TuS 08 startet Spenden-Kampagne – Der Ball soll schon Anfang 2016 auf dem neuen Belag rollen Sennes Kicker wollen Kunstrasen

Bielefeld (WB). Mit ihrer Nachwuchsarbeit feiert die Fußballabteilung des TuS 08 Senne I Erfolge, zählt mit 16 Junioren-Mannschaften zu den Großen in Bielefeld. Der Zustand des Asche- und des Rasenplatzes setzt allerdings Grenzen; daher hat der TuS Senne nun das »Projekt Kunstrasenplatz« gestartet.

Von Peter Bollig
Mit Werbeartikeln, Flyern und Spendenbüchsen zur Kampagne »Über 350 Kinder brauchen Platz« wollen sie die Finanzierung eines Kunstrasens auf die Beine stellen (von links): Vorsitzender Lars Herrmann, sein Stellvertreter Stefan Mahne, Spielbetriebsleiter Rüdiger Ehlers, Jugendleiter Wolfgang Prasse und Sprecher Frank Machwitz von der Fußballabteilung des TuS 08 Senne I.
Mit Werbeartikeln, Flyern und Spendenbüchsen zur Kampagne »Über 350 Kinder brauchen Platz« wollen sie die Finanzierung eines Kunstrasens auf die Beine stellen (von links): Vorsitzender Lars Herrmann, sein Stellvertreter Stefan Mahne, Spielbetriebsleiter Rüdiger Ehlers, Jugendleiter Wolfgang Prasse und Sprecher Frank Machwitz von der Fußballabteilung des TuS 08 Senne I. Foto: Peter Bollig

Wo der Ball derzeit noch auf Asche rollt, soll von Anfang 2016 an ein Kunstrasen-Belag bessere Spielbedingungen bieten. Dafür will der Verein 325 000 Euro in die Stadion-Anlage am Waldbad investieren, wird auf eine finanzielle Unterstützung der Stadt aber wohl verzichten müssen. Obwohl der Sportplatz zwischen Waldbad und Schulzentrum der Stadt gehört, werde es voraussichtlich keine öffentlichen Zuschüsse geben, so die Einschätzung des Vorstands der Fußballabteilung, der gestern das Projekt vorgestellt hat.

Abteilungssprecher Frank Machwitz, der das Projekt Kunstrasen leitet, nennt als Grund ein Gutachten, das dem Stadtbezirk Senne keinen Zuwachs an jungen Leuten und damit keinen Handlungsbedarf bei den Sportstätten aufzeigte. »Das Gutachten ist aber veraltet«, sagt Machwitz. Denn inzwischen seien große Baugebiete am Breipohls Hof und am Wahlbrink vermarktet worden, viele Haushalte mit Kindern seien nach Senne gezogen.

Das lasse sich auch an der Zahl der jungen Fußballer des TuS 08 Senne ablesen. Neben TuS Eintracht, VfL Theesen und VfR Wellensiek gehört Senne eigenen Angaben zufolge mit mehr als 300 Kindern in 16 Mannschaften zu den vier Bielefelder Fußballvereinen mit den größten Jugendabteilungen. 81 junge Leute stünden auf einer Warteliste und müssten mangels Platzkapazitäten abgewiesen werden, darunter 67 Vier- bis Elfjährige. So hat der TuS 08 Senne seine Kunstrasen-Kampagne denn auch unter das Motto »Über 350 Kinder brauchen Platz« gestellt.

Visionen für das Stadiongelände

Über den Bau eines Kunstrasenplatzes hinaus hat die Fußballabteilung des TuS 08 Senne I  weitere Visionen, um langfristig einen attraktiven Spiel- und Trainingsbetrieb anbieten zu können. So stehen am Sportplatz nur zwei Umkleidekabinen und wenige Räume zur Verfügung. Der TuS hält ein neues Vereinsheim zwischen dem jetzigen Asche- und dem Rasenplatz für machbar. Um auch abends auf dem Rasenfeld trainieren zu können, möchte der TuS Senne auch dort eine Flutlichtanlage haben. Weil der Platz einst nur für zwei Spiele am Wochenende geplant war, ist eine Beleuchtung nie als notwendig erachtet worden. Inzwischen trainieren dort unter der Woche die jüngeren Kinder.

Um die Kapazitäten auszuweiten, möchte die Fußballabteilung als weiteres Fernziel ein zusätzliches Kleinspielfeld anlegen. Aus Sicht des Vorstands wäre eine ungenutzte Fläche auf dem Waldbadgelände neben der Straße geeignet.

Der Fußball-Vorstand um Lars Herrmann und seinen Stellvertreter Stefan Mahne sieht den Zustand der beiden Plätze als großes Hemmnis. Der Rasenplatz sei bei schlechtem Wetter oft gesperrt. Weil er nicht über Flutlicht verfügt, sei von Oktober an kein Trainingsbetrieb möglich. Und auch der Ascheplatz sei bei Regen nicht gut zu bespielen. Insgesamt, rechnet Frank Machwitz vor, fallen im Jahr etwa 500 Trainingsstunden aus. Das sei auch den Eltern schwer zu vermitteln, betont Jugendleiter Wolfgang Prasse. Darüber hinaus sei ein Ascheplatz nicht mehr zeitgemäß. 90 Prozent der Auswärtsspiele würden auf Kunstrasen ausgetragen. Auf diese Spielbedingungen müsse sich der Senner Nachwuchs bei jedem Spiel erst einmal neu einstellen. Und schließlich gebe es ab der D-Jugend auch immer wieder Abmeldungen von Spielern, die mit den Platzverhältnissen ihres Vereins nicht mehr einverstanden seien.

Um bessere Bedingungen, letztlich auch mehr Trainingszeit und Kapazitäten für weitere Kinder zu schaffen, soll der Asche- in einen Kunstrasenplatz umgewandelt werden. Von den veranschlagten 325 000 Euro sollen maximal 200 000 Euro über die NRW-Bank als günstiges Sportstätten-Darlehen aufgenommen, mindestens 125 000 Euro aus Eigenleistungen finanziert werden. Dabei hofft die Fußballabteilung auf die Unterstützung von Spendern und Sponsoren. Etwa 40 000 Euro seien kurz nach dem Start der Kampagne bereits zusammengekommen, sagt Machwitz. Der TuS Senne macht jetzt mit Werbeartikeln und Infoständen bei Veranstaltungen auf sein Projekt aufmerksam und hat auf der Internetseite http://kunstrasen.tus08senne.de/paten/ die Möglichkeit eingerichtet, Geld zu spenden und für jeweils 25 Euro die Patenschaft für eine kleine Parzelle der etwa 4230 Quadratmeter großen Kunstrasenfläche zu übernehmen. Ende 2015 soll dann mit dem Bau des Platzes begonnen werden, die Inbetriebnahme ist für März 2016 geplant.

Die etwa 1000 Euro, die monatlich für den Kredit der NRW-Bank an Zins und Tilgung zu leisten sind, sollen unter anderem aus Turniereinnahmen, Ferien-Fußballcamps, durch Sponsoren und Fördermitglieder sowie notfalls auch durch eine Beitragserhöhung getragen werden, heißt es aus dem Vorstand.

Letztlich hofft der Verein, doch noch öffentliche Mittel aus der Sportpauschale zu bekommen. Dazu, sagt Machwitz, soll es weitere Gespräche mit der Stadt geben. Die wolle zumindest die Pflege des Kunstrasens übernehmen.

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