Skala eröffnet wieder in der Innenstadt Altes Kino ist jetzt eine Diskothek

Bielefeld (WB). Draußen am Haus die bekannte Leuchtreklame, davor eine lange Menschenschlange, drinnen feinste Musik vom Techno-Pionier: Bielefeld hat seine Skala wieder. Veranstalter Torsten Seidel ist begeistert, der neue Hauseigentümer Karl-Heinz Esdar nicht minder: »Unser aller Einsatz hat sich gelohnt.«

Von Michael Diekmann
Im großen Kinosaal wird jetzt getanzt.
Im großen Kinosaal wird jetzt getanzt. Foto: Mike-Dennis Müller

Samstag kurz vor 23 Uhr bibbern die Musikfans draußen auf der Herforder Straße. »Und abends in die Skala« – die stadtbekannte Leuchtreklame ist noch nicht ganz wieder in Schwung. Eine Leuchtstoffröhre wird gerade in Handarbeit vom Spezialisten für Werbetechnik ganz exakt nachgebaut, berichtet Karl-Heinz Esdar. Der Begeisterung bei den Samstagsgästen tut das Lichtdefizit keinen Abbruch. Als der Kfz-Meister den leerstehenden alten Kino-Komplex vor genau einem Jahr aus privatem Interesse von der Sparkasse gekauft hatte, wurde er vielfach milde belächelt. »Ich wollte etwas für Bielefeld tun«, sagt Esdar selbst fast trotzig. 

Die Leuchtreklame soll in Kürze wieder ganz funktionieren. Foto: Mike-Dennis Müller

Dass ihm das gelungen ist, beweist nicht zuletzt die Doppel-Premiere am Freitag und Samstag, mit der Torsten Seidel sein Konzept unterstreicht. Seidel, gebürtig aus Lage, ist Geschäftsführer der Skala Event GmbH. Die Räume des 1954 von Hedwig Thiede eröffneten Kinopalasts hatte er schon länger im Visier. Erst in der Kooperation mit Vermieter Karl-Heinz Esdar gelang die Umsetzung des ehrgeizigen Projekts. Der kulturelle Traditionsort, so Seidel, verdiene es einfach, neu belebt zu werden.

Tonanlage der Diskothek deutschlandweit einzigartig

Aus drei Kinosälen werden Club- und Eventbereiche. Der Clubbereich ist schon am Start. Immer freitags und samstags ab 23 Uhr können Nachtschwärmer künftig abtanzen im großen Skala-Saal mit außergewöhnlichen Sitzmöbeln aus Europaletten. Dafür hat Seidel lieber in die Technik investiert. Der Club hat eine Void-Incubus-Anlage bekommen. Seidel: »Die gibt es so noch nicht in Deutschland.« Um sie fachgerecht zu bespielen, bittet Seidel regelmäßig Szeneprofis aus den Metropolen zum Auflegen. Hinter der Qualität verstecken muss sich die Skala selbst bei der Akustik ganz und gar nicht. Logisch, schon in den Sechziger Jahren hatte das Skala-Kino stets zu den modernsten Lichtspielhäusern gehört.

Platz für Modenschauen, Konzerte oder Tagungen

Die Pläne von Karl-Heinz Esdar und Torsten Seidel reichen derweil viel weiter. Es gibt zahlreiche namhafte Unternehmen vor Ort, die für außenwirksame Veranstaltungen für die Skala gewonnen werden sollen. Es gibt, so Seidel, Platz für Modenschauen, Pressekonferenzen, Dinner und Tagungen, Theater und Konzerte. Ein Parkhaus und die Stadtbahn sind direkt nebenan. Und die Außenwirkung des lange vernachlässigten Objekts hat sich dank Esdars Engagements bereits eindrucksvoll verbessert, bestätigen Passanten.

Bis April möchte Torsten Seidel auch das ehemalige Studio-Kino umgestaltet haben. Sein Büro hat er in einer der ehemaligen Künstlergarderoben bezogen, die während des kurzen Intermezzos als Varieté eingebaut worden waren. Der große Rest des City-Komplexes ist laut Esdar auf einem guten Weg. Bis auf zwei kleine Einheiten sind alle Büros und Wohnungen vermietet. Esdar: »Ich war mir sicher. Mit Augenmaß und vertretbaren Mieten bekommt die Skala eine neue Chance.« 

Torsten Seidel

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