschädigt, ein Raubtier kommt also nicht in Frage, und auch die Diebe sind nicht auf diesem Weg gekommen. Schlüssel zu den Zugangstüren haben Wissenschaftler und Tierpfleger. Darüber hinaus, schreibt die Polizei, sei der Kreis derer, die einen Schlüssel haben, nicht einzugrenzen. Aufbruchspuren waren nicht zu finden.

 Zehn Tiere vermisst allein Doktorandin Yvonne Würz, die von Krüger betreut wird. Dass ihre Zebrafinken tatsächlich durch eine Luke, die vielleicht versehentlich offenblieb, in die freie Wildbahn gelangt sein könnten, schließt Yvonne Würz aus: »Dafür waren es auch zu viele.«

 Zudem, sagt die Doktorandin, ist sie nicht alleine betroffen. Eine zweite Biologin hat ebenfalls zehn Vögel eingebüßt, einige sind auch gestorben: Wer sich Zugang zu den Volieren verschafft habe, habe die Klappe zum Innenbereich geschlossen und es den Vögeln so unmöglich gemacht, sich in die Wärme der Lampen zurückzuziehen. »Die Tiere sind eingegangen.«

 Weil sie mit ihrer Dissertation schon recht weit ist und sie vor allem Tiere aus drei von ihr selbst gezüchteten Generationen zur Verfügung hatte, ist die Doktorarbeit von Yvonne Würz nicht mehr gefährdet. »Ich habe aber noch nicht überprüft, welche Tiere fehlen. Es könnten Vögel vorangegangener Generationen sein, die dann den nächsten Doktoranden fehlen«, sagt sie. In ihrer Arbeit befasst sie sich mit der Frage, ob und warum Zebrafinken eine eigene Persönlichkeit entwickeln, ob es zum Beispiel aggressivere und ängstlichere Tiere gibt und wie sie reagieren, wenn sie in eine fremde Umgebung gesetzt werden. Ebenso untersuchen die Evolutionsbiologen am Beispiel der Finken den Geruchssinn, die Entstehung und die Funktion von Körper- und Verwandtengeruch (zum Beispiel für Partnerwahl und Fortpflanzung). Die Ergebnisse könnten auch auf andere Wirbeltiere und den Menschen übertragbar sein.

 Den finanziellen Schaden durch den Diebstahl schätzt Krüger auf 200 Euro. Schwerer wiegt die Behinderung der wissenschaftlichen Arbeit. Einen Hinweis auf militante Tierschützer, sagt Polizeisprecher Michael Kötter, gebe es derzeit nicht. Die Polizei, Telefon 0521/5450, bittet um Hinweise auf die Täter.

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