37-Jährige aus Willebadessen übersieht in Bielefeld offenbar einen Zug und wird getötet Frau von Partybahn überrollt

Bielefeld (WB). Nach dem tödlichen Stadtbahnunfall in Bielefeld deuten erste Indizien darauf hin, dass die ums Leben gekommene 37-Jährige aus Willebadessen (Kreis Höxter) versehentlich vor den Sparren-Express gelaufen ist. Offenbar hatte die Frau die Partybahn des Verkehrsunternehmens Mobiel  auf dem Niederwall mitten in der Innenstadt übersehen.

Von Jens Heinze
Am Unglücksort auf dem Bielefelder Niederwall sind Kerzen aufgestellt worden. Die 37-jährige Frau aus Willebadessen (Kreis Höxter) wurde auf dem Gleisübergang von einer Partybahn erfasst. Offenbar hatte sie den Zug  übersehen.
Am Unglücksort auf dem Bielefelder Niederwall sind Kerzen aufgestellt worden. Die 37-jährige Frau aus Willebadessen (Kreis Höxter) wurde auf dem Gleisübergang von einer Partybahn erfasst. Offenbar hatte sie den Zug übersehen. Foto: Hans-Werner Büscher

WESTFALEN-BLATT-Informationen zufolge soll die Frau am späten Freitagnachmittag auf dem Fußgängerüberweg vor einem Brautmodengeschäft an der Kreuzung Niederwall/Hermannstraße seitlich gegen den Sparren-Express gelaufen sein. Dann stürzte das Unfallopfer, dessen Identität Freitagabend lange Zeit ungeklärt war, zu Boden und wurde von der mit Feiernden besetzten Partybahn überrollt.

Fahrer hat nichts bemerkt

Der Fahrer der Bahn bemerkte nichts davon. Er steuerte seine Bahn weiter Richtung Jahnplatz. Ob die Geräuschkulisse im Partyzug ein Grund dafür war, dass offenbar niemand den Unfall bemerkte, ist unklar. Die Partybahn wurde erst an der Endhaltestelle in Bielefeld-Milse gestoppt. Auch der nachfolgende Fahrer einer Stadtbahn der Linie 2 soll die im Gleisbett liegende Frau nicht gesehen haben. Sie wurde also ein zweites Mal überfahren, wie Ermittlungen ergaben. Erst eine Fahrerin der Linie 1 erkannte gegen 17.50 Uhr das Unfallopfer, leitete eine Notbremsung ein. Die Bahn kam vor der Leiche zum Stehen.

Zum Unfallzeitpunkt war es  bereits dunkel. Zudem regnete es in Strömen. Möglich ist, dass die 37-Jährige mit einem Regenschutz und mit gesenktem Kopf zu einem Treffen mit ihrer Mutter eilen wollte und wegen ihres eingeschränkten Blickfeldes die Partybahn nicht bemerkte. Nach Angaben der Polizei hielt sich die Frau aus Willebadessen wegen eines Klinikaufenthalts in Bielefeld auf. Ihre Mutter wollte sie dort besuchen. Ob Zeugen den sich bislang abzeichnenden Unfallhergang bestätigen werden, ist noch ungewiss, sagte Polizeisprecher Jörg Häckel gestern. Bislang hätten sich vier weitere Zeugen bei der Polizei gemeldet, die aber noch nicht verhört worden seien. Er bittet darum, dass weitere Zeugen – Bahnfahrgäste, Fußgänger, Auto- oder Radfahrer – die Polizei unter Telefon 0521/5450 kontaktieren.

Zeugenbefragungen laufen

»Wir ermitteln derzeit die Lebensverhältnisse der Getöteten und prüfen auch das persönliche Umfeld. Zudem werden Fahrgäste aus den betroffenen Bahnen befragt. Das Verkehrskommissariat 1 überprüft auch die Ampelschaltung an der Kreuzung, wo sich der Unfall ereignet hat«, sagte der Polizeisprecher. Auf Anweisung der Staatsanwaltschaft sei ein Gutachter mit der Aufklärung der Umstände beauftragt worden, die zum Tod der 37-Jährigen führten.

Außerdem würden die Fahrer der Bahnen vernommen, die die Frau überrollt haben sollen, bestätigte Polizeisprecherin Sonja Rehmert. Warum die Mitarbeiter des Verkehrsunternehmens Mobiel die Frau im Gleisbereich an einer großen Kreuzung in der Innenstadt nicht erkannten und ob ihnen fahrlässige Tötung und Unfallflucht vorzuwerfen sei, könne zum jetzigen Zeitpunkt der Ermittlungen noch nicht gesagt werden.

Kai-Uwe Steinbrecher, Mobiel-Betriebsleiter, nahm den Fahrer des Sparren-Expresses in Schutz: »Der Fahrer hatte keine Chance, den Unfall zu sehen«, sagte er auf Anfrage dieser Zeitung. Wenn sich die bisherigen Ermittlungen bestätigten, sei die 37-Jährige im »toten Winkel« hinter dem ersten Drehgestell von der Partybahn erfasst und in den nicht beleuchteten Gleisbereich geschleudert worden. Steinbrecher: »Für die vom Unfall betroffenen Fahrer ist das eine schlimme Sache. Sie werden psychologisch betreut.«

Kommentare

sehr traurig und grausam

Ein schrecklicher Unfall, der mir nicht mehr aus dem Sinn geht. Mit dem Mantel oder den Schnürsenkel verheddert..., ich mag mir den Tod dieser armen Frau nicht vorstellen, so grausam ist es und ich denke ganz Bielefeld braucht psychologische Beratung um das zu begreifen.Ich musste heute über diese Stelle gehen und habe geschluckt und ich merkte, wie unsicher die Leute jetzt alle sind und ängstlich........Ich würde mir Schranken wünschen oder die beiden Übergänge sperren, dann eben einen Umweg in Kauf nehmen..... Wie oft rennen am Rathaus noch oder schon welche über die gelb blinkende Ampel! Und der Koloss von Sparren- Express ist bitteschön dunkelblau wie die Nacht- warum eigentlich nicht neonfarben?
Es muss doch da kostengünstige Möglichkeiten geben, damit soetwas nie mehr passiert?!

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