Plattform-Parteien wollen Naturschutz statt Untersee – Obersee als Freizeitgewässer Abschied von einem Traum

Bielefeld (WB). Die Verwaltung soll ein Grobkonzept für ein Naturschutzgebiet Johannisbachaue erstellen. Gleichzeitig soll die stärkere Freizeitnutzung des Obersees geprüft werden. Darauf haben sich die Parteien der Rathaus-Plattform verständigt.

Von Michael Schläger
Der Obersee ist eines der beliebtesten Ausflugsziele der Bielefelder. Künftig könnte dort eine stärkere Freizeitnutzung möglich sein. Ein Untersee würde sich in der Aue jenseits des Viadukts anschließen. Doch dort soll ein Naturschutzgebiet entstehen.
Der Obersee ist eines der beliebtesten Ausflugsziele der Bielefelder. Künftig könnte dort eine stärkere Freizeitnutzung möglich sein. Ein Untersee würde sich in der Aue jenseits des Viadukts anschließen. Doch dort soll ein Naturschutzgebiet entstehen. Foto: Thomas F. Starke

 Am Freitag stellten die Vertreter von SPD, Grünen, Linken und Bürgergemeinschaft den gemeinsamen Antrag vor. Er wird auch von den Piraten und der Bürgernähe mitgetragen und am kommenden Dienstag im Umweltausschuss des Rates behandelt (Beginn: 17 Uhr, Altes Rathaus). »Uns geht es um einen unumkehrbaren Naturschutz«, sagte SPD-Fraktionsvize Holm Sternbacher. Eigentlich waren die Flächen in der Johannisbachaue für den Untersee gekauft worden. Es sei an der Zeit, dieses Projekt ad acta zu legen, meinte Jens Julkowski-Keppler, Fraktionschef der Grünen.

 Alexander von Spiegel (BfB) bemühte die nie realisierten Planungen für eine Rhein-Elbe-Kanal, der im 19. Jahrhundert an Bielefeld vorbeigeführt werden sollte, um die Ursprünge der Bielefelder Lust auf Wasser zu begründen. Die könne durch einen Obersee, der auch der Freizeitnutzung geöffnet werde, befriedigt werden. Geprüft werden müsse, ob die für den Untersee angekauften Flächen zurückgegeben werden könnten. Rund 20 Millionen Euro sollen dafür aufgewandt worden sein.

 Der Obersee, der nach den ursprünglichen Planungen naturbelassen bleiben sollte, während der Untersee als Freizeitgewässer gedacht war, sei zu einer »Mästanstalt für Gänse und Ratten verkommen«, sagte Benni Stiesch (Linke). »Da schadet es nicht, wenn jetzt Ruderboote dazukommen.«

 Noch in der vergangenen Woche hatte Unternehmer Wolfgang Böllhoff von sich reden gemacht, als er eine Finanzspritze für einen Untersee zusicherte. »Jetzt soll über die Köpfe der Bürger hinweg der Bau eines Untersees unmöglich gemacht werden«, kritisierte die FDP-Ratsgruppensprecherin Jasmin Wahl-Schwentker. »Die Frage nach dem Bau eines Untersees eignet sich sehr gut für einen Bürgerentscheid«, schlug sie vor.

 Kritik an den Naturschutzplänen für die Johannisbachaue kam auch von der Vorsitzenden des Vereins »Pro Untersee«, Monika Kammeier. »Warum soll jetzt mit hohem Aufwand ein Naturschutzgebiet entwickelt werden und damit unverrückbare Fakten geschaffen werden?«, fragte sie. Die Johannisbachaue könne naturbezogen entwickelt werden, die See-Option aber müsse bleiben.

 Das Bürgerprojekt »Mein See für Bielefeld« forderte dazu auf, am Dienstag in die Umweltausschusssitzung zu kommen und den Politikern »davon abzuraten«, ihren Antrag zu verabschieden. Projekt-Initiator Axel Schubert hatte gerade erst ein neues Konzept für den Untersee vorgestellt.

 Für die Antragsteller ist die Sache dagegen klar: Der Naturschutz soll kommen. Dass ihr gemeinsamer Antrag auch der Beginn einer nunmehr festen Plattform-Zusammenarbeit sei, wollten sie allerdings nicht bestätigen. »Wir wollen aber ein Zeichen setzen, dass wir Verantwortung für die Stadt übernehmen.« sagte Jens Julkowski-Keppler.

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