Wie in nur vier Tagen ein ganzes »Flic Flac«-Programm entsteht Benzin und Wagemut

Bielefeld (WB). Es liegt der Geruch von heißem Benzin und Gummi in der Luft. Die Musik setzt immer wieder ein und hört plötzlich wieder auf, Artisten springen in Jogginganzügen über die Bühne. Zeitweise ist nur zu erahnen, wie die fertige Show im schwarz-gelben »Flic Flac«-Zelt an der Radrennbahn einmal aussehen wird.
Vier Tage hat Choreografin Elena Skyrtach Zeit, aus der Ansammlung wagemutiger Artisten und ihrer Nummern ein durchgehendes Programm zu schaffen.

Von Mike-Dennis Müller
Auch auf Details achten die Verantwortlichen bei ihrer Inszenierung. Die Helfer in kurzen Umbauphasen tragen furchterregende Masken
Auch auf Details achten die Verantwortlichen bei ihrer Inszenierung. Die Helfer in kurzen Umbauphasen tragen furchterregende Masken Foto: Mike-Dennis Müller

Unzählige Sprachen scheint die energiegeladene Rothaarige zu sprechen – und das muss sie auch können. Aus Brasilien, Kolumbien, Schweden oder Russland etwa kommen die Menschen, die bei dem Action-Zirkus direkt unter dem Zeltdach Drahtseilrad fahren oder Feuer spucken oder sich allein mit ihrer Muskelkraft gegenseitig in die Höhe heben. Nur für die chinesische Quingdao-Truppe muss dann doch eine Dolmetscherin her. Die Artisten aus Peking zeigen sonst eigentlich nur ihre pure Kraft. Jetzt sollen sie elegant choreografiert die Bühne betreten und sich in die Gesamtatmosphäre der Show einfügen.

Termine

Premiere ist am Mittwoch um 19.30 Uhr. Die Zirkuskasse ist täglich von 11 bis 20 Uhr geöffnet.

80 Mitarbeiter sind beim Bielefeld Weihnachts-Gastspiel von »Flic Flac« im Einsatz, knapp 30 von ihnen Artisten. In drei weiteren Städten finden gleichzeitig ähnliche Shows statt. Der Zeitdruck ist überall ähnlich.

Auf der Bühne stehen aber nicht nur erfahrene Profis. Für die Jagd nach Spider-Man hat der Zirkus drei Motorsportler aus Ostwestfalen angeheuert. Einer von ihnen ist der 26-jährige Jan Junklewitz aus Enger. Auf seiner 69 Kilogramm schweren Sherco-Maschine springt er über Autos und Hindernisse, um den flinken Spinnenmann zu schnappen. »Den Motorsport betreibe ich schon lange, doch das ist für mich komplett neu«, sagt er. Wie Jan Junklewitz sich für seine Premiere im Zirkus vorbereitet, sehen Sie in unserem Video:

Mit letzten Markierungen und dem richtigen Schwung bereiten sich der Brasilianer Jesse und Julio aus Kolumbien auf ihren Auftritt im Todesrad vor. Choreografin Elena Skyrtach verlang auch von ihnen Präzision. Vom ungewöhnlichen Artistik-Gerät hinab müssen sie auf einen exakten Punkt auf der Bühne abspringen, damit alles andere passt. Sogar das Hineinfahren des Rades wird immer und immer wieder geprobt, der Aufbau mit maskierten Helfern und lauter Musik inszeniert.

Zwölf Stuhlreihen höher sitzen Tontechniker Dennis Bolduan und Lichtmeister Till Meyer. Auch sie müssen die Einsätze genau schaffen, dürfen keine Fehler machen. Zwar haben sie einen guten Überblick, doch ein Risiko bleibe immer. »Fehlt plötzlich das Licht oder blendet es, fällt einer der Artisten im schlimmsten Fall vom Seil«, sagt Meyer.

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