Denkmalsatzung ist für Bad Lippspringer Bürgermeister »rechtssicheres Verfahren« Rat stimmt für Auguste-Planung

Bad Lippspringe (WB/kar). Die Denkmalbereichssatzung für das Auguste-Viktoria-Stift (AVS) in Bad Lippspringe hat eine entscheidende Hürde genommen. Gegen die Stimmen der CDU votierte der Rat am Mittwochabend mehrheitlich für die Auslegung des Entwurfs.

Die Denkmalbereichssatzung für die Auguste lässt auch im nördlichen Bereich Richtung Strothe Wohnbebauung zu. Ausgeklammert ist jedoch das ehemalige Wirtschaftsgebäude mit seinem markanten Turm. Auf der Südseite muss die Sichtachse bis zur Grabanlage Rapmund erhalten bleiben.
Die Denkmalbereichssatzung für die Auguste lässt auch im nördlichen Bereich Richtung Strothe Wohnbebauung zu. Ausgeklammert ist jedoch das ehemalige Wirtschaftsgebäude mit seinem markanten Turm. Auf der Südseite muss die Sichtachse bis zur Grabanlage Rapmund erhalten bleiben. Foto: Besim Mazhiqi

 Mehrheitlich hatte dies bereits der Kulturausschuss in der vergangenen Woche befürwortet. Mit einer Spitze gegen die Stadtverwaltung eröffnete Walter Strop (CDU) die Diskussion in der Ratssitzung: »Wer lesen kann, ist wirklich im Vorteil.« Nachdem er das 70-seitige Papier im Detail studiert habe, könne er nur zu dem einen Ergebnis kommen: Dem Landesdenkmalamt werde durch die neue Bereichssatzung ein sehr hohes Mitspracherecht sowohl bei bestehenden Gebäuden als auch den 50 neu geplanten Wohnhäusern im AVS-Gelände eingeräumt. Das mache Paragraf 5 des vorliegenden Entwurfs deutlich. Strop plädierte dafür, die Satzung in und zwischen den Fraktionen nochmals zu beraten und – wenn möglich – einen Konsens zu finden. Kritik äußerte Strop unter anderem daran, die zwei Wohnhäuser im Eckbereich der Auguste-Viktoria-Allee in die Denkmalbereichssatzung aufzunehmen: »Diesen Teil des Entwurfs werden wir auf jeden Fall nicht akzeptieren.«

Die Mitarbeiter der Entrümpelungsfirma um André Wulf (rechts) sorgen derzeit für Ordnung auf dem Gelände. Foto: Besim Mazhiqi

Bauamtsleiter Ferdinand Hüpping nannte die Kritik Strops unbegründet: »Die vorliegende Denkmalsbereichssatzung eröffnet uns endlich die gewünschten Gestaltungsmöglichkeiten. Und was vielleicht noch wichtiger ist: Die Stadt als Untere Denkmalbehörde bleibt im weiteren Entscheidungsprozess Herr des Verfahrens.« Seit den ersten Verhandlungen im Jahre 2012, auch davon ist Bad Lippspringes Bauamtsleiter überzeugt, habe die Gemeinde Wesentliches erreicht. So sei die vom Landesdenkmalamt ursprünglich geforderte komplette Unterschutzstellung des gesamten acht Hektar großen Areals der AVS vom Tisch. Die Möglichkeiten einer Vermarktung hätten sich so eindeutig verbessert.

Bürgermeister Andreas Bee sieht in der neuen Denkmalbereichssatzung das entscheidende Instrument für ein rechtssicheres Verfahren. Es gebe zwar zwei reale Alternativen, die aber könne er dem Rat nicht empfehlen: »Möglich wäre beispielsweise, dem ursprünglichen Ansatz des Landesdenkmalamtes zu folgen und die Auguste samt Gelände komplett unter Schutz zu stellen. Dann aber hätten wir unsere jahrelangen Bemühungen dagegen ad absurdum geführt. Die zweite Möglichkeit bestünde darin, einen Minister-Entscheid zum Denkmalschutz der Auguste herbeizuführen. Dann wären wir im weiteren Verfahren aber außen vor.« Der von der CDU vorgeschlagenen neuen Beratung in den Fraktionen konnte Bee ebenfalls nur wenig Positives abgewinnen: »Das würde zusätzlich Zeit kosten und auch den Bau der 50 Wohnhäuser verzögern.«

Die Offenlegung des Satzungsentwurfs wurde von den anderen Fraktionen als notwendiger und richtiger Schritt bezeichnet. Entsprechend fiel das Abstimmungsergebnis aus: Es gab 21 Ja-Stimmen, 14 Ratsmitglieder votierten mit Nein, einer enthielt sich.

Voraussichtlich nach Ostern haben Bürger, Behörden und sonstige Institutionen vier Wochen lang die Möglichkeit, zum vorliegenden Satzungsentwurf Stellung zu nehmen. Danach wird der Rat über die eingegangen Vorschläge oder Bedenken wieder beraten.

Weiter vorangetrieben werden kann auch der Bebauungsplan für die Auguste im nördlichen Bereich. Hier hatte die Planerin Heike Kussinger-Stanković bereits im Kulturausschuss darauf hingewiesen, dass dieser Plan noch an die Satzung angepasst werden müsse. So wird wie im Bebauungsplan 64a textlich beispielsweise für die Wohnbebauung ein Putz in weißer, beigefarbener und hellgelbsandiger Farbe festgelegt. Dacheindeckungen hätten zudem mit unglasierten Dachpfannen in ziegelroter Farbe zu erfolgen. Damit das historische Stiftgebäude optisch nicht beeinträchtigt wird, ist im Vorentwurf für den nördlichen Bereich auch ein Verbot von Photovoltaikanlagen auf dem Dach vorgeschrieben.

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